Ein Blick in die Kultur Community

Mölln – Über die neue „Kultur Community“ (bei) der Stiftung Herzogtum Lauenburg wird viel geredet zurzeit. Die junge Szene im Kreis soll und will sich ihren Platz schaffen und autonom füllen. Gibt es schon mehr als Ankündigungen? Ein Arbeitstreffen hat uns Einsicht geboten.

Am 28. März stieg das erste große Treffen der neuen Kultur Community bei der Stiftung Herzogtum Lauenburg im Möllner Stadthauptmannshof. Viele junge Menschen kamen – und signalisierten ihr Interesse, unter dem fördernden Dach zu verknüpfen, was es bislang nur in versprengten Gruppen gibt: die junge Szene im Kreisgebiet. Selbst das Angebot schaffen für Gleichaltrige – das ist ihr Ziel. Was geht wirklich ab in dieser Gruppe? Wird da nur geredet und gewünscht – oder wächst etwas Konkretes? Wir wollten es wissen – ein Arbeitstreffen hat Einsicht geboten und Einiges verraten …

Sechs Leute sind da an jenem Freitag Nachmittag im Stadthauptmannshaus: drei Alte, drei Junge. Alle duzen sich – Umgang auf Augenhöhe. „Alte“ bedeutet für die „Jungen“ (alle 18) älter als 30. Weil die Begriffe auch Standpunkte anschaulich machen, behalten wir sie hier bei. Die Alten geben Unterstützung mit Erfahrung, Verbindungen, Hinweisen, Rüstzeug und Raum. Es sind Malte (Frackmann, Stiftungsgeschäftsführer), Axel (Michaelis, Streetworker von der Jugendsozialarbeit Mölln) und Markus (Stademann vom Jugendtreff Schwarzenbek). Die Jungen gehören zum Veranstaltungsteam der Community (es gibt auch noch ein Orgateam). Hier sind die Drahtzieher Thore (Brüggemann) Mannhagen, Florian (Klein) und Lennard (Schröder) aus Mölln.

Konkretes planen

Alle sind vorbereitet. Auch die Jungen haben ihre „Hausaufgaben“ gemacht, ihre Ideen stichwortartig protokolliert. Heute möchten sie Vorstellungen und Pläne konkretisieren. Die Kultur Community will 1.) bei der Eröffnung des KulturSommers mitwirken, 2.) die Möllner Poetry-Slams bald in eigener Regie durchführen, 3.) plant sie ein eigenes kleines Festival und 4.) einen internen Jam-Abend für die Aktiven, um das Netzwerk weiter aufzubauen. Auf der Agenda stehen außerdem der Aufbau einer interaktiven Kreiskarte mit örtlichen Pools an Aktiven und Ausrüstung, das Anlegen einer eigenen Facebook-Seite, der Entwurf eines Logos. „Ganz klar: Der Bedarf ist da“, sagt Thore, der im März bei der Kulturkonferenz der Stiftung das Podium bereicherte (LINK 16829). Davon gehen auch Lennard und Florian aus, die gemeinsam in der Band About Blank spielen und vergangenes Jahr im November „Voices of Mölln“ – das Castingkonzert des Marion-Dönhoff-Gymnasiums – mit aus der Taufe hoben.

Am Publikum orientieren

Zur KulturSommer-Eröffnung am 5. Juli könnten die Jungen nach eigenen Angaben mindestens zwei Bands, einige Sänger/-innen mit Backingband, Sprayer und die Servicekräfte für ihre Aktivitäten beisteuern, kündigen sie an. Zum Sprayen braucht man Fläche – wo geht das? Der Kauf günstiger und wiederverwertbarer Stellwände sei kein Problem, sagt Malte. Geklärt. Dann wollen die Jungen etwas über das Publikum wissen, für das sie da auftreten – „ist ja ein Unterschied, ob wir für ältere Leute oder Gleichaltrige oder Kids spielen“. Zur Eröffnung kämen alle Generationen, sagen die Alten. „Also doch eher Ältere“, interpretieren die Jungen. Ihre Community vorstellen wollen sie natürlich auch, wenn möglich fester Teil des KulturSommers werden. Die Alten raten zur direkten Kontaktaufnahme mit Intendant Frank Düwel und Büroleiter Manfred Scharfenstein – das Angebot will in die Gesamtplanung eingegleist werden. „Die Jugend tickt sehr spontan“, hat Axel vorhin gesagt. Ein Sachverhalt, mit dem Frank Düwel umzugehen weiß.

