2 Künstlerinnen + 2 Poeten

Unter dem Titel: "Es tanzte eben ein Stern" luden Anna und Angela Bertram zu einem literarisch-musikalischen Abend ein. 60 Gäste wurden in die Welt der Dichtkunst und Musik entführt.

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Mölln – Musik und Poetik an einem Frühsommerabend im Lauenburgischen kann wunderbar sein. Eindrucksvoll war die Darbietung der Künstlerinnen Anna und Angela Bertram. In einer ebenso kontemplativen wie kunstvollen Performance zeigten die beiden Künstlerinnen auf, wie Poeten wie Rainer Maria Rilke (1875 – 1926), im deutschsprachigen Raum und ein Klassiker von Weltruhm, wie der Brite William Shakespeare (1564- 1616) harmonieren können.
In ihrem neuen Programm „Es tanzte eben ein Stern“ begleitete die Pianistin, Sängerin und Cellistin Anna Bertram ihre Mutter Angela. Die Schauspielerin, Regisseurin und grandiose Rezitatorin hatte wunderbare Texte von beiden Poeten für das Programm zusammengestellt und moderierte kurzweilig zwischen der Lyrik, den Text-Passagen und wundervollen Sonetten aus der Feder von Shakespeare.
Während Angela Bertram sich im ersten Teil mit der Natur- und Liebeslyrik von Rainer-Maria Rilke beschäftigte und die innigen, ja oft auch liebestrunkenen Verse des gebürtigen Österreichers mit der richtigen Mischung aus drängendem Pathos und zärtlicher Hingabe rezitierte, umrahmte ihre Tochter mit feiner Piano- und Cello-Musik von Debussy, Schubert, Mendelsohn und anderen Komponisten diesen Part.
Nach der Pause begann Angela Bertram dann mit der weltberühmten Textpassage „Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler, sie treten auf und gehen wieder ab…“, aus  dem Theaterstück „Wie es euch gefällt“. Neben den vielen großartigen Sonetten aus der Feder des genialen Briten überzeugte sie mit viel Verve und einer ebenso heiteren wie auch ausdrucksstarken Gestik mit Dialog-Facetten aus den Klassikern “Viel Lärm um nichts“ und „Romeo und Julia“.
Herausragend an diesem Abend aber war der Dialog aus "Der Widerspenstigen Zähmung". Wie sie mit nuancenreicher Stimme den markigen Petruchio farbig malte, um dann die garstige Katharina kess antworten zu lassen, war einfach nur hinreißend schön.
Geschäftsführerin Andrea Funk von der Stiftung Herzogtum Lauenburg hieß über 60 Gäste willkommen und dankte den beiden Künstlerinnen am Ende des so überaus gelungenen musikalisch-literarischen Abends.

Liebeslied
Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.
                                                                        Rainer Maria Rilke

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