9. Autorentag in Mölln

Mölln wird zum Mekka der niederdeutschen Schriftsteller in Norddeutschland.

Mölln – „Leve Schrieverslüüd“ – zwei Worte voller Zuneigung, die fast das ganze Programm des 9. Autorentages in sich vereinten. „Schrieverslüüd“ im Alter von 33 bis 86 Jahren waren nach Mölln gereist. Volker Holm hieß sie mit dem bewährten Motto „Platt för hüüt un morgen!“ willkommen. „In’t Lauenborgische ward veel doon för de plattdüütsche Spraak“, sagte der Organisator des neunten Treffens.

Plattdüütsch spricht man in Norddeutschland, das ist mal klar. Doch auch im fernen Bundesland Bayern wird Platt geschnackt – und nicht zu knapp. Unter den 35 „Schrieverslüüd“ fand sich auch Monika Klinkenberg-Weigel ein. Sie war aus dem schönen Traunstein nach Mölln geeilt, um hier in ihrer „Moderspraak“ zu lesen, denn norddeutsche Wurzeln hat die Autorin natürlich. Selbstbewusst und modern, kommunikativ und doch bodenständig, so erlebten über 80 Besucher des Autorentages in Mölln das Plattdeutsche in vielen Ausprägungen. Das traditionelle Treffen, bei dem einen ganzen Tag lang Plattdeutsch-Autoren Beispiele ihres schriftstellerischen Könnens zeigen, bot Unterhaltung auf hohem Niveau: Dabei erlebten Gäste und Teilnehmer, wie Holsteinisches „Snacken“, Ostfriesisches „Praten“ und Mecklenburgisches „Sprechen“ klingt.
Was sagten die Autoren über den Tag?
„Es ist für mich wie ein Familientreffen. Ich komme aus Rostock und freue mich schon das ganze Jahr auf diesen Tag.“ Die Mecklenburgerin Gisela Schwarz kommt seit 2011 jedes Jahr nach Mölln. Fast „Nachbarin“ ist Brigitte Fokuhl aus Lübeck. Sie gehört zu den wenigen Autoren, die von Anfang an dabei sind. Ihr Fazit: “Es ist immer wieder ein Erlebnis, hier zu sein.“ Niels Tümmler aus Lüneburg und Arne Lentföhr aus Kiel gehörten zu den neun Neuen beim Treffen – und eindeutig zur „Jugend“. Beide trugen flotte Texte in ausgezeichnetem Platt vor und waren sich einig: Ein spannender und interessanter Plattdüütsch-Tag voller Kontaktmöglichkeiten. Wie im Vorjahr, als Manfred Sahm (Mölln) und Heinz Tiekötter (Börnsen) erstmals als Schriftsteller aus dem Kreisgebiet in der Autorenrunde dabei waren, hatte Volker Holm auch in diesem Jahr zwei Schrieverslüüd aus der Region eingeladen: Willi Janicki aus Elmenhorst und Ingrid Stenske-Wichmann aus Börnsen traten erstmals auf die Bühne. Beide spielten schon bei einer Aufführung der Eulenspiegelfestspiele in Mölln zusammen.
Viel Lob vom Kreis und vom Land
Die Stiftung Herzogtum Lauenburg mit Präsident Klaus Schlie sowie Volker Holm (Leiter des Zentrums für Niederdeutsch in Ratzeburg) waren gutgelaunte Gastgeber des „Plattdeutsch-Tages der Niederdeutschautoren“.  Beide hoben die Bedeutung dieser bestens etablierten Großveranstaltung hervor und wiesen auf die Breitenwirkung hin: Nur in Mölln gelingt der Austausch von Plattdeutsch-Autoren aus ganz Norddeutschland in so familiärer Art. Dass das Treffen dann alljährlich auch mit der beliebten Dokumentation inklusive Leesbook für alle Teilnehmer und interessierte "Leseratten" eine vertiefende Wirkung hat, krönt den Einsatz so vieler Helfer, wie Volker Holm sagte. Denn: ernste und heitere Texte, Lyrik und Musik, Einsteiger und Profis finden hier einen festen Platz.