Rahmenbedingungen berücksichtigen

Thema Poetry-Slams in Mölln – die Stiftung hat nach dem 23. Mai dafür den 3. Oktober und 28 November im Visier: Hier will die Community „auf jeden Fall“ selbst einsteigen, vielleicht schon den übernächsten in eigener Regie anbieten und Björn Högsdal für einen Workshop für Teilnehmer aus der Region gewinnen. Die Jungen wollen im nächsten Schritt das Programm mit den aktiven Poeten ausarbeiten, den Kartenvorverkauf und die Werbung anleiern und mit Stempel oder Kärtchen „Einschleicher“ ausbremsen. Die Rahmenbedingungen sind auch beim eigenen Festival im Luisenbad ein Thema. Könnte es direkt nach dem Stadtspiel stattfinden, bräuchte man die Zäune nicht abzubauen, werfen die Jungen ein. Die Alten überlegen, ob das mit Rücksicht auf Anwohner und Anmeldefristen so kurzfristig möglich ist – oder ob generell ein Platz am Stadtrand nicht dienlicher wäre. Die Jungen machen im Dialog klar, dass das Festival auf jeden Fall ein Open-Air-Sommer-Event werden soll, dass bei einer Veranstaltung am See Aufsicht und ggf. Absperrungen nötig werden, Alters- und Uhrzeitbeschränkungen zu berücksichtigen sind. Axel Michaelis erinnert an die GEMA, das Ordnungsamt und die Möglichkeit, Zuschüsse zu beantragen. Man wird sich einig: Da muss man sich nochmal treffen und die Einzelheiten besprechen. Ob das Festival noch in Sommer 2015 stattfinden kann, bleibt zunächst offen.

Beim Stichwort Jam-Abend (unplugged) landen Junge und Alte zügig bei der Idee, ihn mit einem 1. kreisweiten und öffentlichen Kulturstammtisch zu verknüpfen, am besten noch vor den Sommerferien. Als Ort wird das Schwarzenbeker Jugendzentrum vereinbart. Dazu einladen wollen die Jungen über Telefon und die sozialen Netzwerke. Die Terminsuche gestaltet sich indes schwierig: Sechs Leute gleichen mehrere Minuten lang ihre Kalenderdaten ab – Urlaube und andere Veranstaltungen lassen aus dem Stand kein Ergebnis zu. Der Termin muss also in einer zweiten Runde klar gemacht werden. Markus als Vertreter des Hausherrn hält die Fäden in der Hand.

Ein generelles Problem will noch geklärt werden: die Abstimmung zwischen Kontakt- und Veranstaltungsgruppe. Florian schlägt vor, dass beide Teams jeweils einen Vertreter zu den Arbeitstreffen der anderen schickt. Das vereinfache die Koordination und verhindere Dopplungen im eigenen Kreis wie auch bei den Ansprechpartnern draußen. Effizienter Ansatz. Axel und Malte versprechen den Versuch, auch die anderen Jugendzentren und Jugendpfleger im Kreis in das Projekt einzubinden. „Sie sollen verstehen, dass es bei der Kultur Community nicht um Konkurrenz geht, sondern um Kooperation“, erklärt Axel. Das ist vielleicht nicht ganz so leicht zu erreichen – wir werden erfahren, „was geht“.

Unsere Prognose: Die Kultur Community wird auf jeden Fall etwas auf die Beine stellen. Vielleicht schneller, als die Alten denken. Dennoch ist nicht alles ohne die Alten zu realisieren, wenn die junge Szene sich außerhalb der lokalen Jugendzentren und Clubs etablieren will. Die dafür notwendige Flexibilität für das Handling mit Rahmenbedingungen außerhalb eigener Bedürfnisse scheint jedoch vorhanden. Motivation und Pragmatik sind ein gutes Gespann. Woran die Jungen (noch) nicht denken: Zur wahren Probe wird nicht das Anfangen, sondern das Durchhalten. Ihnen dabei zu helfen, ist die Aufgabe der Alten. Was (wie Eltern wissen) nicht bedeutet, dem „Baby“ alle Steine aus dem Weg zu räumen …

Die Kultur Community

Die Kultur Community wurde im November 2014 von der Stiftung Herzogtum Lauenburg ins Leben gerufen. Initiator ist Vorstandsmitglied Jörg-Rüdiger Geschke, der damit ein Ergebnis des Stiftungskulturgesprächs umsetzten will: Mit der Jugend reden, nicht über sie. Die Stiftung fördert das von Geschäftsführer Malte Frackmann betreute Projekt mit 2.000 Euro. Die Aktiven, zurzeit ein Dutzend junge Erwachsene und Jugendliche, treffen sich zur selbstbestimmten Verfolgung ihrer Planungen einmal im Monat. Termin und Ort werden kurz zuvor über die Facebookgruppe Kultur Community abgestimmt. Wer mitwirken möchte, kann sich auch bei Malte Frackmann melden: info@rzkultur.de oder Tel. 04542 / 870 00.

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