Kleiner Staat ganz groß

Es war einmal der Norddeutsche Bund. Zum 150. Geburtstag dieses Staatsgebildes zeichnet eine Sonderausstellung der Otto-von-Bismarck-Stiftung dessen Geschichte nach. Die Schau ist noch bis zum 14. Januar im historischen Bahnhof von Friedrichsruh zu sehen.

Bewundert werden kann dort unter anderem das große Bundessiegel des Norddeutschen Bundes aus dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz. Inhaltlich stehen das Militär und die Innenpolitik sowie die außenpolitischen und wirtschaftlichen Ambitionen des kurzlebigen Bundesstaates im Mittelpunkt. 1867 gegründet war er 1871 bereits wieder Geschichte. Nach dem militärischen Sieg der Deutschen über das benachbarte Frankreich schlossen sich die Länder zum Deutschen Kaiserreich zusammen.

Die kurze Existenz des Norddeutschen Bundes steht im Widerspruch zu seiner historischen Bedeutung. „Seine Verfassung hat dem Deutschen Kaiserreich als Grundlage gedient“, weiß Dr. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer Otto-Bismarck-Stiftung. Bis heute, so seine Überzeugung, lassen sich Organisationsstrukturen auf diesen Staat zurückführen. „Die Gründung des Kanzleramtes etwa geht auf den Norddeutschen Bund zurück“, sagt Lappenküper. Der Bundeskanzler dieses Staates habe, was heute kaum noch jemand wisse, den Namen Otto von Bismarck getragen.

Der Norddeutsche Bund sei von der Forschung bislang „stiefmütterlich“ behandelt worden, wie Lappenküpper es ausdrückt. Im Zuge des 150. Geburtstages scheinen die Historiker das Thema jedoch für sich entdeckt zu haben. „Zuletzt hat es einige Konferenzen gegeben“, so der Geschäftsführer der Bismarck-Stiftung.

Die Ausstellung, die den Titel „Auftakt zum Norddeutschen Nationalstaat: Der Norddeutsche Bund 1867-1871“ trägt, dürfte für weitere Aufmerksamkeit sorgen.

Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr und ab dem 1. November von 10 bis 16 Uhr zugänglich. Montags bleiben die Räume geschlossen. (kp)

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