Das Unvorstellbare zeigen

(ea) Lauenburg – Auflösung, Grenzüberschreitung, das Unvorstellbare – damit beschäftigt sich die Künstlerin Almut Middel, zurzeit Stipendiatin im Künstlerhaus Lauenburg. Bis 9. August 2015 zeigt sie dort ihre Ausstellung „The Disintegration Machine Teil 1/Part1“ – Zeichnungen und Aquarelle mit Bezug zu Arthur Conan Doyles gleichnamiger Erzählung,

Kann man Unvorstellbares zeigen? Ist das Erfasste dann noch unvorstellbar? Die Künstlerin Almut Middelhat darauf ihre eigenen Antworten gefunden. In großformatigen Zeichnungen und Aquarellen manifestiert sie Vorstellungen von Auflösung, Grenzüberschreitung und dem Unvorstellbaren. „The Disintegration Machine Teil 1/Part1“ nennt sie ihre Ausstellung, die im Atelier des Künstlerhauses an der Elbstraße 35 zu sehen ist. Der Titel nimmt Bezug zu einer Geschichte gleichen Namens des britischen Schriftstellers Arthur Conan Doyle – Erfinder von Sherlock Holmes und Professor Challenger, um den es hier geht.
Die 1972 in Steinfurt geborene und in Hamburg lebende Künstlerin mag das große Format, wie schon bei der Erspräsentation der Stipendiaten zu merken war. Zum Verständnis ihrer Arbeiten ist die Kurzversion von Doyles 1929 erschienener Erzählung hilfreich, der nicht nur Abenteuergeschichten, sondern auch Science Fiction schrieb – also lange bevor Scotty beamte und Harry Potter (dis)apparierte. In Doyles Geschichte erfährt der Londoner Professor Challenger von einem Wissenschaftler, der ein Gerät konstruiert hat, das es ermöglicht, Objekte aufzulösen und wieder zusammenzusetzen. Mit einem Freund sucht er den Wissenschaftler auf und testet dessen Desintegrationsmaschine. Bald wird das militärische Potenzial der Maschine entdeckt. Nur durch die Desintegration des Erfinders selbst kann ihr Missbrauch als Massenvernichtungswaffe vereitelt werden.
Was Almut Middel daraus macht, wird der Betrachter bei der Vernissage erleben. Einiges zu ihren Gedanken und ihrer Herangehensweise vorab verrät die Ankündigung aus dem Künstlerhaus: Eine zweidimensionale Figur verzehrt sich nach dem Raum und dessen Gegenteil. Durch ein Kehlkopfpumpen erreicht sie die dritte Dimension und zieht sich im selben Moment in die erste zurück, sammelt sich dort in unvorstellbarer Winzigkeit für die nächste weltraumverdrängende Ausdehnung. Almut Middel sagt und fragt dazu: „Die Welt besteht aus Teilchen. Sie fliegt einem schon um die Ohren, die ganze Zeit.Wenn aber alles Teilchen ist, was ist dann dazwischen? Und was ist mit dem Ich, das ja auch Welt ist?“ Lassen sie sich überraschen …
Öffnungszeiten: montags bis mittwochs von 10.00 – 14.00 Uhr, donnerstags von 14.00 – 18.00 Uhr, samstags und sonntags von 14.00 – 17.00 Uhr sowie nach Vereinbarung

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