„Collegium Frisia Vocalis“ spielt „Stabat Mater“

Auf ein hochkarätiges Passionskonzert dürfen sich am Sonnabend, 20. April, die Besucher der Schwarzenbeker St. Franziskus-Kirche freuen. Mit dem „Collegium Frisia Vocalis“ spielt dort ab 18 Uhr ein junges, professionelles Ensemble.

Die Musiker fühlen sich der lebhaften als auch historisch informierten Aufführungspraxis barocker Werke verpflichtet. „Collegium Frisia Vocalis“ sind Charlotte Reese (Sopran), Carmen Bangert (Mezzosopran), Keno Brandt (Bass und Leitung), Oliver Schmidt (Orgelpositiv), Fernando Olivas (Laute); Jonas Rölleke (Violine), Natalie Bolinski (Violine), Raphael Tietz (Viola) und Frieder Ziemendorf (Violoncello).

Im Jahre 2018 jährte sich der Beginn des Dreißigjährigen Krieges zum 400. Mal. Als musikalisches Mahnmal für dessen Opfer werden in diesem besonderen Passionskonzert Motetten aus der Geistlichen Chormusik von Heinrich Schütz (1585-1672) in Kantoreipraxis erklingen. Schütz veröffentlichte diese Kompositionen 1648, dem Jahr also, als in Münster der Westfälische Frieden geschlossen wurde.

Im Mittelpunkt des Konzertes steht allerdings das „Stabat Mater“ von Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736). Dem Text dieses Werkes liegt das mittelalterliche Gedicht über die Gottesmutter zu Grunde, die ihren gekreuzigten Sohn beweint.

Der oben genannte Begriff „Kantoreipraxis“ beschreibt eine Art der Aufführung von mehrstimmigen Vokalkompositionen, in dem einige Stimmen nach Bedarf von Instrumenten gespielt werden, weil es an Sängerinnen und Sängern mangelt. Die vielen Toten – die Bevölkerung auf dem Gebiet des Deutschen Reichs schrumpfte während des Dreißigjährigen Krieges um rund ein Drittel – machten ein solches Vorgehen notwendig. Es war oft einfach nicht mehr möglich, einen Chor mit ausreichend Sängern zu besetzen.

Dem Krieg fiel rund ein Drittel der Bevölkerung des Deutschen Reichs zum Opfer. Besonders hoch war der Blutzoll überall dort, wo die Armeen durchzogen oder lagerten. Um seine Werke trotzdem aufführen zu können, schlug der Komponist Schütz vor, fehlende Stimmen mit Instrumenten zu ersetzen. Diese tragischen Auswirkungen kriegerischer Konflikte möchte das „Collegium Frisia Vocalis“ akustisch direkt erlebbar zu machen. Deshalb spielt es drei fünfstimmige Motetten aus der Geistlichen Chor-Music in eben dieser später so genannten Kantoreipraxis, also mit drei Sängern und einem Instrumentalensemble.

Als Zeichen der Versöhnung zwischen den Konfessionen bis in die heutige Zeit steht im Zentrum des Programmes die katholische Passionskantate „Stabat Mater“ von Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736). Eingerahmt wird das katholische Werk von den protestantischen Kantaten „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir“ von Gottfried Heinrich Stölzel (1690-1749) und „Jesu, meine Freude“ von Dieterich Buxtehude (1637-1707). Es spricht einiges dafür, dass Johann Sebastian Bach diese Kantate kannte, war er doch, lange bevor er Thomaskantor in Leipzig wurde, den weiten Weg von Arnstadt nach Lübeck zu Fuß gelaufen, um dort Meister Buxtehude „zu belauschen“ und von ihm zu lernen.

Passionskonzert mit dem „Collegium Frisia Vocalis“, 20. April, St. Franziskus-Kirche, Compestraße 4, Schwarzenbek, 18 Uhr

Print Friendly, PDF & Email