„Mit Till würde ich kein Bier trinken gehen“

Martin Maier-Bode ist Kabarettist und Autor. Der gebürtige Rheinländer hat die Till Eulenspiegel-Festspiele 2018 inszeniert. Die Freude am Sprachwitz entdeckte er als Jugendlicher. Sein Vater drückte ihm damals einen Band mit Gedichten von Kurt Schwitters in die Hand. Dessen dadaistische Texte inspirierte seine Freunde und ihn zu einem öffentlichen Auftritt. Maier-Bode war davon so ermutigt, dass er anfing, eigene Texte zu verfassen und sich als Kabarettist auf die Bühne zu stellen. Mit Erfolg: Unter anderem ist er heute Chef-Autor des MDR-Kabarettformats „Kanzleramt Pforte D“. Zudem ist er Mitglied des Ensembles des Düsseldorfer Kom(m)ödchens und tourt mit seinem Soloprogramm „Kabarett alternativlos“ durch die Republik.

Kulturportal-Herzogtum.de sprach mit ihm über Karneval, Till Eulenspiegel und über die Frage, ob Humor grenzen hat.

Kulturportal-Herzogtum.de: Herr Maier-Bode, Sie sind gebürtiger Düsseldorfer – da denkt man sofort an Karneval. Sind Sie Karnevalist?

Martin Maier-Bode: Nicht so richtig. Es gibt da eine Alternative – eine sogenannte Sitzung. Sie heißt „Stunk“. An der stricke ich selbst mit. Da bin ich Autor und Regisseur.

KP: Was gefällt Ihnen nicht am Karneval?

Maier-Bode: Die verordnete Fröhlichkeit und dass er organisiert ist. Wenn sich Vereinsstrukturen entwickeln, ist die Gefahr groß, dass das eine völlig verkrampfte Veranstaltung wird. So etwas passt nicht zum wilden Humor.

KP: Karneval ist ja traditionell das Ereignis, wo der Obrigkeit mal so richtig die Leviten gelesen werden. Gefällt Ihnen das?

Maier-Bode: Ich finde das gehört zur demokratischen Kultur. In der Demokratie muss man Wort und Bild frei nutzen können. Wie beim Karneval oder auch bei den Satiresendungen im Fernsehen. Das alles sind zum Teil gute Ergänzungen zum Meinungsbild. Eine Sendung wie ‚Die Anstalt‘ beispielsweise ermöglicht, dass die Leute hinter die Strukturen schauen können.

KP: Wenn Sie das so sehen, müsste Ihnen Till Eulenspiegel ziemlich sympathisch sein.

Maier-Bode: Sympathisch? Was Eulenspiegel macht, ist eher zweischneidig. Sein Humor ohne Rücksicht auf den Stand der Person hat für mich schon etwas mit unserer Aufklärung zu tun. Da schimmert die Freiheit von Humor durch. Aber er setzt mir zu sehr auf Schadenfreude. Für mich ist das keiner, mit dem ich gerne ein Bier trinken würde.

KP: Ist Humor wirklich frei?

Maier-Bode: Da muss man immer über Funktionen nachdenken. So einer wie Eulenspiegel kann als Typ unheimlich viel bewegen. Am Ende besteht aber die Gefahr, dass da ein großer Zyniker drinsteckt. Das interessiert mich nicht als Mensch. Ich bin überhaupt kein Zyniker. Ich gehe da eher mit Kurt Tucholsky, der war nicht nur Satiriker, sondern auch Moralist. Auch ‚Die Anstalt‘ finde ich toll. Da merkt man, die wollen was, die schmeißen sich voll rein. Ich mag auch Jan Böhmermann – da steckt ein großer demokratischer Geist hinter.

KP: Ist Eulenspiegel ein Zyniker?

Maier-Bode: Er ist zumindest verantwortungslos und kein Menschenfreund. In meinem Stück finden wir ihn zunächst als zeitgenössischen Grobian auf und machen ihn dann zu einem zeitlosen Modell, indem er lernt, Menschen zu lieben.

