„Deutschkurs“ mal ganz anders

„Deutschkurs“ heißt ein Stück der Theatergruppe Karoon. Am 17. März kommt sie zu einem Gastspiel nach Aumühle. Der Auftritt ist zugleich ein Heimspiel für drei der Darsteller.

Aumühle –  61 Flüchtlinge aus sechs unterschiedlichen Ländern leben derzeit in Aumühle. „Da die meisten unserer Flüchtlinge viel beschäftigt sind, fallen sie im Ortsbild kaum auf. Es gibt wenige Möglichkeiten, mit ihnen in Kontakt zu kommen und etwas über ihre Heimat und ihre Fluchtgründe zu erfahren“, weiß Barbara Neinass. Sie ist Sprecherin des örtlichen „Runden Tisches“, der sich mit rund 120 ehrenamtlichen Helfern um die Neuankömmlinge kümmert. Um Flüchtlinge geht es auch im Theaterstück „Deutschkurs“, das am 17. März 2017 (19 Uhr, Eintritt frei /Spenden erbeten) im Theatersaal des Augustinums aufgeführt wird. Die Akteure sind ebenfalls Flüchtlinge. Sie haben die Theatergruppe Karoon in Hamburg ins Leben gerufen und ihr Stück 2016 erstmals auf die Bühne gebracht. Drei der Mitwirkenden – Flüchtlinge aus dem Iran – wohnen inzwischen in Aumühle in der alten Post.

Die Vorstellung im Augustinum, das den Saal kostenfrei zur Verfügung stellt, ist die Gelegenheit für Aumühler und alle anderen Interessierten, einen persönlichen Kontakt zu den Flüchtlingen zu finden – und auch als Deutscher etwas vom „Deutschkurs“ der freien Theatergruppe zu lernen. Karoon fand sich in Hamburg überwiegend aus Flüchtlingen von Eritrea, Irak, Syrien und Iran zusammen. Unterstützt vom deutsch-ahwazischen Kultur-Verein, präsentierte die Gruppe im Oktober 2016 beim Interkulturellen Festival „eigenarten“ im Bürgertreff Altona die Premiere von „Deutschkurs“. Auch in Bergedorf hat die Gruppe schon viel Applaus geerntet.

Das Stück nimmt Erlebnisse von Flüchtlingen aus Deutschkursen auf. Es vermittelt reale Probleme von geflüchteten Menschen, die mit den Anforderungen des Alltags und mit der Sprache bei uns zu tun haben, macht auch den Unterschied deutlich zwischen Deutsch-lernen-Wollen und Deutsch-lernen-Müssen. Darin eingeflochten haben die Spieler vielerlei  Einblicke in die Traditionen und Kulturen ihrer alten Heimat. „Sie lassen das Publikum auch Anteil nehmen an ihren Einzelschicksalen und erklären, warum sie aus ihren Heimatländern fliehen mussten“, sagt Pastor i.R. Jörg Giesen, der das Theaterstück nach Aumühle geholt hat.

Organisator und Regisseur des Stücks ist Hakim Chohbishat. Mit ihm auf der Bühne stehen werden M. Bet Abed, A.Janadelh, M. Hardany, O. Dalati, S. Ebadi, A. Ali Sharifi Aseel, M. Ebadi, I. Ismail, C. M. Kaiser und S. Hasan (Schauspiel) sowie Malek Cheh Bishat und Abo Elfazel Maramazi (Musik). Der Name Karoon ist eine Referenz auf den gleichnamigen Fluss, der bei der Stadt Ahvaz in den persischen Golf mündet.

„Deutschkurs“ will erhellende Einblicke in die Realität der Flüchtlinge geben. Deutsch zu lernen, ist einer der wichtigsten Bausteine, um ein Leben im neuen Land zu meistern. Das wissen auch die Paten vom „Runden Tisch“ in Aumühle, die ihre Schützlingen u.a. die wichtigsten deutschen Wörter lehren, sie zu Behörden und Ärzten begleiten, ihnen im zweiten Schritt auch bei der Suche nach einer Wohnung und nach einem Arbeitsplatz helfen. In Aumühle erhalten Flüchtlinge wie vielerorts große Unterstützung durch die ehrenamtlichen Helfer. Laut Barbara Neinass besuchen zur Zeit fast alle Flüchtlinge in der Gemeinde den obligatorischen mindestens sechsmonatigen Integrationskursus, zehn von ihnen absolvieren dazu ein Praktikum oder haben einen Minijob ergattert. Und einige von ihnen besuchen zusätzlich zum Integrationskursus viermal wöchentlich einen VHS-Kursus zur Erweiterung ihrer Deutschkenntnisse …

Lothar Neinass / Eva Albrecht

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