Die neuen Kreativen

Kulinarik ist auch ein Stück Kultur, kreatives Kochen ohnehin eine Kunst. Einige Namen der neuen „Lauenburg’schen Teller“ regen mehr als die Speichelproduktion und Vorfreude an …

Seit über 20 Jahren kitzeln Köche und Restaurants im Herzogtum mit ihren besonderen Tellergerichten die Gaumen von Einheimischen und Touristen. 15 Betriebe bereichern in dieser Saison (bis Oktober) ihre Speisekarten mit dem besonderen Tellergericht aus regionalen Spezialitäten. Und wie  immer ist die Teilnahme nicht nur eine Leistungsschau der Köche. Sie brät auch einen Wettbewerb an kreativer Namensgebung aus. Einige  Titel lassen aus dem Stand das Kopfkino anspringen und die Fantasie von der Leine …

Da ist etwa die „Lauenburger Sauerei“, bei der (erstaunlicherweise nicht in Lauenburg) vielleicht noch während des Essens ein Tischtuchwechel möglich scheint. Doch halt: Die Nachbartische dürfen angstfrei essen. Auf diesem Teller schmiegen sich nur saftige Schweinemedaillons (na klar) an gekräuterte Bohnenkerne. „Barsch auf Wanderschaft“ wird andernorts avisiert. Ist da einer ruppig unterwegs, oder schwänzelt ein Fisch fröhlich pfeifend mit Stock und Hut durchs Land, äh: Wasser? Weder, noch. Es rastet da ein feiner Fisch über krebsbesaucten Gemüsetagliatelle. Dass er zu Lebzeiten immer eine Handbreit Wasser unter den Flossen hatte, setzen wir voraus. Vielleicht grüßt jener Barsch sogar freundlich an irgendeinem Uferstreifen das „Lamm am Zaun“ – wir sehen den niedlichen Vierbeiner vorwitzig kurz vor dem Mittagessen vom tournierten Gemüse naschen. Wenn das die Mutter sähe …

Hin- und hergerissen sind wir bei „Draculas Knuspertaler“. Das assoziiert Blut und Kindernaschwerk zugleich. Ein Biss ins Morgengrauen? Aber nein. Geschmeidig lässt sich hier die hausgemachte Blutwurst von crosser Cornflakespanade umkuscheln. Und wenn der „Herr von Kaiser“ auf dem Teller liegt, ist auch das kein Drama. Dabei handelt es sich nur um Ossobuco vom Herrn der Wiederkäuer von Kaisers Weide. Ein robustes Tier, dieses Gallowayrind, zu dessen kräftigen Beinen Kartoffelstampf als Unterlage ausgezeichnet passt. Entwarnung auch für „Spitz! Pass auf!“, der allenfalls die Witwe Bolte zucken ließe. Das höchste Aufmerksamkeit heischende Gericht spielt gleich doppelt mit seinen essentiellen Zutaten: Tafel-Spitz-Kohl, auf denen sich eine signalfarbene Kräuselei aus Roter Bete niederlässt.

In Hamburg-Nähe arbeitet man mit hanseatischem Understatement: „Der versteckte Hit“ heißt etwa ein Zander (nicht Frank), der sein Licht unter einer Kartoffelkruste leuchten lässt. Zufall, dass dennoch der Zander Frank 2017 einen Fischologiekalender herausgebracht hat? An Hamburg denken könnte man auch bei der „Elbharmonie“ mit offenkundiger Nähe zum gleichnamigen Fluss. Hier jedoch wird die Harmonie ohne „phil“, singuläre Formgebung und Spezialakustik kredenzt – dafür ist der Preis unschlagbar günstiger. Ein Zander dirigiert dieses Gericht, geschmacklich umspielt von Kartoffel, Rote Bete, Dill und Birne.

Dass dieser Zander immer wieder auftaucht …?! Vielleicht will der mal was probieren in Richtung „Elmenhorster Ententanz“ oder „Oh Sushi“. Überhaupt: Warum nicht Künstler und Kultur der Region auf den Teller heben? Man könnte sich durchaus ein herausforderndes „Breitenfelder Behagen“ oder eine „Narretei an Eulenspiegel“vorstellen …

Ach, wir wollen nicht vorgreifen. Freuen wir uns lieber auf die anregenden Feinschmeckerteller und lassen uns immer neu überraschen. Sicherheitshalber erwähnen wir nochmal, dass alle Beispiele hier subjektiv und nur um der anregenden Begriffe willen herausgepickt wurden. Genuss verheißen völlig unabhängig von ihrem Namen alle „Lauenburg’schen Teller“. Wo es sie gibt, erfahren Sie hier: http://www.herzogtum-lauenburg.de/lauenburgscher-teller

Eva Albrecht

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