Eine echte Chance auf Support

Schwarzenbek – 30 Leute kamen zur Kulturknotenpunkt-Startkonferenz der Stiftung Herzogtum Lauenburg nach Schwarzenbek. Sie gaben der Stiftung die erste Stoffsammlung für ein bedarfsgerechtes Angebot mit auf den Weg. Jetzt gilt’s den Weg nach vorn zu gehen.

An guten Ideen zur Kultur im Herzogtum Lauenburg hat es nie gemangelt – auch den Unterstützungsbedarf der vielen Aktiven belegen Kulturkonferenzen unterschiedlicher Veranstalter über Jahre. Nur bedingt konnte bisher den Nöten systematisch abgeholfen werden. Das könnte sich nun Schritt für Schritt ändern: Die Stiftung Herzogtum Lauenburg in Mölln ist ein Kulturknotenpunkt geworden. Als Träger dieser Funktion kann sie in den nächsten fünf Jahren jährlich 20.000 Euro Landesfördermittel einsetzen, um die Künstler, kulturellen Einrichtungen und Initiativen in den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn-Ost praktisch zu unterstützten. 30 Aktive kamen am 2. Juli zur Vorstellung und Startkonferenz in Sachen Kulturknotenpunkt ins Amtsrichterhaus Schwarzenbek. Sie wirkten der drückenden Hitze zum Trotz an der Bedarfssammlung mit, die nun erste Richtschnur für das kommende Hilfsangebot werden soll.
Beteiligung: gering, aber treffend
30 Interessierte sind nicht viel für das, was im Zuständigkeitsgebiet kulturell geschieht. Dennoch waren die wichtigsten maßgeblichen Gruppen der Szene vertreten: Künstler und Kulturfreunde waren da, Haupt- und Ehrenamtliche,Vertreter von Kunsthäusern, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Archiven, Touristik (Stormarn ist Anfang des Jahres der HLMS beigetreten), Politiker aus beiden Kreisen (SPD, Grüne, CDU). Rund ein Drittel der Teilnehmer ist bereits aktiv oder verpartnert mit der Möllner Stiftung. Diese hatte das Treffen im Südkreis gut vorbereitet, mit Uwe Kollakowski sogar einen Gewährsmann aus dem Kieler Ministeriums für Justiz, Kultur und Europa eingeladen.
Ziel ist der Aufbau von Support
Die Aufgaben des Kulturknotenpunkts in Mölln stellte Stiftungspräsident Klaus Schlie vor. Die Stiftung Herzogtum Lauenburg ist Träger der Koordinationsstelle – eine von bisher drei Einrichtungen, über die das Land Schleswig-Holstein die kulturelle Vernetzung und Weiterbildung im ländlichen Raum fördert. Das und nichts anderes. Das Geld des Landes fließt nicht in die künstlerische oder kulturelle Projekte der Aktiven, sondern „ist für die Knotenpunkte selbst bestimmt, um ihr Ziel zu erreichen“, so Schlie. Heißt: den anvisierten Support für kulturelle Einrichtungen und Kulturschaffende auf die Beine zu stellen. Dazu gehören Auf- und Ausbau der Infrastruktur, Vernetzung der bestehenden kulturellen und Bildungszentren, Beratung der Akteure, Förderung von Kooperationen und Öffentlichkeitsarbeit. Ministeriumsvertreter Uwe Kollakowski bestätigte und erläuterte diese Rahmenbedingungen punktuell in der Gruppenarbeit.
Werte und Erfahrung spielen immer mit
Mit dem Möllner Streetworker Axel Michaelis hatte die Stiftung einen erfahrenen Moderator für Beteiligungsprozesse engagiert. Michaelis sorgte für einen strukturierten Ablauf, sodass Präsident Klaus Schlie, Vizepräsident Wolfgang Engelmann und Geschäftsführer Malte Frackmann sich nach der üblichen Vorstellungs- und ersten Fragerunde ganz der inhaltlichen Arbeit und Begegnung widmen konnten. Erwartungsgemäß kamen auch Kritiker zu Wort. So stand am Beginn das Unverständnis einiger Stormarner im Raum, die mit dem Zuschnitt des Zuständigkeitsbereichs unzufrieden waren und Zweifel hegten, dass Stormarn vom Lauenburgischen überhaupt etwas lernen könne. Skepsis schwang auch bei einem Teil der Teilnehmer aus dem Südkreis des „Herzogtums“ mit, die auf einige weniger erfreuliche, nicht aufgearbeitete Erfahrungen aus der Vergangenheit verwiesen. Der eine sah im „Knoten“ die Verknüpfung von losen Enden, der andere ein endlich zu durchschlagendes Konstrukt. Im professionellen Beschwerdemanagement werden „Motzer“ als wertvolle Teilgruppe betrachtet: Sie zeigen Schwachpunkte auf und bringen dabei noch genug Engagement für Verbesserung und Veränderung mit. Da solche Grundsatzdebatten jedoch nicht Ziel der Veranstaltung waren, richtete man relativ zügig den Blick an diesem Abend nach vorn.
Stoffsammlung für Wunschliste steht
Ein fertiges Konzept gibt es laut Schlie und Frackmann noch nicht. Als Richtschnur sammelten Schlie, Engelmann und Frackmann zügig in drei Gruppen mit den Teilnehmern den Stoff dafür. Sie fragten nach wichtigen Handlungsfeldern, konkreten Maßnahmen zu Weiterbildung / Information / Beratung und nach allem, was die Teilnehmer selbst einbringen können. Mehr als 40 Ansatzpunkte kamen binnen einer guten halben Stunde „World Café“ (gruppenweises Brainstorming zu vorgegebenen Aspekten) zusammen. Daraus sollen nun im nächsten Schritt erste Prioriäten gesetzt und ein Handlungsplan entwickelt werden. Hier die genannten Handlungsfelder, in denen sich alles Wichtige wiederfindet:
– Vernetzung über die Kreisgrenzen hinweg
– gemeinsamer Kulturkalender Kreis Herzogtum Lauenburg und südliches Holstein
– Vernetzung der Jugendkultur
– aufsuchende Vernetzungsarbeit (persönlicher Kontakt)
– Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld von Veranstaltungen
– aktualisierte Datenbank mit /für Adressen, Angeboten und gemeinsamen Aktionen
– Zusammenführung von Kultur und Bildung mit den Zielgruppen Künstler, Einrichtungen, Schulen, Jugendliche, Erwachsene, Sammelangebote, Vermittler für Kulturangebote
– Organisation von Treffen (örtlich und thematisch) zum Künstleraustausch
– Wettbewerb / Ausschreibung von Veranstaltungen in der Region
– Internetauftritt Kulturknotenpunkt
– Angebot von Ausstellungs-/Vorführungsräumen
– Verzeichnis (Pools) für Technik, Ausrüstung, Requisiten, Know-how
– System der Versicherungsthemen (Veranstaltungen, Requisiten, Technik)
– Gemeinschaftsaktionen /-angebote / Organisation solcher Aktionen
– Serviceleistungen für Veranstaltungen (Ordner, Rettungsdienste etc.)
– Fördermöglichkeiten (Mittel, Ansprechpartner, Hilfestellung, Beratung)
– Sponsoring: Erfahrungsaustausch über Möglichkeiten
Nicht alles funktioniert ehrenamtlich, nichts von allein
Bei der Aufbereitung „wollen wir weiter den Austausch mit Ihnen suchen“, sagte der Stiftungspräsident den Aktiven. Zum Schluss erst kam die Frage auf, wie die bevorstehenden Aufgaben personell geleistet werden können. Eine gute Frage, da die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Stiftung nicht allzu viel freie Kapazität haben und das Internet mit seinen Möglichkeiten zum schnellen Networking nur der Kanal ist, über den Information und Daten ihren Weg finden zu den Menschen. „Wir haben ja schon viele Adressen und Informationen bei uns gesammelt, aber daraus richtige Datenbanken aufzubauen, das macht viel Arbeit“, gab Schlie zu. Eventuell müsse man hier eine Teilzeitkraft dazu nehmen.
Fotos: Albrecht

