Scherer-Bünting-Orgel wird renoviert

Nach jahrelanger Vorarbeit können die Restaurierungsarbeiten in der St. Nicolai-Kirche mit dem spektakulären Ausbau der historischen Scherer-Bünting-Orgel beginnen. Die Pfeifen und weitere Teile der Orgel werden zur Sanierung in die Werkstatt des renommierten Unternehmens „Flentrop Orgelbouw B.V.“ im niederländischen Zaandam transportiert. Der Ausbau dauert circa vier Wochen.

Rund zweieinhalb Jahre muss die Kirchengemeinde nun ohne ihre Orgel auskommen. „In dieser Zeit werden wir unsere Gottesdienste so gut es geht mit anderen Instrumenten, zum Beispiel der Truhenorgel, dem E-Piano begleiten. Die Lücke auf der Empore wird uns daran erinnern, dass nicht nur baulich noch einiges vor ihrer Rückkehr zu tun ist, sondern wir auch noch Hilfe von weiteren privaten Stiftungen und Personen benötigen, um die Finanzlücke von 250.000 Euro zu schließen. Wir werden unsere Orgel vermissen und freuen uns dann um so mehr, wenn sie neu erklingen wird“, so Pastor Matthias Lage. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,7 Millionen Euro.

„Wir wollen aber auch die Chance nutzen, unseren Gemeindegesang zu verstärken, indem wir einen „Gottesdienst-Chor“ ins Leben rufen, bei dem man sonntags ganz spontan mitmachen kann“, fügt Kantor Thimo Neumann hinzu, der ein allerletztes Mal die Orgel zum Abschied erklingen ließ.

Bei der Möllner Scherer-Bünting-Orgel handelt es sich um eine der wertvollsten Orgeln mit Pfeifen, die sogar zu den ältesten weltweit gehören. Manche der 2.731 Pfeifen stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert, der älteste Beleg ist ein Schriftstück aus dem Jahr 1436. Seitdem wurden diverse Erweiterungen, Umbauten und Restaurierungen vorgenommen, die wichtigsten im Zeitraum 1555 bis 1558 durch Jacob Scherer und von 1754 bis 1766 durch Christoph Julius Bünting. Von Jacob Scherer, dem Stammvater der gleichnamigen Orgelbauerdynastie, verfügt Mölln über mehrere fast komplette Register – das ist weltweit einzigartig. „Mich persönlich begeistert die enorme Klangvielfalt dieser Orgel, in der so viele musikalische Epochen harmonisch zusammenklingen.“, sagt Hartmut Ledeboer, Vorsitzender des Möllner-Orgelbauvereins.

In der Scherer-Bünting-Orgel findet sich eine enorme Vielfalt an Orgel-Epochen. Denn mit Hans Köster (1568) und Friedrich Stellwagen (1637–1641) haben weitere berühmte Orgelbauer in Mölln gewirkt und Pfeifen hinterlassen. Von C. J. Bünting stammt der prachtvolle Prospekt. Die Vielfalt der Epochen, die dieses Instrument vereint, ist herausragend und steht somit beispielhaft für die lange Tradition des Orgelbaus in Deutschland, der 2017 in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen worden ist.

Ziel der Restaurierung ist eine handwerklich meisterhafte Ausführung in Anlehnung an das historische Konzept C. J. Büntings. Mit der Firma Flentrop konnte eine traditionsreiche Orgelbaufirma verpflichtet werden, die weltweit Orgeln baut und viel Erfahrung und profundes Know-How in der Restaurierung norddeutscher Barockorgeln mitbringt.

Bemerkenswert ist das Orgelpfeifen-Patenschafts-Modell, das der Möllner Orgelbauverein ins Leben gerufen hat, um die derzeit bestehende Finanzierungslücke von rund 15 Prozent zu schließen. Die Spenderinnen und Spender unterstützen die Restaurierung einer bestimmten Orgelpfeife: Je nach Tonhöhe und Register werden dafür Beträge zwischen 20 und 2.500 Euro benötigt. Neben dem Erhalt einer Patenurkunde können sich die Spender auf der Patentafel in der St. Nicolai-Kirche namentlich eintragen lassen. Für Menschen, die sich diesem ganz besonderen Instrument verbunden fühlen, eine schöne Möglichkeit, sich zu „verewigen“.

„Ohne die Kirche gebe es den größten Teil dieser wunderschönen Stadt nicht“, sagt Hans Kuhlmann, Stadtführer in Mölln und Pfeifenpate aus Überzeugung. Er konnte auch seine Kollegen ins Boot holen und so wurden die gesamten Stadtführer Pfeifenpaten.

Wer helfen möchte, nutze bitte das Spendenkonto: Konto-Inhaber: Orgelbauverein St. Nicolai zu Mölln e. V., IBAN: DE34 5206 0410 0006 4351 49, Bank: Evangelische Bank eG, Verwendungszweck: Spende Orgel-Sanierung.

Text + Foto: Steffi Niemann

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