Pixelwesen & Eseleien

Die Augen machen was mit einem. Davon ist Christiane Leptien überzeugt. „Sie wirken sehr lebendig“, sagt sie. „Ich kann mit ihnen in Kontakt treten.“ Leptien hat ein „Display“ erstellt, auf dem die fleckigen Gesichter zweier Frauen abgebildet sind. „Displays“ sind für die Künstlerin all die Porträts, die sie für die Ausstellung „Wohl und Wehe der Künstlichen Intelligenz“ gemalt hat. Diese Bilder sowie Werke des Malers Jürgen Neumann sind ab Donnerstag, 28. März, im Möllner Stadthauptmannshof zu sehen.

Bei den Flecken in den Gesichtern des Leptien-Bildes handelt es sich um herausgebrochene Pixel. Herausgefallen aus der Physiognomie menschenähnlicher Wesen, bilden sie einen Haufen bunter Würfel. Die Malerin hat in diesem Bild ihr Unbehagen über die Künstliche Intelligenz hineingelegt – auch wenn für sie vieles von dem, was da erfunden und genutzt werde, etwa in der Medizin oder der Pflege, Sinn mache. Leptien treibt die Sorge um, dass das „Empathische auf der Strecke“ bleiben könnte.

Dies spiegelt sich in der Funktion wider, die sie ihren „Displays“ zuordnet. Die Malerin stellt sich vor, dass sich ihre Pixelwesen – Künstliche Intelligenz sei Dank – aus dem Internet herunterladen lassen. Wer sich einsam fühlt und einen Zuhörer oder gar einen Freund benötige, könne sich einfach per Mausklick bedienen. Dass Pixelwesen oder gar Roboter diese Rolle eines Tages tatsächlich einnehmen könnten, hält sie durchaus für möglich.

Ihre kritische Haltung lässt sich nicht so ohne Weiteres allein aus dem Bild herauslesen. Man ahnt nur: Hier stimmt etwas nicht, aber das, was da nicht stimmt, bleibt im Ungefähren. Ganz anders sieht es da bei Jürgen Neumann aus. Der Maler, der ein Faible für Satire hat, bringt mal eben einen Roboter mit Eselskopf zu Papier und tauft das Bild „Natürliche Dummheit erzeugt KI“. Er habe die Stimmen von einigen Experten im Ohr, erklärt er seine drastische Sprache. Diese würde übereinstimmend sagen: „Wenn wir nicht an einigen Stellen Regeln einführen, kann das langfristig zur Abschaffung der Menschheit führen.“ Dass diese Regeln kommen, erscheint ihm alles andere als sicher.

Neumann erinnert an die jüngst gescheiterte CCW-Konferenz*, bei der sich die Teilnehmer nicht auf das Verbot autonomer Waffen einigen konnten. Dieses Beispiel sei nur die Spitze des Eisbergs, so der Maler. Das Problem seiin vielen Fällen die Logik, die hinter der Uneinigkeit stecke: „Wenn wir da nicht mitziehen, fallen wir im Wettbewerb zurück.“

Die Konsequenz ist aus Sicht von Neumann womöglich, dass die Welt eines Tages von Robotern regiert wird. Damit diese Eselei nicht Wirklichkeit wird, hat er sich der Satire bedient. „Bei meinen künstlerischen Mitteln bin ich altmodisch“, erklärt er. „Mich reizt es, mit traditionellen Mitteln hochaktuelle Themen zu bearbeiten.“

*Convention on Certain Conventional Weapons

„Wohl und Wehe der Künstlichen Intelligenz“, Ausstellung, 28. März bis 14. Juni, Herrenhaus, Stadthauptmannshof, Hauptstraße 150, Mölln, Besichtigungstermine nach Vereinbarung, Tel. 04542-87000

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