Die Stipendiaten 2017

Als Jury für das Kunststipendium waren aktiv: v. li. (hinten): Dr. Esther Ruelfs, Jens Asthoff, Justus Duhnkrack und Dr. Peter Kruska sowie (vorne) Christian Egelhaaf und Kerstin Niemann. Foto: Landgraf

Sie sind ausgewählt: Stipendiaten des Landes im Lauenburger Künstlerhaus sind 2017 Dagmar Weiß, Anja Gerecke und Daniil Galkin (Bildende Kunst), Valentin Moritz (Literatur) und Thierry Tidrow (Komposition).

40 Bewerbungen hatte die Jury für das Kunststipendium zu bearbeiten: v. li. (hinten): Dr. Esther Ruelfs, Jens Asthoff, Justus Duhnkrack und Dr. Peter Kruska sowie (vorne) Christian Egelhaaf und Kerstin Niemann. Foto: Landgraf

Lauenburg (ea) – Bei den traditionellen Fachjurysitzungen im Januar wurden die vom Land Schleswig-Holstein geförderten Stiendien vergeben: drei für Bildende Kunst – davon erstmals eines  mit Fokus auf neue Medien und Film – und je eines für Literatur und Komposition. Insgesamt 218 Bewerbungen gingen ein. Nach Vorauswahl durch die Jurys standen am Ende 40 Aspiranten bei der Kunst, 18 bei der Literatur und sieben bei der Komposition im „Finale“. In allen drei Sparten bestätigten die Jurys ein hohes Niveau und eine gestiegene Internationalität der Bewerber.

Bildende Kunst: professionell und stringent

Die drei gewählten Stipendiaten für bildende Kunst, Daniil Galkin, Anja Gerecke und Dagmar Weiß, hätten sich durch ein hohes Maß an Professionalität und Stringenz in ihrer künstlerischen Arbeit sowie durch die eingereichten Projektideen behauptet, wie Marita Landgraf, die künstlerische Leiterin des Künstlerhauses meldete.

Die Bewerbung des in der Ukraine arbeitenden Daniil Dalkin (*1985 /Dnipropetrovsk) überzeugte insbesondere durch thematische Anknüpfungspunkte zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. „Staatliche Autorität, Überwachung und Grenzen werden in seinen Arbeiten erfahrbar und teilweise offensiv im öffentlichen Raum verhandelt“, so Jurymitglied Justus Duhnkrack. Mehr Info unter http://pinchukartcentre.org/en/exhibitions/artists/16454

Dagmar Weiß (*1978 / Marburg/Lahn), die von 2006 bis 2010 in Finnland studierte, stach aus dem Bewerberfeld durch ihren individuellen filmischen Stil hervor. Mit großer Aufmerksamkeit spüre sie die Absurdität, Mystik und Dynamik des täglichen Lebens auf und erzähle diese changierend zwischen Lustspiel und Drama. Weiß möchte in Lauenburg eine mehrteilige Videoarbeit realisieren, in der es um das Phänomen der Selbstoptimierung geht. Mehr Info unter www.dagmar-weiss.de

Anja Gerecke (*1977 / Goslar) bezieht in ihren kontextbezogenen Arbeiten die vorhandene Architektur als Material ein und erschafft so mittels installativer Malerei neue Räume. „Raum und künstlerische Arbeit fließen ineinander über. Dadurch verbindet sich das Werk mit dem Ort“, erklärt Landgraf. Für das Künstlerhaus Lauenburg will Gerecke eine neue ortsbezogene Arbeit konzipieren. Mehr Info unter https://anjagerecke.com/

Literatur: Überzeugender Umgang mit der Sprache

Das Stipendium für Literatur erhält der in Berlin lebende Valentin Moritz (*1987 / Bad Säckingen). Er Überzeugte vor allem durch seinen Umgang mit der Sprache in seinen Erzählungen. Sara Dušanić begründete die Juryentscheidung:  „Valentin Moritz versteht es, mit wenig sprachlichen Mitteln, ganz viele Bilder hervorzurufen und Sinneseindrücke erfahrbar zu machen. Anstatt alles auszuerzählen, eröffnet er durch den geschickten Einsatz der literarischen Leerstelle einen rätselhalften Deutungsraum, den der Leser ergründen will- Er wird somit auf Spurensuche geschickt.“ In Lauenburg möchte der Autor an seinen Erzählungen und an seinem Romanprojekt arbeiten – einer Dystopie, die von einem Leben in einer unterirdischen Welt erzählt. Eine Dystopie ist eine Art Anti-Utopie mit negativem Ausgang. Mehr Info unter www.valentin-moritz.de

Komposition: Spannender Umgang mit der Stimme

Der kanadische Komponist Thierry Tidrow (*1986 / Ottawa) „hat in seiner bisherigen kompositorischen Arbeit einen versierten wie spannenden Umgang mit der menschlichen Stimme gezeigt“, so Juror  Gerardo Scheige. Während seines Aufenthalts im Künstlerhaus Lauenburg möchte Tidrow stimmliche Ausdrucksmöglichkeiten weiter erforschen/erproben und die Ergebnisse erstmals selbst als Performer präsentieren. Die Jury zeigte sich davon überzeugt, dass das Künstlerhaus ihm hierfür ein ideales Arbeitsumfeld bietet. Mehr Info unter www.thierrytidrow.com

Jurys hatten keine leichte Aufgabe

Genannt seien hier auch die Gremien, die sich im Vorfeld mit allen Bewerbungen auseinandergesetzt hatten, um sich letztlich auf den einen Kandidaten zu verständigen.  Der Jury Bildende Kunst gehörten an: Jens Asthoff (Journalist und Kunstkritiker, Hamburg), Oliver Zybok (Overbeck-Gesellschaft Lübeck), Esther Ruelfs (MKG Hamburg, Fotografie und Neue Medien), Peter Kruska (Stadtgalerie Kiel), Kerstin Niemann (Hafen City University Hamburg & Filter Detroit), Justus Duhnkrack (Mitbegründer P/ART Hamburg) und Christian Egelhaaf (Lauenburgischer Kunstverein, Fotograf/ Künstler).

Die Kompositionsjury stellten der Komponist, Cellist und bildende Künstler Gerald Eckert (Eckernförde), Gerardo Scheige vom Deutschen Musikrat (Köln), Prof. Dieter Mack von der Musikhochschule Lübeck, Dr. Friedrich Wedell von „chiffren“ / Forum für zeitgenössische Kunst (Kiel) sowie der Komponist und Kompositionsstipendiat 2016 Donny Karsadi. Die Jury für das Literaturstipendium setzte sich zusammen aus Sara Dušanić vom Literaturhaus Schleswig-Holstein, Gustav Mechlenburg vom Textem-Verlag Hamburg, der Künstlerin Doris Weinberger, die sich der Auseinandersetzung mit Text und Sprache widmet (Bremen), und dem Autor Janko Marklein. Er war Literaturstipendiat 2016 und hat sich vor kurzem erst eines der sechs Heinrich-Heine-Stipendien 2017/2018 des Landes Niedersachsen und der Stadt Lüneburg gesichert.

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