Schluss mit lustig!

Liebe Kulturportal-Leserinnen und Kulturportalleser, mir ist zu Ohren gekommen, dass einige von Ihnen den folgenden Text mit dem Titel „Schluss mit lustig“ missverstanden haben. Mir ist es deshalb wichtig an dieser Stelle mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass es sich um eine Glosse handelt. Der Inhalt des Textes ist also nicht erst gemeint und obendrein auch noch frei erfunden.

Helge Berlinke

Gauner gibt es viele. Gauner aller Art. Die brutalen Schläger. Die Trickbetrüger. Feingeister manchmal. Typen, die so liebreizend auftreten, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Dabei haben sie von Anfang an nichts anderes vor, als ihr Gegenüber aufs Kreuz zu legen. Nicht zu vergessen die Kriminellen wider Willen. Hungrige verlorene Seelen. Oder die Auftragskiller. Eiskalte Einzelgänger mit schneeweißem Gewissen, weil sie es nie benutzen.

Mit solchen Typen möchte man nichts zu tun haben. Es sei denn man ist Möllner. Hier haben sie so einen Kerl von der Straße weg auf einen Sockel gestellt. Eine Gallionsfigur, die es sich zeitlebens zur Aufgabe gemacht hat, Leute übers Ohr zu hauen. Lustig sieht er aus – mit seinen Glöckchen an der Narrenkappe und dem bunten Kostüm. Nur – der Typ ist gar nicht lustig. Kein Stück. Die Möllner sitzen einem großen Missverständnis auf.

Erstens läuft der Mann niemals mit solch auffälligen Klamotten durch die Stadt. Der Typ, der das tut, ist schlicht ein billiger Betrüger, dem – wenn überhaupt – unwissende Touristen auf den Leim gehen. Zweitens versteht der wahre, der echte Gauner keinen Spaß. Er will sie alle reinlegen. Die Bauleute, die so tüchtig am Erscheinungsbild der Hauptstraße herumwerkeln, die Edeka-Verkäufer, das Rossmann-Team, die Mitarbeiter des Möllner Museums, die Mitglieder der Till Eulenspiegel-Gilde. Alle, alle, alle.

Es heißt, es sind schon Möllner im Gulli verschwunden oder im Sommer beim Schlittschuhlaufen im See eingebrochen. Immer geht es ihm darum, obenauf zu sein. Den anderen zu zeigen, wie doof sie sind. Seht her – spricht es aus seinen Taten – ich mache das, weil ich es kann. Und da sich mit solcherlei Graupen im Schädel allein das Überleben nicht sichern lässt, geht er hier und da auf Broterwerb aus. In seinem Fall heißt das Lug und Trug. Beim Bäcker bringt er die Verkäuferin dazu, sich intensiv mit ihrem Smartphone zu beschäftigen – Teuerste ich habe dir eine Whatsapp geschickt –, während er in Seelenruhe ein Weißbrot aus dem Regal zieht und hinterher behauptet, er hätte es schon bezahlt. Bei Edeka steckt er sich eine Flasche Korn in die Hose. Dem hechelnden Hund, der vorm Laden angebunden ist, klaut er den Wassernapf. Dem Hinz- und Kuntz-Verkäufer stibitzt er die Zeitungen, um sie zwei Straßen weiter selbst zu verkaufen.

Und die Möllner? Sind so begeistert von diesem selbstsüchtigen Kleinkriminellen, dass sie ihm einen Brunnen, ein Museum und einen Gedenkstein gebaut haben. Und als wäre das nicht schon genug der Ehre, haben sie Büsten von ihm aufgestellt, Reliefs an Hauseingängen angebracht, Handläufe mit seinem Konterfei ausgestattet und, und, und…

Text: Helge Berlinke

Foto: Mölln-Tourismus

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