„Die Stiftung wird von Tag zu Tag jünger“

Kurz vor den offiziellen Feierlichkeiten zum 40. Geburtstag der Stiftung Herzogtum Lauenburg sprach das Kulturportal mit Präsident Klaus Schlie und seinem Stellvertreter Wolfgang Engelmann über ihr ehrenamtliches Engagement. Obwohl der CDU-Politiker Schlie und der Sozialdemokrat Engelmann „politisch nicht in ein Bett passen“, harmonieren sie prächtig. Wenn es um die Stiftung geht, ziehen sie an einem Strang.

Kulturportal: 40 Jahre Stiftung Herzogtum Lauenburg – wie geht es der Stiftung?

Klaus Schlie: Wir werden von Tag zu Tag jünger. Die Ideen sprudeln.

Wolfgang Engelmann: In der Tat sind wir, wenn es um Ideen und Inhalte geht, gut aufgestellt. Sorge macht uns allerdings die finanzielle Seite. Das hängt natürlich mit unseren baulichen Aktivitäten zusammen. Der Erhalt eines 600 Jahre alten Ensembles wie dem Stadthauptmannshof kostet.

Schlie: Die Sanierung verschlingt rund 1,3 Millionen Euro. Da freuen wir uns über jeden Sponsor, der uns unterstützt. Das gilt natürlich nicht nur für bauliche Maßnahmen, sondern auch für unsere Arbeitsfelder – die Kultur, die Lauenburgische Akademie und den Naturschutz. Jede Spende hilft. Auch organisatorisch sind wir für jede Unterstützung dankbar. Gemeinden, die eine Partnerschaft für den KulturSommer übernehmen wollen, sind jederzeit herzlich willkommen.

Engelmann: Ganz allgemein gesagt: Die Türen der Stiftung sind immer sperrangelweit geöffnet.

KP: Apropos geöffnete Türen: Wie sind Sie eigentlich in die Stiftung gekommen? Woher rührt ihr Engagement?

Schlie: Ich habe die Stiftung seit der Gründung begleitet. Bevor ich das Amt des Präsidenten übernahm, war ich bereits im Stiftungsrat aktiv. Den Stiftungsgründern Dr. Uwe Barschel und Dr. Karl Ballhaus habe ich damals anempfohlen, mit der lauenburgischen Akademie in den Stadthauptmannshof zu ziehen.

Engelmann: Ich bin 1998, als ich mein Amt als Möllner Bürgermeister antrat, Mitglied im Stiftungsrat geworden. Das war von Anfang an Usus, dass das Stadtoberhaupt in dem Gremium vertreten ist.

KP: Und wann sind Sie in den Vorstand gewählt worden?

Schlie: 2011. Und wir hatten ein klares Ziel: Wir wollten über Parteigrenzen hinweg zu Lösungen kommen. Das war von Anfang an so gewollt, wurde aber nach außen nicht so wahrgenommen. Für die Öffentlichkeit war die Stiftung eine CDU-Stiftung.

Engelmann: Jedermann weiß, dass Klaus Schlie und ich politisch nicht in ein Bett passen. Aber was die Stiftung anbelangt, haben wir immer an einem Strang gezogen. Und der Erfolg gibt uns recht: Sie ist heute so offen wie nie. In ihr spiegelt sich die kulturelle Vielfalt, die den Kreis Herzogtum Lauenburg ausmacht.

Schlie: Wolfgang spricht damit einen unserer Arbeitsschwerpunkte an: Seit 2005 ist die Stiftung für die Kulturarbeit des Kreises zuständig. Den Vertrag, der das regelt, haben wir mit Leben gefüllt. Zusammen mit der Kulturszene – beispielsweise mit dem Folkclub Herzogtum Lauenburg oder dem Künstlerhaus Lauenburg – haben wir viele neue Veranstaltungen aus der Taufe gehoben und Formate weiterentwickelt.

Engelmann: 2015 hat der Kreistag den Vertrag mit der Stiftung ohne Gegenstimmen verlängert. Das ist für uns Bestätigung und Ansporn zugleich, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

KP: Das klingt, als wenn Sie noch so einiges vorhaben. Amtsmüde sind Sie offensichtlich nicht.

Schlie: Auf keinen Fall! Ich glaube, ich kann für uns beide sagen: Die Arbeit für die Stiftung macht uns viel Spaß. Wir haben hier ein tolles Team aus ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern, die unfassbar viel auf die Beine stellen. Da sind die Kulturschaffenden und Einrichtungen wie das Zentrum für Niederdeutsch, der Freundeskreis Goedtke, der Verein Miteinander leben, die jede Menge Ideen liefern und die hauptamtlichen Mitarbeiter, die sich für die Umsetzung dieser Ideen mit ins Zeug legen.

