Auf die Köder kommt es an

Damit die Leute anbeißen, braucht es die richtigen Köder. Thorsten Börnsen weiß das nur zu gut. Der Leiter des Zentrums für Niederdeutsch in Holstein (ZfN) hat deshalb den Musikwettstreit „Plattbeats“ aus der Taufe gehoben und zuletzt zwei Videos mit niederländischen und deutschen Musikern gedreht. Das Ziel: Junge Menschen für die niederdeutsche Sprache zu gewinnen.

Es sind Aktionen wie diese, die das Motto „Jugend hett Vörfohrt“, das sich das ZfN auf die Fahnen geschrieben hat, widerspiegeln. Dahinter stecken Einsicht und Gewissheit, dass – wenn die jungen Leute das Niederdeutsche nicht mehr lernen – die Sprache dem Untergang geweiht ist.

Die Strategie, über Jugendkulturarbeit stärker an die jungen Leute heranzurücken, verfolge das ZNF schon länger, so Börnsen. Plattbeats beispielsweise sei schon im vergangenen Jahr gelaufen. Unterstützung dabei bekommt er aktuell von Florian Klein, der mit seiner Band „About Blank“ 2018 bei Plattbeats vertreten war. „Florian hat den Wettbewerb dieses Jahr vorgestellt. Mir ist es wichtig, dass jemand das macht, der das auch ausfüllt.“

Neben Plattbeats und dem oben erwähnten Imagefilm setzt Börnsen auf Tutorials – also auf Plattdüütschunterricht über Videos – und auf plattdüütsche Videospiele. Zudem möchte er Brücken zwischen Jung und Alt schlagen und damit – wenn möglich – für eine neue Dynamik sorgen. Zum traditionellen Autorentreffen am 11. Mai im Möllner Stadthauptmannshof werden erstmals ein Rapper und ein Poetry-Slammer ihre niederdeutschen Texte vortragen.

Aber reichen solche Maßnahmen, um das Niederdeutsche am Leben zu halten? Nein, meint Börnsen. Auf keinen Fall. Sein Angebot sei allerdings ein wichtiger Baustein für den Erfolg. Damit es junge Leute auch reizt, die Sprache zu lernen, müsse es etwas geben, mit dem sie sich identifizieren können.

Gelernt werden müsse die Sprache an den Schulen. In Schleswig-Holstein sind es derzeit 40, die Niederdeutschunterricht anbieten. „Wir sind da auf einem guten Weg“, sagt Börnsen. Er sei davon überzeugt, dass weitere Schulen folgen werden. Derzeit erhalten die Kinder von der 1. bis zur 4. Klasse wöchentlich zwei Stunden Unterricht. Ziel müsse es sein, dass es danach in der Sekundarstufe möglichst flächendeckend weitergehen könne. „Ich bin mir sicher“, sagt Börnsen, „dass wir am Ende ein plattdeutsches Abitur haben werden.“

Foto: Florian Klein

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