Geheimnisse des Tagebuchs

Viele Autoren lieben ihre persönlichen Aufzeichnungen. Zu ihnen gehört Angelika von Aufsess. Sie geht dem Phänomen „Tagebuch“ in ihrem Buch „Neuerdings schreibe ich an mich selbst“, auf den Grund.

Mustin – Das Buch der Schriftstellerin und Diplompsychologin Angelika von Aufsess (Jahrgang 1957), die in Mustin bei Ratzeburg lebt, heißt:  „Neuerdings schreibe ich an mich selbst“, 26 Arten, ein Tagebuch zu führen. Nach der ebenso humorvollen wie fachkompetenten Einführung sind die Kapitel von A bis Z gegliedert. Sehr gut lesbare kleine Texte, wunderbar umrahmt mit klugen Zitaten und Sinnsprüchen: „Zeiten der Ordnung sind die Atempausen des Chaos“ von Walter Hilsenbecher oder „Ich reise nie ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben“ wusste schon Oscar Wilde. Im Interview erzählte Angelika von Aufsess von der Faszination des literarischen Schreibens. Aus der Beteiligung an Schreibwerkstätten entstanden erste Veröffentlichungen in Anthologien. Seit 2011bestreitet  sie als Bloggerin den „Tagebuchdienstag“ im Notizbuchblog www.notitzbuchblog.de. 2011 gewann sie mit dem Text „Schneckenland“ den ersten Preis beim Emotion-Schreibwettbewerb. Ein Taschenbuch mit dem Titel „Meine schönste Krise“ erschien ebenfalls 2011.
Was hat Sie bewogen, dieses Buch zu schreiben?
Angelika von Aufsess: Ich schreibe selbst seit vielen Jahren Tagebuch und habe mich oft schon aus Krisen heraus geschrieben. In den letzten Jahren habe ich das Kreative Schreiben mit den Übungen und Experimenten entdeckt. Dabei merkte ich, wie aufregend das Spiel mit dem Stil ist. Es macht jetzt viel mehr Spaß, Gestaltungsräume öffnen sich, ich genieße den Schreibprozess und das Ergebnis. Aus diesen Entdeckungen entwickelte ich zunächst ein Kursangebot und plötzlich war die Idee da: Tagebuchschreiben von A-Z.
Brauche ich eine Struktur oder einen festen Rhythmus für das Schreiben?
Angelika von Aufsess: Für den Anfang mag es gut sein, sich feste Zeiten, einen bestimmten Ort und die Zutaten wie Tee, Kerze, Füller etc. einzurichten. Im Laufe der Zeit entwickeln sich Rituale von ganz alleine. Ich schreibe zum Beispiel sehr gerne im Zug oder im Café.
Wie kamen Sie auf die Zitate?
Angelika von Aufsess: Eher zufällig. Mir fiel das wunderbare Buch: „Das Buch der Tagebücher“, ausgewählt von Rainer Wieland, in die Hände. Eine echte Einstiegsdroge. Ab da füllte sich mein Bücherregal mit Tagebüchern fremder Menschen. Mit Tagebüchern von Kafka, Frisch, Plath und vielen anderen.
Muss man mit der Hand schreiben?
Angelika von Aufsess: Kein Muss sondern ein Kann, vor allem aber ein Mag: ich mag gerne mit der Hand schreiben, weil ich in einen anderen Modus komme als beim Tippen. Für mich ist das Notebook in erster Linie Arbeitsmittel und versetzt mich entsprechend in einen zielgerichteten und „vernünftigen“ Zustand. Beim Schreiben mit der Hand gerate ich sehr viel leichter in einen freien, ungeplanten Modus.