Multimediale Grenzgeschichte(n) für die nächste Generation

Seit Anfang August ist der Umbau im Grenzhus Schlagsdorf abgeschlossen. Die Besucher dürfte es freuen: Sie bekommen eine moderne und höchsten Ansprüchen genügende Ausstellung zu Gesicht. Dabei punktet sie sowohl optisch als auch inhaltlich. Medienstationen mit Filmen sowie Schautafeln mit aussagekräftigen Bildern und Texten sind übersichtlich miteinander verzahnt. Diverse Zeitzeugen kommen zu Wort, es gibt Exponate und bewegte Bilder von der Grenzöffnung in Mustin.

„Ausgangspunkt für die Neugestaltung war uns die Frage“, sagt Grenzhus-Leiter Andreas Wagner, „wie führen wir die nächsten Generationen an das Thema heran? Wir müssen uns ja darauf einstellen, dass dann Leute kommen, die keine eigenen Erfahrungen mit der deutsch-deutschen Geschichte gemacht haben.“ Deshalb enthalte die Schau einen Prolog, der in diesen Teil der deutschen Vergangenheit einführt, und einen Epilog, der das Geschehene noch mal Revue passieren lässt und sich fragend der Gegenwart nähert: Welche Rolle spielen Grenzen in unserem heutigen Leben? „Bis 2013 war die politische Botschaft schließlich ein grenzenloses Europa“, erinnert Wagner. Dieser Blick auf Grenzen habe sich mittlerweile geändert. Plötzlich hätten Grenzen eine Schutzfunktion.

Doch bevor der Besucher in den Dialog mit dem Epilog tritt, durchläuft er die Ausstellungsräume, die inhaltlich in fünf verschiedene Schwerpunkte aufgeteilt sind. Darunter befindet sich auch das Thema „Natur und Grenze“. Die Einbettung der Natur in die Grenzgeschichte sei neu, so Wagner. Sichtbares Zeugnis sei das im Grenzgebiet entstandene „Grüne Band“.

Die weiteren Schwerpunkte, die dem Besucher chronologisch vermittelt werden, sind das Alltagsleben im Grenzraum, Grenze und Machtsicherung, die Durchlässigkeit und die Grenzöffnung.

Insgesamt mehr als eine Million Euro wurden in die Neugestaltung investiert. Unterschiedliche Fördergeber haben sich an der Finanzierung beteiligt: der Bund, das Land Mecklenburg-Vorpommern, die Europäische Union sowie die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Darüber hinaus haben Netzwerkpartner, Leihgeber und Archive zum Gelingen beigetragen.

Die Ausstellung, die den Titel „Eingrenzen und Ausgrenzen. Die Geschichte der innerdeutschen Grenze zwischen Ostsee und Elbe“ trägt, ist montags bis freitags in der Zeit von 10 bis 16.30 Uhr sowie sonnabends und sonntags zwischen 10 und 18 Uhr zugänglich. Weitere Infos gibt es unter www.grenzhus.de.

Foto: Grenzhus

Grenzhus-Leiter Andreas Wagner im Interview und Infos zu einer laufenden Ausstellung:

„Ich war vom Sozialismus überzeugt“

http://kulturportal-herzogtum.de/2018/08/20/heimat-ich-bin-ein-mensch-2/

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