Die Landesstipendiaten 2015

Lauenburg – Die Stipendiaten 2015 im Künstlerhaus Lauenburg sind ausgewählt: Fünf von insgesamt 134 Bewerbern aus aller Welt – darunter viele arrivierte Künstler – erhielten den Zuschlag: Dagrun Hintze für Literatur, Cheng-Wen Chen für Komposition, Björn Siebert sowie Almut Middel und Anna-Lena Grau für die Bildende Kunst und Neuen Medien.

Mitte Januar war es wieder soweit: Die Jurys hatten die Landesstipendiaten 2015 für das Künstlerhaus Lauenburg auszuwählen. 134 Künstler aus aller Welt hatten sich um die vier Aufenthaltsstipendien in der kleinen Stadt an der Elbe beworben. Keine leichte Aufgabe für die Juroren, die sich in der Sparte Kunst und Neue Medien mit fast 100 Kandidaten auseinanderzusetzen hatten, darunter zahlreiche arrivierte Künstler mit teilweise höchst anspruchsvollen Projekten. Im Vergleich zum relativ jugendlich besetzten Vorjahr haben in der 29. Stipendiatengeneration die etwas Älteren die Nase vorn. Das Literatur-Stipendium soll Dagrun Hintze (43) aus Hamburg erhalten, für Komposition wurde Cheng-Wen Chen (34) aus Bremen ausgewählt. Den Zuschlag für Kunst erhielten Björn Siebert (36) aus Leipzig sowie Almut Middel (42) und Anna-Lena Grau (34), beide aus Hamburg.

Fünfeinhalb Monate freien Arbeitsaufenthalt garantieren die mit monatlich 700,- Euro dotierten Stipendien für Literatur und Kunst, zweieinhalb Monate das Stipendium für Komposition (einmalig 2.000 Euro). Leitlinie für die Jurys: Kandidaten zu entdecken, denen eine Karriere im Kunst-, Literatur- und Musikbetrieb zugetraut wird, innovative Darstellungsformen hervorzubringen, aufzubauen und bekannt zu machen. „Wir sind gespannt auf eine muntere und uns neue Sichtweisen und Gedanken zumutende Künstlergeneration“, sagte Ulrike Mechau-Krasemann, Vorsitzende des Künstlerhauses Lauenburg, am Ende des Jurorentages. Im Mai sollen die Stipendiaten einziehen.

Literatur: Dagrun Hintze

Kulturmanager Volker Hillmann gab einen ersten Einblick vom Leben und Wirken der ausgewählten Stipendiaten. Die diesjährige Literatin Dagrun Hintze stammt aus Lübeck, lebt und arbeitet in Hamburg. Sie schreibt vor allem Lyrik, Kurzprosa, aber auch Theaterstücke. Sie ist u. a. Preisträgerin der Nationalbibliothek deutschsprachiger Gedichte und des Lyrik-2000-Preises und war 2008 zu den Tagen der Deutschsprachigen Literatur (Bachmann-Preis) in Klagenfurt eingeladen. Einige ihrer Bühnenwerke wurden u. a. am Theater Ulm, am Staatsschauspiel in Dresden und am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg aufgeführt. Hintze publiziert regelmäßig in namhaften deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften, wie in der Neuen Zürcher Zeitung und der Süddeutschen Zeitung. Während ihres Aufenthaltes in Lauenburg möchte sie einen Band mit Erzählungen schreiben zum Thema Kunst, Design und Architektur.

Komposition: Cheng-Wen Chen

Mit dem taiwanesischen Komponisten Cheng-Wen Chen wählte die Jury wie im Jahr zuvor einen Vertreter der musikalischen Avantgarde aus. Der in Bremen lebende Soundkünstler studierte in Taipei, Hannover und Bremen. Er wurde bereits mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2014 mit dem Bremer Komponistenpreis. Chens Werke wurden bei Festivals in Deutschland, Taiwan, Italien und Brasilien aufgeführt. Während seines Auftenthalts in Lauenburg soll u. a. eine Komposition für Cello und Live-Elektronik entstehen, die er im Oktober zusammen mit der Berliner Cellistin Ulrike Brand im Rahmen seines Porträt-Konzertes uraufführen möchte.

Die drei Kunststipendiaten decken ganz unterschiedliche Sparten der zeitgenössischen Kunst ab. Der stets am meisten geforderten Kunstjury gehörten diesmal die Kunstkritiker Hajo Schiff und Belinda Grace Gardner aus Hamburg), die Künstlerin Eva Ammermann vom Lauenburgischen Kunstverein, Marlies Behm (künstlerische Leiterin) von der Overbeck-Gesellschaft Lübeck, Dr. Peter Kruska von der Stadtgalerie Kiel und Kunstdozent Hannes Loichinger von der Leuphana Universität Lüneburg an.

Bildende Kunst und Neue Medien:

Björn Siebert, Almut Middel, Anna-Lena Grau

Das Medium des in Leipzig arbeitenden Björn Siebert ist die Fotografie. Er wurde 2013 mit dem Ott-Steiner-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie ausgezeichnet, war im Jahr davor Stipendiat für zeitgenössische deutsche Fotografie der Alfred-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung. In seinem höchst ambitionierten Remake-Projekt plant er im Künstlerhaus Details aus dem ehemaligen Atelier von Jackson Pollock zu rekonstruieren. Durch die Perspektive der Kamera betrachtet, sollen so „neue Bilder einer historischen Vergangenheit" entstehen. Sieberts letzte große Arbeit „Studio Bacon“ (2013/2014) war dem legendären Atelier von Francis Bacon gewidmet.

Zeichnung und Malerei sind die künstlerische Heimat der Hamburgerin Almut Middel, die aus Steinfurt in Nordrhein-Westfalen stammt. Sie studierte bei Klaus Rinke und Rosemarie Trockel an der Kunstakademie in Düsseldorf und wurde bereits mit mehreren Stipendien gefördert. Middel möchte sich in Lauenburg vor allem großformatigen Zeichnungen und Malereien widmen, plant aber auch eine Skulpturenserie aus Sand.

Die ebenfalls in Hamburg arbeitende Anna-Lena Grau bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Objekt und Skulptur, Zeichnung, Video und Installation. Ihr Ansatz ist eher technischer, experimenteller Natur. Sie möchte sich mit dem Umkehrverfahren der Gusstechnik beschäftigen und in Form von Objekten, Zeichnungen und Installationen die fließenden Übergänge zwischen Eindrücken und Abdrücken, Gussformen und Objekten, Innen- und Außenräumen sichtbar machen. Dafür will sie zwei entfernte Techniken der Wachsverarbeitung zusammenführen: das anatomischen Wachsmodell des Präparators und das technische Wachsausschmelzverfahren des Gießers – ein ebenso komplizierter wie spannender Prozess.

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