KP: Als zeitgenössischer Grobian ist Eulenspiegel in die Geschichte eingegangen. Einerseits – andererseits ist er womöglich eine äußert aktuelle Figur. Ich denke da an den hässlichen, brutalen und menschenfeindlichen Humor, der sich in den sozialen Medien Bahn bricht und der mit Donald Trump seine politische Verkörperung gefunden hat.

Maier-Bode: Ich würde vielleicht sagen, Trump ist ein zu Macht gekommener Eulenspiegel. Eulenspiegel funktioniert aber nur, wenn er keine Macht hat – weil er jemand ist, der Fragen stellt. Was den menschenfeindlichen Humor anbelangt, so ist festzuhalten, dass man Verantwortung für das eigene Wort – die eigene Sprache hat. Das fehlt Trump. Das fehlt auch Seehofer, wenn er verniedlichend vom ‚Asyltourismus‘ spricht. Der Eulenspiegel-Humor wiederum kann für Engstirnigkeit stehen, aber auch dafür, dass alle Menschen gleich sind. Wir wollen, dass er für letzteres steht.

KP: Womit wir bei Ihrer Arbeit wären. Wie ist es zu Ihrem Engagement für die Eulenspiegel-Festspiele gekommen?

Maier-Bode: Der Regisseur der letzten Festspiele – Dominik Pätzholdt – ist ein guter Freund von mir. Der hatte gegenüber Kurdirektor Jochen Buchholz meinen Namen erwähnt. Als Herr Buchholz mich dann fragte, ob ich mir ein Engagement vorstellen könnte, war ich sofort interessiert. Eulenspiegel ist für einen Satiriker einfach eine spannende Figur.

KP: Wie ging es dann weiter?

Maier-Bode: Als Nächstes habe ich dann die Leute vor Ort kennen gelernt. Ich stieß da auf einen netten und engagierten Haufen, der für Leben im Ort sorgen will.

KP: Sie haben dann nicht nur den Posten des Regisseurs übernommen. Sie haben auch noch das Stück „Im Rausch der Zeit“ selbst geschrieben…

Maier-Bode: Ja, wobei das Schreiben weniger ein Problem war als die Inszenierung. Weil ich auch noch so viel spiele, haben wir das Konstrukt mit Sascha Mey als Co-Regisseur entwickelt.

KP: Und funktioniert es?

Maier-Bode: Ich hatte Sascha Mey in Krefeld mal als Regie-Assistent erlebt, aber dass die Zusammenarbeit so gut sein würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Uns beide kann man vermutlich nachts wecken und wir geben auf Fragen zur Inszenierung dieselbe Antwort. Das ist wirklich ein Geschenk!

KP: Sascha Mey und Sie sind beide Profis. Bei den Eulenspiegel-Festspielen haben Sie es mit einem reinen Laienensemble zu tun. Wie bewerten Sie dessen Leistung?

Maier-Bode: Unsere Darsteller haben allesamt ein sehr hohes Niveau erreicht. Das Stück basiert auf einem schnellen Dialogtext, was eine große Herausforderung bedeutet, weil die Darsteller das Timing einhalten müssen. Und das tun sie.

KP: Teilweise tummeln sich mehr als 30 Leute auf der Bühne. Ganz schön schwer als Regisseur, aber auch als Zuschauer den Überblick zu behalten. War die große Besetzung von vornherein geplant?

Maier-Bode: Nein. Wir haben Anfang September ein Casting gemacht. Das war insofern auch sinnvoll, weil ich mich noch mitten im Schreibprozess befand. Das Casting lief dann so gut, dass wir dann fast alle Menschen mitgenommen haben.

KP: Herr Maier-Bode, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Weitere Links:

http://kulturportal-herzogtum.de/2018/08/13/nicht-tot-zu-kriegen/

http://kulturportal-herzogtum.de/2018/08/06/im-rausch-der-zeit/

 

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