Zeit der klanglichen und visuellen Verführungen

Noch bis zum 11. August ist im Künstlerhaus Lauenburg eine Ausstellung zu sehen, in der Künstler der 33. Stipendiatengeneration Arbeiten präsentieren. Fumiko Kikuchi, Sophia Mainka und Lucia Sotnikova zeigen bildende Kunst und die Literaturstipendiatin stellt ihren Text „Der Körperflüssigkeit angepasste Salzlösung“ vor. Zudem widmet sich die Komponistin Farzia Fallah dem Sound der Sperlinge.

Um den Körper geht es in der Videoinstallation „fit“ von Sophia Mainka. Die Künstlerin tritt hier selbst als Protagonistin in Erscheinung. Während sie leicht verschwitzt im Trainingsoutfit posiert, gleiten ihre Gedanken immer wieder in eine Welt zwischen Natur und deren Entfremdung ab, unterlegt mit einer sehnsuchtsvollen Melodie. Dabei versteht die Künstlerin den Begriff Sehn-Sucht als ein Paradox: ein Streben, dessen Erfüllung unmöglich scheint und im Extremfall zerstörerische Züge annehmen kann.

Das Verhältnis von Mensch und Natur, Nähe und Distanz, Innen und Außen sind Aspekte, die auch Farzia Fallahin ihren Kompositionen untersucht. Die Besorgnis der Sperlinge, ein immaterieller Zustand der nicht zu fassen ist, wird mittels klanglicher Experimente von Blockflöte und Elektronik erforscht.

Sich berührende Hände, die rot eingefärbt aus dem Dunkel hervortreten geben der Fotografie von Lucia Sotnikovaeine verführerisch, sinnliche Wirkung („Commercial Blackout“, 2013-2019). Der Hochglanzabzug, der eigens für die Ausstellung entstanden ist, geht auf einen kleinformatigen Fehlabzug zurück, den die Künstlerin nach sechs Jahren aus ihrem Archiv ausgewählt hat. Durch die starke Vergrößerung werden Zeitspuren wie Staub, Kratzer oder Fingerabdrücke deutlich sichtbar. Die Arbeit lädt den Betrachter ein sich zu vertiefen, die Oberfläche nach Details abzusuchen.

Im Keller des Künstlerhauses zeigt Fumiko Kikuchidie dokumentarische Drei-Kanal-Videoinstallation „Glück auf“ (2018). Ausgehend von der Tätigkeit ihres Großvaters als Bergmann in Japan und ihrem eigenen Aufenthalt in Deutschland, untersucht sie die Geschichte japanischer Bergleute als Gastarbeiter im Ruhrgebiet zwischen den Jahren 1957 bis 1965. Dabei hinterfragt Fumiko Kikuchi einerseits das begriffliche Verständnis des Wortes „Gastarbeiter“ sowie ihre eigene unmittelbar bevorstehende Zukunft: Wird sie in Deutschland bleiben oder nach Japan zurückkehren? Aus vier unterschiedlichen Perspektivenverschiedener Generationen, beleuchtet sie deren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die Literaturstipendiatin Nina Bussmann widmet sich in ihrer essayistischen Erzählung „Der Körperflüssigkeit angepasste Salzlösung“ einer Liebesgeschichte mit Erfahrungsberichten von Schönheits-OP-Patientinnen.

Erstpräsentation der 33. Stipendiatengeneration, Ausstellung, 17. Juni bis 11. August, Künstlerhaus Lauenburg, Elbstraße 54, Lauenburg