Engelmann: An erster Stelle muss man da unsere Geschäftsführerin Andrea Funk nennen. In den sieben Jahren, in denen wir im Vorstand sind, hat es einige Irrungen und Wirrungen beim Personal gegeben. Seit Frau Funk für uns arbeitet, ist das vorbei. Da hat ein ganz neuer Führungsstil Einzug gehalten. Früher lief in der Stiftung nichts ohne Unterschrift des Präsidenten…

Schlie: …heute arbeiten wir mit festen Zielvereinbarungen.

Engelmann: Montagmorgens treffen wir uns immer zum jour fixe, bei dem wir das eine oder andere nachjustieren, Dinge planen, uns neue Ziele stecken.

KP: Worum geht es konkret bei diesen Zusammenkünften?

Schlie: Da kommt eigentlich alles Mögliche auf den Tisch. Rein praktische Dinge – wo hakt es gerade bei der Sanierung? Was muss bedacht werden, damit die Stiftung trotz der Bauarbeiten ihre Arbeit erledigen kann? Aber auch Inhaltliches steht auf der Tagesordnung. Welche Veranstaltungen stehen als Nächstes an? Was wünschen sich die Künstler, die Wissenschaftler, die Musiker? Was können wir – der Präsident und Vizepräsident – dazu beitragen, dass alles möglichst reibungslos und erfolgreich abläuft.

Engelmann: Vieles dreht sich natürlich um die Kultur. Zumal die Stiftung mittlerweile auch Kulturknotenpunkt ist und Veranstaltungen im Kreis Herzogtum Lauenburg und im Kreis Stormarn fördert und initiiert – wie zuletzt die erfolgreiche Museumstour „Das starke Stück“.

Schlie: An dieser Stelle möchte ich nochmal mit Nachdruck betonen, dass wir – wenn es um die Kulturarbeit für den Kreis Herzogtum Lauenburg geht – den gesamten Kreis stets im Blick haben. Ich sage das ganz bewusst, weil das im Kreissüden von vielen leider nicht so wahrgenommen wird. Tatsächlich sind wir in der gesamten Fläche mit unseren Veranstaltungen vertreten. Der KulturSommer startete beispielsweise 2016 in Lauenburg und 2017 in Geesthacht – also im Süden des Kreises. Hinzu kommen jede Menge im Jahresprogramm enthaltene Einzelveranstaltungen. Zudem gibt es die Kultur auf dem Dorf-Tour, die über den Kulturknotenpunkt organisiert wird und bei der alle Gemeinden eingeladen sind, mitzumachen.

Engelmann: Sie haben gefragt, wo wir derzeit Handlungsbedarf sehen. Der KulturSommer ist ein gutes Beispiel dafür, wie – salopp gesagt – der Laden hier läuft: Kulturarbeit ist ein fortlaufender Prozess. Der KulturSommer ist zwar mittlerweile fest etabliert zu einer Marke geworden. Das ist aber kein Grund, sich zurückzulehnen. Aktuell fragen wir uns, wie wir mit dem Festival noch mehr Menschen erreichen können – auch außerhalb der Kreisgrenzen.

KP: Und gibt es da schon Ideen?

Schlie: Wir wollen vor allem mehr mit Jugendlichen und jungen Menschen machen. Außerdem sind wir der Auffassung, dass der Kanal stärker in den Fokus gehört. Es gibt dort so viele Orte, die für Veranstaltungen in Frage kommen. Wir möchten, dass sich der Kanal während des KulturSommers zu einem kulturellen Wasserband entwickelt. Schließlich heißt die Veranstaltung ja auch „KulturSommer am Kanal“.

KP: Der KulturSommer ist ja nur ein – wenn auch sehr wichtiges – Kulturereignis. Wie steht es abseits dessen mit der Kulturarbeit?

Engelmann: Unser Plan lautet auch hier – weitermachen, weiter entwickeln, den Prozess am Laufen halten. Wir sind stets auf der Suche nach neuen Ideen, neuen Kooperationspartnern, um Neues kreieren zu können.

Schlie: Darüber hinaus würden wir gerne das Programm, das uns die Tutoren unserer Akademie vorgelegt haben, mit Leben füllen. Ein Superprogramm – mit Forschungsprojekten in den Bereichen Geschichte, Geografie und Biologie. Hier sind wir auf der Suche nach Sponsoren, um Stipendien und die Publikation von Doktorarbeiten ermöglichen zu können.

 

Print Friendly, PDF & Email
KulturportalStiftung Hzgt. LauenburgKulturSommerKontaktImpressum