Plattdeutsch im Herzen

Heitere Verabschiedung eines „Pioniers“: In Mölln wurde Volker Holm im Beisein von rund 60 Gästen in den Ruhestand verabschiedet.

Mölln – Hochoffiziell heißt es „Ruhestand wegen Erreichens der Altersgrenze“, doch wenn ein geschätzter Zeitgenosse in den Ruhestand verabschiedet wird dann heißt es so: „Ein Pionier für das Plattdeutsche“, ein „engagierter Gremienmensch“, ein „Netzwerker der ersten Stunde“ und auch „einer, der große Fußstapfen hinterlässt“.
Der so geehrte und umschmeichelte Volker Holm hörte sich alles während der feierlichen Verabschiedung im Festsaal der Stiftung Herzogtum Lauenburg mit seinem bekannten stillen Lächeln an, grinste oft, lachte auch herzhaft, wenn das Füllhorn des Lobes zu arg gefüllt wurde (kam oft vor) und holte alles dann mit einem ebenso zufriedenen wie bescheidenen „Dankeschön“ wieder auf das Normalmaß herunter.
Holm, der immer auch, im Familienverbund mit Ehefrau Wienke und seinem Sohn Henning genannt wurde, schied aus einer bemerkenswerten Position und einem Amt aus, das es so nur zweimal im Land gibt: Seit 1994 war er der Leiter des Zentrum für Niederdeutsch im Landesteil Holstein mit Sitz in Ratzeburg. Für den Landesteil Schleswig gibt es mit Sitz in Leck ebenfalls ein Zentrum (Leiter ist Ingwer Oldsen). Zunächst hatte der Pädagoge, der auch noch am Gymnasium in Ahrensburg wirkte, eine halbe Stelle. Ab 2000 wurde es eine Vollzeit-Planstelle.
Es stellte sich heraus, er war der richtige Mann, am richtigen Ort und vor allem mit dem richtigen Hintergrundwissen. Holm ist ein Teamplayer, der sich um Kooperationen, um Vernetzungen bemühte, als es den Begriff der „Netzwerkarbeit“ noch gar nicht gab. Ein Mann ohne Allüren aber mit einer großen Liebe für die Sache der Niederdeutschen.
In den Reden, die ihm zu Ehren gehalten wurden, gab es einen Nenner: Wertschätzung. Volker Holms berufliche Aktivitäten und seine liebenswerte Persönlichkeit würdigte zunächst der Hausherr der Stiftung, Präsident Klaus Schlie. Halb op Platt und halb hochdeutsch war er des Lobes für den Ruheständler voll. Erinnerte an die fast zehnjährige Arbeit als Sprecher des Niederdeutschbeirats, an die renommierten Autorentage und dann die vielen Veranstaltungen, die Volker Holm mit großem Engagement entwickelt und begleitet hat. „Er bleibt uns erhalten, da gibt es gar keinen Zweifel“, so Schlie.
Auch der Leiter des Instituts für niederdeutsche Sprache, Bremen Goltz und die Vertreterin des schleswig-holsteinischen Heimatbundes, Marianne Ehlers, vertellten op Platt aus der gemeinsamen Zeit mit Holm und würdigten seine Verdienste auf so vielen unterschiedliche Ebenen im Lande.
Es gab einige anrührende Wortbeiträge, doch die flotte Rede von Ingwer Oldsen aus leck, war besonders herzlich und zugewandt, denn er sprach an, was später noch musikalischen erklang – die (gemeinsame) Zeit, die so schnell vergangen war.
Mit Grüßen der Stadt Ratzeburg durch Bärbel Kersten als stellvertretende Bürgervorsteherin und Dr. Gabriele Romig vom Ministerium für Schule und Bildung, die die offizielle Urkunde an den dann auch kraft Amtes in den Ruhestand gesetzten Holm übergab, endeten die Reden. Doch das Ende war noch nicht in Sicht bei dieser ungewöhnlichen und doch (für den Menschen Volker Holm) so typischen Veranstaltung: Munter, voller Wertschätzung und zugewandter Herzlichkeit musizierten Liedermacher Volkert Ipsen, ein langjähriger Weggefährten Holms, und das Trio Saitenbalg mit Jörg-Rüdiger Geschke, Lorenz Stellmachen und Uwe Thomsen für den frischgebackenen Ruheständler.
In seiner Dankesrede sagte Holm sichtlich bewegt und auch glücklich:„ So viel Anerkennung und Lob tut gut, dass muss ich einfach mal sagen.“ Ein Nachfolger für Volker Holm wurde noch nicht genannt.