Irene Schnoor sagte Atschüüs!

Schwarzenbek – Zwölf Jahre war Irene Schnoor Plattdeutsch-Beauftragte der Stadt Schwarzenbek. Im Juni 2015 ging das Ehrenamt an Sabine Meyer über.

Schwarzenbek war die erste Stadt im Kreis mit zweisprachigen Ortsschildern – Initiatorin war 2008 Irene Schnoor (78), die erste Plattdeutsch-Beauftragte der Stadt. Zwölf Jahre hat die Schwarzenbekerin das Niederdeutsch in der Europastadt verteidigt und vorangebracht: mit Gesprächskreisen in Schröder’s Hotel, Besuchen in Kindergärten und Schulen, mit vielen Übungsstunden für junge Teilnehmer am Wettbewerb „Schölers leest Platt“ alle zwei Jahre, mit Privatunterricht. Die Ortsschilder mit dem Schriftzug „Swattenbek“, um dessen korrekte Rechtschreibung nach ihrem Antrag ein regelrecher Sprachenstreit entbrannt war, sind nur der sichtbare Teil ihrer Fußstapfen. Zwei der zwölf Schilder für die Ortseingänge zahlte damals das Ehepaar Schnoor aus eigener Kasse. Immer wieder war die Plattdeutsch-Beauftragte auch auf kommunaler Ebene vorstellig, trat unter anderem für niederdeutsche Straßennamen im Neubaugebiet ein.
In Schenefeld ist Irene Schnoor geboren und aufgewachsen, die Eltern sprachen Platt nur in Abwesenheit der Kinder. Platt schien nicht fein genug, was sich bis heute gehalten habe, so Schnoors Erfahrung. Gelernt hat sie das Niederdeutsche trotzdem – und Spaß an der Sprache und ihrer Geschichte gefunden. Viel kann sie über deren Entwicklung erzählen, einiges hat sie ihrer Nachfolgerin auch mit auf den Weg gegeben. Für eine einheitliche Rechtschreibung op Platt hat Irene Schnoor sich stets eingesetzt, weil das das Erlernen der (vor allem geschriebenen) Sprache erleichtere – welche aus ihrer Sicht außerdem eine wunderbare Vorbereitung fürs Englische ist.
Aus gesundheitlichen Gründen will Irene Schnoor nun aber kürzer treten. Für die Oper, Konzerte und Kunstausstellungen schlägt ihr Herz, das Handarbeiten mit Nadel und Faden machte ihr stets Spaß. Dafür wird sie nun, wie für den Enkel, mehr Zeit haben. Zumal der Freundeskreis Amtsrichterhaus, dem Irene Schnoor und ihr Mann Jürgen über Jahre aktiv angehörten, sich durch den Betreiberwechsel überlebt hat. Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig dankte der scheidenden Plattdeutsch-Beauftragten für ihren engagierten Einsatz – mit Recht.