Spiel zwischen Fiktion und Wirklichkeit

Die Umkehrung des Spiels zwischen Fiktion und Wirklichkeit im Zeitalter der Digitalisierung betreibt der Künstler Harald Popp in der Ausstellung „Revisit“. Während die moderne Technik Menschen, Tiere und Dinge zunehmend perfekter nachahmt und abbildet, zeigt er Gegenstände, die digital wirken, es aber nicht sind. Die Bilderschau in der von der Stiftung Herzogtum Lauenburg initiierten Reihe „Künstliche Intelligenz“ wird am Donnerstag, 21. März, im Künstlerhaus Lauenburg von Landtagspräsident Klaus Schlie und Christiane Opitz, künstlerische Leiterin des Künstlerhauses Lauenburg, eröffnet. Los geht es um 19 Uhr.

Harald Popp sieht seine Arbeit als Vorstufe zur Künstlichen Intelligenz. „Mir geht es um die einfache Manipulierbarkeit von Bildern“, sagt der im bayerischen Illertissen geborene Künstler. „Ich frage mich, was das mit den Sehgewohnheiten der Menschen macht.“ Damit wolle er – das betont Popp – seiner Arbeit jedoch keine moralische Dimension geben. Manipulation sei nichts Neues. Es habe sie schon immer gegeben und sie sei schon immer ein politisches Instrument gewesen.

Und doch bereitet Popp die Gegenwart Kopfzerbrechen: Dass Manipulationen heute so selbstverständlich seien, räumt er ein, dass man keinem Bild mehr trauen könne, sei natürlich etwas anderes. Bilder seien damit keine Dokumente mehr. Jedes Kind könne sie heute schon manipulieren.

Vorsichtig optimistisch zeigt sich der Künstler, wenn es grundsätzlich um Künstliche Intelligenz geht. „Es kommt immer darauf an, was die Gesellschaft daraus macht“, sagt er. Super sei es, wenn dem Menschen dadurch Arbeit abgenommen werde. Problematisch würde es dann, wenn allein „die Großen die Nutznießer“ der technischen Entwicklung wären.

Veränderungen sieht er auch auf die Kunst zukommen. Irgendwann werde auch die Maschine kreativ werden, davon ist er überzeugt. So weit ist es aber noch nicht, weshalb in der Gegenwart menschliche Kunst, wie die von ihm ausgestellt wird. Popps Fotos, die als Plakate im Künstlerhaus Lauenburg aufgehängt sind, sind dort bis 7. April zu sehen. Mit der Schau löst Popp auch – zumindest ein Stück weit – ein Versprechen ein. In seiner Abschlusspräsentation im Oktober 2018 als Stipendiat des Künstlerhauses hatte er in einer Diashow Einblicke in sein „öffentliches Tagebuch“ gegeben, das auf den ersten Blick wie die Dokumentation einer Ausstellung im Außenraum anmutete. Tatsächlich handelte es sich diesmal wirklich um Montagen. Die Bilder spielten mit der Idee einer möglichen, einer potentiellen öffentlichen Ausstellung. Nun ist ein Bild dieser Reihe also tatsächlich im Stadtraum Lauenburgs zu sehen.


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