Mitreißender LJO-Auftritt

Mit ausgesprochen anspruchsvollem Repertoire begeisterte das von Marius Stieghorst geleitete Landesjugendorchester Schleswig-Holstein in Wotersen rund 400 Zuhörer. / Foto: Bator

Sinfonische Dichtung voller Frische und Elan in der Reithalle Wotersen: Dafür sorgte das Landesjugendorchester – die besten Nachwuchsinstrumentalisten aus ganz Schleswig-Holstein – bei seinem Frühjahrskonzert.

Mit ausgesprochen anspruchsvollem Repertoire begeisterte das Landesjugendorchester Schleswig-Holstein in Wotersen rund 400 Zuhörer. / Foto: Bator

Wotersen – Einmal im Jahr bescheren der Landesmusikrat und die Stiftung Herzogtum Lauenburg den Zuhörern mit dem Landesjugendorchester (LJO) einen Musikgenuss besonderer Art. Unter der Leitung von renommierten Dirigenten – diesmal war es Marius Stieghorst, der derzeit das Orchestre Symphonique d’Orléans und Opéra National de Paris leitet – studiert das LJO ein anspruchsvolles Programm ein. Die Früchte dieser musikalischen Nachwuchsförderung serviert das Orchester bei zwei Konzerten – in Wotersen und in Rendsburg. Für einige Instrumentalisten wurde der Auftritt in Wotersen zum Heimspiel, wie Peter Seibert wissen ließ, der die Kreismusikschule Herzogtum Lauenburg leitet: „Das ist eine besondere Freude, in solch großem Ensemble auch drei unserer Schüler zu entdecken.“

Eine Klasse für sich: die Holzbläser des Landesjugendorchesters / Foto: Bator

Begeisterung bei Mussorgsky
Damit alle Instrumente in die Nachwuchsförderung integriert werden, von Streichern über Holz- und Blechbläser bis zu Harfe und Schlagzeug, enthält das Programm jedes Mal große sinfonische Werke für Großbesetzung. So auch die 66. Auflage: Rund 400 begeisterte Zuhörer lauschten in der vollbesetzten Reithalle der Symphonischen Dichtung „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ von Mussorgsky. Mit sicherer Hand von Marius Stieghorst geführt, interpretierten die auffallend jungen Musikschüler und -studenten das „verrückte“ Werk, in dem es von Hexen, bösen Geistern und Satan wimmelt. Regelrechte Klangkaskaden, nahezu fragwürdige, teils harmonische, teils extatische Wendungen und Taktwechsel waren zu hören – alles auf der gesamten Dynamik-Skala vom leisesten Pianissimo bis zum knallenden Fortissimo, kurzum: typisch Mussorgsky, den die jungen Musiker gekonnt zu einer homogenen, beeindruckenden Ganzheit umzusetzen wussten – Riesenbeifall.

Orchesterleiter Marius Stieghorst / Foto: Bator

Schostakowitsch überzeugte

In dieser Manier servierte das LJO zum Ausklang die 5. Symphonie d-Moll Op. 47 von Schostakowitsch. Erneut nicht nur spieltechnisch schwere Kost. Der von der NKWD eingeschüchterte Komponist erschuf mit der „Fünften“ einen neuen Dialekt, in dem stilisierte Romantik auf Groteske trifft, die Zerrissenheit Schostakowitschs in grotesken, ja gar absurden Passagen dezent und doch unüberhörbar durchklingt. All das hat das Landesjugendorchester meisterhaft und facettenreich umgesetzt. Auch wenn nicht alle Töne und Tempi perfekt gesessen haben, das monumentale vierteilige Werk überzeugte.

Riesenbeifall für den Solisten Francisco Monteagudo Garde (Oboe) beim Kalliwoda-Concertino. / Foto: Bator

Jubel nach Kalliwoda

Für Begeisterung pur sorgte indes das frühromantische Concertino für Oboe und Orchester F-Dur (Opus 110) eines fast vergessenen böhmischen Meisters: Johann Wenzel Kalliwoda. Der in Prag geborene und ausgebildete Komponist wirkte sein Leben lang auf dem Hof von Fürstenberg, schuf dort unzählige „Perlen“ für Soloinstrumente und Orchester. Das witzig und nicht einfach instrumentierte Concertino verzaubert jeden Zuhörer im Nu, allem voran der Solopart. Den meisterte virtuos der spanische Oboist Francisco Monteagudo Garde. Nach der Ausbildung in Madrid ist der hochtalentierte Spanier derzeit als Masterstudent an der Musikhochschule Lübeck. Seinen Master-Status belegte Garde auch in Wotersen mit Bravour. Ein herrliches Concertino mit anregend beschwingten Ecksätzen und einem „Zucker-Adagio“ voller zauberhaften Klänge, Romantik und Melancholie. Jubelnder Beifall.

Stiftungsvizepräsident Wolfgang Engelmann / Foto: Bator

Auftritt 2018 ist sicher

Der nächste musikalische Hauch der jugendlichen Frische auf Gut Wotersen ist bereits gesichert. Wolfgang Engelmann, der Vizepräsident der Stiftung Herzogtum Lauenburg und bekennender Fan des jungen Orchesters,  gab schon den nächsten Termin bekannt: „Wir laden schon heute ein. Am 14. April 2018 ist das Landesjugendorchester, dann mit neuem Programm, wieder in Wotersen zu hören.“

Gregor Bator

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