Kulturaufbruch für die wachsende Stadt

Geesthacht hat ein schlechtes Image. Mit dieser Aussage wird schnell konfrontiert, wer mit Einheimischen über die Stadt an der Elbe ins Gespräch kommt. Die Gründe liegen für viele in der Vergangenheit. Geesthacht ist ein alter Industriestandort. Hier stellte Alfred Nobel Dynamit her, hier ließen die Nazis Zwangsarbeiter Waffen produzieren, hier steht das Atomkraftwerk Krümmel.

In diesen Tagen zeigt sich, dass ausgerechnet die Vergangenheit, Kräfte freigesetzt hat, sich von dem schlechten Image zu befreien. Den Stein des Anstoßes hatte die Gruppe „Geesthachter Kulturvisionen“ mit der von ihr angeregten Diskussion um die alte Teppichfabrik, die auf dem Gelände des alten Industriegebietes liegt, geliefert. Zwar ist die Nutzung von Räumlichkeiten an der Düneberger Straße aktuell kein Thema, aber längst haben die Gespräche eine Eigendynamik entwickelt. Es geht um die ganz großen Fragen: Was macht Geesthacht lebenswert? Wie lässt sich das Leben in der Stadt attraktiver gestalten? Was für ein Kulturangebot braucht es dafür?

Bei Bürgermeister Olaf Schulze läuft die Gruppe mit ihren Fragen und Anregungen offene Türen ein. Das Stadtoberhaupt hat im vergangenen Jahr den Kulturaufbruch ausgerufen. „Geesthacht ist eine wachsende Stadt“, sagt er. Um noch mehr Menschen anzulocken, brauche es auch ein entsprechendes, kulturelles Angebot. Passend dazu hat die Kommune den Posten für Veranstaltungen in diesem Jahr um 5.000 auf jetzt 15.000 Euro erhöht. 2018 gebe die Stadt insgesamt 50.000 Euro für die Kultur aus, so Schulze. Darüber hinaus solle eine weitere Stelle im Bereich des Stadt- und Kulturmanagements geschaffen werden. Über die Jobbeschreibung werde allerdings noch diskutiert.

Von einer Stelle profitiert Geesthacht schon jetzt: Die Rede ist von Tourismusmanager Frank Kaldenbach. Der gebürtige Westfale ist ein alter Hase in seinem Beruf. Das schlechte Image der Stadt hat ihn nicht geschreckt, als er im Juli 2017 seinen Job antrat. „In Deutschland kämpft man immer mit dem Image“, erklärt er nüchtern. Er selbst sei begeistert gewesen, als er sich das erste Mal in Geesthacht umsah. Die Fußgängerzone, in der es keinen Leerstand gebe, findet Kaldenbach „hervorragend“. Dort hat er im Dezember einen Weihnachtsmarkt organisiert – eine Premiere für Geesthacht. Am 9. Juni plant er nun mit Unterstützung der Gruppe „Geesthachter Kulturvisionen“ in der Innenstadt eine Kulturnacht. Zudem stehen in der Zeit vom 30. Mai bis 22. August alle 14 Tage Konzerte am Hafen auf dem Programm. „Hier“, ist er überzeugt, „kann man was bewegen.“

Diese Aussage, die klingt wie ein Motto, dürfte dem Bürgermeister gefallen. Vielleicht würde er angesichts erster Fortschritte das Wörtchen „kann“ streichen. Weitere Fortschritte – auch in anderen Bereichen – sollen folgen. Schulze schwebt beispielsweise eine Imagekampagne in den S- und U-Bahnen Hamburgs vor. Und dann gilt es noch ein besonders dickes Brett zu bohren. Geesthacht mit seinen 30.000 Einwohnern hat keinen Bahnhof.  „Wir sind die einzige Kommune dieser Größenordnung, die nicht an das Schienennetz angeschlossen ist“, sagt er. Das soll sich ändern. Eine Machbarkeitsstudie ist in Auftrag gegeben. Das Ergebnis steht noch aus.

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