"Ganz oder gar nicht"

Die Inszenierung von „Ganz oder gar nicht“ im Theater im Stall war eine schwungvolle Komödie, die mit nackten Tatsachen punktete.

Neu-Horst – Eine mutige Regiearbeit und Schauspieler, die sich was trauen, erlebten beim Premierenabend im Theater im Stall in Neu-Horst die Besucher. Eine schwungvoll-frivole Komödie, die am Ende sechs nackte Männer (kurz) zeigt. Getreu dem Werk-Titel „Ganz oder gar nicht“ zogen die mutigen Ensemble-Mitglieder der Cumpaney blank. Lasziv kreisende Hüften, einen verführerischen Augenaufschlag und Kleidungsstücke, die mit einem frivolen Kick in die Ecke fliegen zu den Melodien von Joe Cockers Klassiker „You can leave your hat on“– Fantasien von sexy Stipperinnen kommen da auf. Aber nein, die Domäne der nackten Schönheiten im String ist Vergangenheit. Echte Kerle zeigten in Neu-Horst wie das ist, wenn die Bühne ganz ihnen und ihren Luxuskörpern gehört.
Eine große Gaudi war diese Theaterproduktion für alle: Die Cumpaney-Schauspieler und vorübergehende „Gelegenheits-Stripper“ Kai Burmester, Kay Hansen, Eckhard Neitzel, Jörn Bansemer, Nico Hoffmann und Gunter Frenkel hatten sichtlich Spaß am An – und auch Ausziehen. Ohne (erkennbare) Scheu, aber mit Witz und Mut präsentierten sie sich dem begeisterten Publikum in Unterhosen, im Schottenrock und für einen kurzen Moment auch völlig textilfrei. Chapeau, für diesen unerschrockenen „Stripp“ auf der Minibühne des Stall-Theaters!
In ihrer zweiten Regiearbeit stellte Maren Lubenow erneut ihr Können dar. Fein herausgespielte Szenen voller Humor wechselten mit tragisch-komischen Sequenzen. Kurze, prägnante Dialoge brachten das Stück voran und erzählten auf vielen Spielebenen (dramaturgischer Kunstgriff, das „Nummern-Girl“ mit Schildern) die  Geschichte.
Ihre kreative Bühnenfassung nach dem Film „Ganz oder gar nicht“ von 1997(Regie Peter Cattaneo, Drehbuch Simon Beaufoy), gelang Lubenow großartig. Kunstvolle Dialoge schrieb sie den Schauspielern quasi auf den (mitunter molligen) Leib. Sie besetzte die Titelfigur mit Jörn Bansemer. Er verkörperte die Figur des ebenso quirligen wie melancholischen Gary.
Um auch dem Nachwuchs der Cumpaney-Truppe einen Auftritt nach Maß zu ermöglichen, traten Michelle Seeger und Ann-Malin Lubenow auf. Beide Mädchen, bildhübsch und sicher agierend, spielten bereits erfolgreich in den Kindertheaterstücken von Maren Lubenow mit. Damit ist auch die engagierte „Jugendarbeit“ des Theater im Stall auf dem richtigen Weg. In den weiteren Rollen: Diana Seeger, Angela Bertram , Peter Röhl und Maren Lubenow.
Zum Stück:
Arbeitslose Männer in einer trostlosen Stadt: Ohne Chancen, auf eine Anstellung planen sie den großen Wurf, um aus der Pleitefalle zu kommen. Sie denken an einen „Männer-Stipp“, wie ihn die legendären „Chippendales” erfolgreich als Show zeigen. Die Gruppe probt für eine gewagte Show. Probleme mit Ehefrauen, der Polizei und ihren Kindern, sind ebenso zu bewältigen, wie ihre eigene Angst, sich zu zeigen. Der Auftritt naht, der Saal ist voll, denn es hat sich herum gesprochen: Diese Männer lassen nicht die Hosen runter, sondern nach dem Motto “Ganz oder gar nicht” auch wirklich alle Hüllen fallen….

Weitere Aufführungen sind geplant: 8.,9.,10.und 11. Oktober 2015, 20 Uhr.