Auch Kreispräsident Meinhard Füllner, der seit Jahren zum Autorentag kommt und op Platt, seine Grußworte an die Teilnehmer und Gäste richtete, freute sich über die große Resonanz. Niederdeutschreferent Volker Struve vom schleswig-holsteinischen Ministerium für Schule und Berufsbildung überbrachte Grüße aus der Landeshauptstadt und berichtete über die großen Erfolge in den Unterrichts-Einheiten an Schulen. Plattdeutsch wird wie eine Fremdsprache unterrichtet und über 1500 Schüler nehmen teil. 2016 solle das Programm noch aufgestockt werden, so Struve.
Vortrag: „Nee’e Medien un Platt – woans kümmt dat tohoop?“
Traditionell gibt es vor den eigentlichen Autorenlesungen – in diesem Jahr trugen 35 Autoren aus fünf Bundesländern im Viertelstunden-Takt eigene Werke in drei Räumen des Stadthauptmannshof-Ensembles vor -einen stets sehr anspruchsvollen und mit Experten aus der Szene besetzten Fachbeitrag: Diesmal stand der Vortrag von Christiane Ehlers vom Institut für niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen im Mittelpunkt: „Nee’e Medien un Platt – woans kümmt dat tohoop?“ Sie zeichnete in ihrem lebendigen und von einigen Hörbeispielen unterstützten Referat die ganze Bandbreite der Möglichkeiten im Internet für Plattschnacker auf. Netzwerke nutzen, Blogs als modernes Tagebuch anbieten, Bücher und Texte online stellen und sich virtuell austauschen, das wird bereits von vielen Autoren genutzt, aber die Chancen seien noch lange nicht alle bekannt. Sie ermunterte die Autoren in Mölln, sich bei den vielen Projekten (z.B. der Kriminalroman-Angebote) des INS zu beteiligen.

Die Fachreferate bestimmten in den letzten Jahren stets den „Stand“ des Niederdeutschen in der Gesellschaft. Auch dieser bildungspolitische Ansatz der Möllner Autorentage ist wertvoll und zeigt das hohe Niveau, dem sich Volker Holm verpflichtet fühlt. Eine Chronologie: 2006 sprach Reinhard Goltz über die „Lust un Last bi’t Schrieven op Platt“. 2007 wurde Dr. Claus Schuppenhauer als Referent gewonnen, der „Über Geltung und Pflege niederdeutscher Sprachkultur“ sprach. 2008 stellte Albert Rüschenschmidt seinen Text unter das Motto: „ Weitergabe von Niederdeutsch an Kinder und Jugendliche“. 2009 gab es von Hartmut Cyriacks einen launigen Vortrag zum Thema “Übersetzungen ins Plattdeutsche“. 2010 stand Referent Carl-Heinz Dirks mit dem Vortrag „Schrieven op Platt“ am Pult. 2012 kam Prof. Dr. Willy Dierks von der Universität Flensburg, um über Schreibwerkstätten zu referieren. 2013 war Dr. Jochen Schütt, Leiter der Heimatfunkredaktion von Radio Bremen, mit einem Vortrag über das niederdeutsche Hörspiel zu Gast. 2014 war der NDR mit „Hör mol en beten to“ vertreten. (2011 gab es keinen Autorentag).

Platt und Musik – ein starkes Duo

Einen Autorentag ohne Musik gibt es nicht: Während Lorenz Stellmacher (Krummesse) am Vormittag am Akkordeon, Nyckelharpa und Klavier beschwingt in den Tag spielte, kam am Abend ein bekannter und beliebter Musiker und Liedermacher auf die Bühne: Volkert Ipsen aus Lübeck sang eigene Kompositionen im bekannt jazzigen Stil und rundeten mit diesem Vortrag das Programm stimmungsvoll ab.

Ohne die Vertreter der Stiftung stand Volker Holm am Ende allein auf der Bühne. Er dankte den vielen Helfern aus dem Niederdeutsch-Beirat, die wieder als Moderatoren dabei waren, er dankte dem Team der Stiftung für die Mitwirkung und gab den Gästen am Ende der Tagung ein Versprechen mit auf den Weg: 2016 wird es das nächste Treffen geben. Ein Jubiläum, denn dann heißt es zum zehnten Mal: „Platt för hüüt un morgen“. Herzlicher und langer Beifall galt Volker Holm und seiner Wienke. Marianne Ehlers vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund dankte dem engagierten Paar stellvertretend für die Autoren und Gäste.

Eine Dokumentation über den Tag mit dem beliebten und bekannten „Leesbook“, in dem alle vorgetragenen Texte nachzulesen sind, wird wie immer erscheinen. Die Doku 2014 liegt in der Stiftung vor und kann für drei Euro erworben werden. Sie birgt 76 Seiten schönen Lesestoff op Platt für den Urlaub.

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