Bühne frei für Storm und das Leben

Wolfgang Häntsch und Henning Petersen spielen tragende Rollen. / Foto: Berodt

Nach einem bunten Auftakt folgt in der zweiten Woche des KulturSommers am Kanal die bisher größte und am weitesten ausstrahlende Theaterinszenierung: „Storm – Das Meer – Die Geister – Du!“ im Viehhaus Segrahn.

Szenenprobe auf Segrahn: v. li. Harald Günther, Wolfgang Häntsch, Katja Schwarz, Henning Petersen und Paul-Louis Lelièvre. / Foto: Berodt

Kreis Herzogtum Lauenburg – Neben dem Storm-Projekt präsentiert Intendant Frank Düwel mit der „Zauberflöte“ als Kanu-Wander-Theater und der Show „Eine Nacht am Meer“ in der Reihe Beat `n` Dance zwei weitere Eigenproduktionen mit hoher Anziehungskraft. In den Städten und auf den Dörfern öffnen sich vom 8. bis 14. Juli reihenweise Türen zu Theater, bildender Kunst, Musik und Festen – eine echte Alternative zu einem Wochenende in Hamburg, wo wegen des G20-Gipfels Sperrgebiete eingerichtet werden.

Hier ein Blick auf das Highlight und die kleinen Perlen in der zweiten Woche der großen Veranstaltungsreihe.

Storm als Mensch und Dichter

Wolfgang Häntsch und Henning Petersen spielen tragende Rollen. / Foto: Berodt

Die Storm-Inszenierung im Viehhaus Segrahn bei Gudow ist das Hauptereignis. Mit dem Schauspieler Wolfgang Häntsch, einem Musiker und 25 Spielern von der Musikhochschule und dem Lichthof-Theater aus Hamburg bringt Regisseur Frank Düwel die Welt von Theodor Storm (1817 – 1888) auf die Bühne. „Storm – Das Meer – Die Geister – Du!“ ist das offizielle Theaterprojekt zum hochkarätigen Jubiläumsprogramm der Stadt Husum und der Theodor-Storm-Gesellschaft, die das Werk zum 200. Geburtstag des Dichters in Auftrag gegeben hat. Auf Gut Segrahn wird es erstmals zu erleben sein – später auch in Husum und Hamburg. Partner der Produktion sind die Stiftung Herzogtum Lauenburg und das erst kürzlich mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnete Lichthof-Theater.

Storm auf Gut Segrahn – für Gastgeberin Ilsabe von Bülow und Wolfgang Häntsch ein unerschöpfliches Thema … / Foto: Berodt

Im Mittelpunkt der Aufführung steht die überraschend spannende und oft weniger beachtete Lyrik des Dichters, aus dessen Feder u. a. faszinierende Liebesgedichte aufs Papier flossen. Auch Passagen aus Storms bekannten Novellen werden zu hören sein. „Das Publikum soll spüren, was der Dichter fühlte, als er seine Worte schrieb“, sagt Frank Düwel. In sechs Szenen zeigt das hoch engagierte Ensemble ein Musiktheater, „in dem sich Momente aus Storms Werk zu einem Leben in Dichtung verbinden“. Faszinierend farbige Fotosequenzen aus Naturaufnahmen, Licht und Schatten prägen visuell das auf eine Leinwand projizierte Bühnenbild. Ausgewählte Weisen von Gluck, Schubert und das Volkslied „Lütt Matten, de Has“ verstärken Spiel, Gesang und Tanz auf der Bühne mit musikalischer Emotion. Das wie in einem Amphitheater sitzende Publikum kann sich auf ein Erlebnis einstellen, das über alle Sinne einen neuen Zugang zu einem der berühmtesten norddeutschen Dichter schafft. „Es wird immer schwieriger, Theater zu den Menschen zu bringen“, sagt Gastgeberin Ilsabe von Bülow, „aber das wird wieder etwas ganz Besonderes.“

Kunst in Ateliers und Galerien

„Warnemünde“ aus dem Blick des informellen Malers: Karl-Heinz Kock zeigt in Mölln seine Kunstausstellung „Bild – Ereignis – Bild“. / Foto: Kock

Das zweite Wochenende des KulturSommers blättert darüber hinaus erneut einen dicken Katalog an bildender Kunst auf. In Mölln wird am Sonntag eine große Ausstellung im Stadthauptmannshof eröffnet. Der in Itzehoe lebende und arbeitende Künstler Karl-Heinz Kock zeigt dort bis zum Ende des KulturSommers großformatige Bilder unter dem Titel „Bild – Ereignis – Bild“. Er ist ein Vertreter der Informellen Malerei – eine Kunstrichtung, die Spontanität statt klassischer Form- und Kompositionsprinzipien in den Mittelpunkt stellte und Mitte der 1950er Jahre ihren Höhepunkt erreichte. Kock verwandelt Wahrgenommenes zu einem künstlerischen Prozess / Ereignis, woraus ein neues Bild entsteht. Auch die Geesthachter Kreativen öffnen ihre Türen weit – ein rundes Dutzend ansässiger Künstler zeigt Malerei und Objekte in vielerlei originellen Varianten. Auf dem Land warten offene Ateliers auf Gut Bliestorf, in Klein Zecher, Krummesse und Berkenthin. Galerien in Lauenburg und Schwarzenbek laden zum Kunstgenuss ein.

Entertainment für Groß und Klein

Ohne große Werbung kommen inzwischen die KulturSommer-Formate mit der längsten Tradition aus: das Kanu-Wander-Theater auf dem Schaalseekanal und die junge Bühnenshow „Beat `n` Dance“ in Schwarzenbek. Beim Paddeln erlebt das Publikum in diesem Jahr eine Inszenierung von Mozarts „Zauberflöte“ (14.7.), während die Nachwuchsstars im Schwarzenbeker Rathaus (9.7.) mit ihren Fans gemeinsam „Eine Nacht am Meer“ erleben. Wer Lust auf Feiern mit Livemusik und Unterhaltung in größerem Rahmen hat, kann dieser schon am Samstag (8.7.) nachgehen: Das Grubenstraßenfest in der Möllner Altstadt und das Dorfgemeinschaftsfest in Güster laden dazu Besucher aus allen Ecken des Kreises ein.

Auftakt mit dem Trio Saitenbalg: v. li. Uwe Thomsen, Lorenz Stellmacher und Jörg-Rüdiger Geschke eröffnen mit weiteren Aktiven am 13. Juli in Fitzen eine Reihe von Folkkonzerten mit Musikern aus der Region. / Foto: Trio Saitenbalg

Im Verlauf der Woche bringt der KulturSommer für Kinder Abwechslung auch für das Ferienprogramm vieler Eltern und Großeltern: Die Domäne Fredeburg lädt ein zum „Erlebnis Bauernhof“ (12.7.) mit vielen Tieren und Platz zum Spielen. In Fitzen präsentieren Musiker aus der Region in stimmungsvoller Atmosphäre ein kleines Festival der Folkmusik, das sich in einer Reihe von Einzelkonzerten fortsetzen wird. „Dat du mien Leevsten bist“ (13.7.) ist die gemeinsame Session des Trios Saitenbalg, Matthias Lage, Klaus Irmscher und Musiker der Möllner Willkommensband überschrieben – ein Abend, in den sich nicht nur Platt- und Hochdeutsch, sondern auch kontinentale und orientalische Kultur wunderbar integrieren.

Details zu allen Veranstaltungen finden Sie im Reisebegleiter und auf www.kultursommer-am-kanal.de.

Eva Albrecht

 

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