Kommentar:
Aktive Mitarbeit ist überall ein Sieb, der die Engagierten aus den Interessierten heraushebt. Der kleine Schwarm von 30 Konferenzteilnehmern ist für keinen peinlich. Er war in der Lage, binnen zweier Stunden rund 40 verwertbare Hinweise zu liefern. Ob ein Debattierzirkel mit 300 Leuten das auch geschafft hätte, darf angezweifelt werden. Zu vielen der genannten Wünsche besteht bereits seit Jahren eine Basis, die von unterschiedlichen Stellen erarbeitet wurde. Werden diese Einzelteile mit Verstand und nutzwertig kombiniert, muss das Rad nicht neu erfunden werden. Die Kunst der Stiftung wird in einer klugen Umschau und strukturierten Zusammenführung bestehen. Die Herausforderung für die künftigen Nutzer ist es, ihr die dafür nötige Zeit zuzugestehen und mit Blick über den eigenen Tellerrand mitzuwirken. Ein Kulturknotenpunkt im Kreis Herzogtum Lauenburg bietet seit mindestens zehn Jahren die erste reelle Chance, heißt: auch das Geld, auf schrittweise Umsetzung lange gehegter Wünsche. Der Rest ist Einstellungssache. Wer will, sucht Wege – wer nicht will, sucht Gründe, heißt es. Der undramatische Umkehrschluss ist zulässig. Und lernen kann dabei jeder von jedem, gerade an unerwarteten Stellen.

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