Mit vollem Herzen bei der Sache

Geesthacht – Ein zeitloses Thema, eine runde anregende Ausstellung, eine bewegende Vernissage: Heidrun und Hans Kuretzky zeigen ihre Ausstellung "Heinrich Heine: Heimat & Exil" bis 5. Juli im GeesthachtMuseum. Mit Zeichnungen, Objekten, Keramik und Kalligraphie erfassen sie den großen Schriftsteller auf ihre Art …

Gelungene Eröffnung, altes und doch hoch aktuelles Thema, zwei exzellente Künstler, eine Laudatio, die selbst zum Kunstwerk wurde, passende Musik und viele spannende Gespräche. So das Fazit der Vernissage, mit der am 7. Juni 2015 im Geesthacht Museum die Ausstellung der Zeichnungen, Keramik, Skulpturen und Kalligrafie von Heidrun und Hans Kuretzky eröffnet wurde. Bis zum 5. Juli ist sie zu sehen. Das Ehepaar, das in Borstorf lebt, griff mit den meisterhaft betriebenen Medien – er liebt Keramik, sie die Kalligrafie – das Thema „Heimat und Exil“ auf.
Als Basis und Ausgangspunkt dient den Kuretzkys das Leben und Werk von Heinrich Heine, der seine Migration­serfahrungen in Worte (und Gedichte) fasste. „Das Thema, was und wo ist die Heimat, hat auch heute an Aktualität nichts verloren“, betont das Künstlerpaar, das wie Heine, aus Düsseldorf stammt. Nach der Premiere in Mölln kam die pfiffige Ausstellung nun dank Kooperation vom Geesthacht Museum und Lauen­burgischen Kunstverein (LKV) ins GeesthachtMuseum (Krügersches Haus, Bergedorfer Straße 28).
„Die Idee beeindruckt mich ebenso wie die Exponate – restlos!“, schwärmte schon während der Vernissage die Geesthachter Künstlerin Irene Netzebandt. Während Hans Kuretzky eine ganze Serie von fantastischen Porträt-Zeichnungen und Keramik präsentiert, hat Heidrun Kuretzky die ohnehin wunderbaren Zitate von Heine kalligrafisch auf Karton- und Leinenstreifen, Ölgemälde, aber auch auf Teller, Pergament-Papier oder ein Stück Blech eingetragen. Origineller geht’s kaum. Zum zentralen Exponat geworden: die Nachempfindung eines Segelbootes. Unterhalb des Segels begrüßten der Museumsleiter Wolf-Rüdiger Busch und der LKV-Vorsitzender Dr. William Boehart die rund 20 Gäste der Vernissage, schilderten kurz die Persönlichkeit Heinrich Heine.
In Langform tat es dann Dr. Jürgen Bönig vom Hamburger Museum der Arbeit. Seine Laudatio wurde beiläufig zum flüchtigen, exklusiven Kunstwerk. Bönig ging anhand vieler Details aus dem Heine-Leben auf die Kernfrage ein, was die Heimat ausmacht. Seine These: „Heimat ist stets dort, wo der Mensch es lernt und spürt, ein soziales Wesen zu sein.“ Mit vielen Herz bewegenden Bildern löste Bönig bei seinem Auditorium ein Kopfkino aus. Die kurzweilige, spannende Ausführung schloss er mit der Erkenntnis ab: „Ob damals oder heute: Wir brauchen keinen größten Kirchturm vom Geburtsort, wir brauchen keine Gegenstände aus der Vergangenheit, heutzutage auch keinen Basar von Aleppo … Denn die Heimat ist dort, wo wir mit anderen Menschen zusammen leben, wirken und kommunizieren können.“ Lang anhaltender Applaus.
Passend zum Thema auch die Musik: Der Geesthachter Musiker Gregor Bator steuerte die nostalgischen Preludien von Frederic Chopin bei, der zeitgleich mit Heinirch Heine im Exil in Paris lebte und unter Heimweh gelitten hatte. Zum Ausklang wählte er die „Moritat von Mackie Messer“ aus der „Dreig­roschenoper“ von Kurt Weill, der kurz nach der erfolgreichen Premiere (1935) in die USA geflüchtet war. Die bewegende Laudatio, vor allem aber die mit Heine-Zitaten angereicherte Ausstellung sorgten für Gesprächsstoff. Weit über eine Stunde lang unterhielten sich die Besucher nach der offiziellen Eröffnung lebhaft über das Themenspektrum.

Print Friendly, PDF & Email