Nülich in´t Cafe

Kulturportal-Kolumnist Thorsten Börnsen widmet sich in seinem plattdüütschen Gedicht „Nülich in´t Cafe“ den Kaffeegenüssen der Gegenwart. Im Kaffeewesen hat sich wie in so vielen anderen Bereichen des Lebens in den vergangenen Jahren einiges getan – insbesondere in den Städten. Fast möchte man meinen, Kaffee ist heute mindestens so vielfältig wie moderne Kunst. Ja, vielleicht handelt es sich sogar um moderne Kunst. Für die Anhänger des klassischen Kaffees, die auf den guten, alten Handfilter setzen, ist das keine gute Nachricht, wie Börnsens Text zeigt. Die Begegnung mit der modernen (Kaffee-)Szene kann nämlich durchaus zu einer Eintrübung der Sinne führen und damit zumindest auf Dauer zu einer Gefahr für die von der Vergangenheit geprägten Geschmacksnerven werden.

Nülich in´t Cafe

As ’n Habicht luert se över den Tresen,

Hett den Ingang in Blick, Terass, un noch de achterste Eck.

Keen Nanosekunn bün ik binnen wesen

Stött se sik in op mi – ik bün stief vör Schreck.

„Hey, weißt du schon oder guckst du noch?“

Leevst du noch oder wahnst du al?

Wahnst du al oder atmest du noch?

 

Twee steken blaue Ogen mit ´n sturen Blick

Brennt sik deep dörch de Iris bit in mien Bregen

Musst ’n Killer för ween, denn giffst ehr keen Tipp

All anner bangt üm dat nackte Överleven.

 

„Ik weet al un ik leev liekers noch,

geev ik torüüch

In Kaffe mit ´n lütt Slag Melk in’n Pott“

anter ik kleenluut un ´n beten bedrückt.

 

De irre Blick liggt op mienen

wannelt sik to’n smustergrienen.

Dat Grinsen breet as’n Containerfrachter

Mit jüst so’n langen Bremsweg dorachter.

 

Du sühst, dat rappelt in ehrn Bregen

Aver nu, nu hett se’t also begrepen!

Se kiekt mi randvull mit Mitleed an.

As ´n Kerl, de ut dat Neandertal kropen is,

oder vun lichten Swachsinn fast in’n Griff,

Oder vun‘ Cro-Magnon-Minsch de Mann

Oder ut Quickborn – ganz seker aver vun’t Land

 

Latte Macchiato, Soja Latte, Cappuccino

Mit und ohne Kakao

Verlängerter – nennt man auch Americano

Milchcafé – nennt man auch Galao

Wenn du willst machen wir’s auch nur mit Dampf

Du schmeckst das tierisch intensivst

Feeling wie orgiastisch und dabei ganz sanft,

Ist wie wenn du im Urwald stehst.

 

Dat klingt natürlich grootordig

Dschungel un so, orgiastisch, meen ik,

Un vun´t Feeling her geil, reiweg afordig

Americano ganz kloor de afslute Kick!

 

Nu nehm ik mien ganzen Moot tosamen:

Mi swemmt de Sweet över´n Liev

Ik segg to de Service-Explosion dorbi warrt mi Füer un les:

Man ik bün nich op instellt, ´n Orgie to maken,

Heff de richtigen Kledaasch dorför ok to Huus laten.

 

Ik harr geern en Filterkaffe ut´n Bonamaten,

Schöön dörchtrucken vun hüüt Morgen överlaten,

Un en lütten Swapps Kondensmilk rin,

Ut de Blickdoos mit twee Löchers binnen,

Een mit so´n andrögten Sahnerand,

Dat twete Lock to´n Puust halen op de anner Kant.

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