Die Ottonen

Unter dem Titel „Die Ottonen – die ersten Deutschen auf dem römischen Kaiserthron“ lädtam Dienstag, 21. Mai, Lothar Obst zu einem Vortrag in den Stadthauptmannshof ein. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Im Jahre 919 wird der Sachsenherzog Heinrich aus dem ausflussreichen Geschlecht der Liudolfinger in Fritzlar zum König des fränkischen Ostreiches, „in regno teutonicorum“, gewählt. Der Legende nach überbrachte ihm eine Delegation der Stämme unter Führung von Eberhard von Franken die Reichskleinodien, als er am Quedlinburger Finkenherd beim Vogelfang saß. Mit der Thronerhebung Heinrichs verbindet sich die Gründung des ersten deutschen Staates. Ihm gelang, was sein Vorgänger Konrad nicht durchsetzen konnte: Die Autonomiebestrebungen der Stammesherzöge erfolgreich zu bekämpfen und der äußeren Bedrohung durch die Ungarn-Einfälle Herr zu werden. Doch Heinrich blieb bescheiden, lehnte die Salbung der Kirche ab und ließ die Geschichte wissen: „Es genügt mir, wenn sie mich vor meinen Ahnen König nennen.“

Ganz anders hingegen war sein Sohn Otto I., dem die Geschichte den Beinamen „der Große“ verlieh: 936 lässt er sich in einer sorgfältig inszenierten Zeremonie über dem Grabe Karls des Großen in der Aachener Pfalzkapelle zum König krönen und nimmt auf diesem dem des Salomon ähnlichen Kaiserthrons Platz. Die „Renovatio imperii romanorum“, die Wiederherstellung des römischen Weltreiches unter der legitimierten Herrschaft der deutschen Könige als römische Kaiser in ihrer Funktion als Nachfolger der Cäsaren war fortan sein politisches Programm in der Traditionslinie von Karolingern und Römern.

„Ego Otto dei gratia romanorum imperator augustus“ – ich, Otto, von Gottes Gnaden erhabener Kaiser und Augustus der Römer – heißt es schließlich in den Urkunden des dritten der Ottonen. Er war der theokratischen Reichsidee Karls des Großen, dem Gottesgnadentum des Kaiserreiches, stark zugeneigt, war eine strahlende Erscheinung und beherrschte drei Sprachen, Deutsch, Griechisch und Latein. In der Philosophie war er ebenso zuhause wie in der Mathematik, schrieb Gedichte, liebte die Musik, war den Gelehrten im Disput gewachsen und schließlich so umfassend gebildet, dass ihn noch seine Zeitgenossen als „mirabilia mundi“, als „das Wunder der Welt“, bezeichneten.

Auf dem römischen Palatin, dem vornehmsten der sieben Hügel der Tiberstadt, errichtete er sich einen Palast und machte Rom zur kaiserlichen Residenzstadt.

Print Friendly, PDF & Email