Die Entdeckung des Vielfalt

Afghanistan? Richtig, dass ist das Land, das sich seit Jahrzehnten im Bürgerkrieg befindet. Das Land, in dem seit 2001 deutsche Truppen stationiert sind, um die Zivilgesellschaft und den Aufbau der Demokratie zu unterstützen und die Macht der Taliban zu durchbrechen.

Niemals würden Muhammad Munadoghli, Nadera Nazari und Hassan Mohammadi etwas anderes behaupten. Doch es wurmt sie, dass ihr Heimatland in der Öffentlichkeit darauf reduziert wird. Den Afghanischen Ländertag der Möllner Willkommenskultur, der am Sonnabend, 31. August, in der Alten Lohgerberei auf dem Programm steht, will das Trio nutzen, um das Bild um ein paar schöne Facetten zu ergänzen. Mit Hilfe von Fotos beispielsweise, die sie aktuell noch sammeln.

Klar ist schon jetzt, dass Nadera Nazari ein Gericht mit Fleisch, Reis, Rosinen und Mandeln kochen wird. Hungern dürfte am 31. August also niemand. Muhammad Munadoghli wird über einen Steckbrief von sich und seiner Geschichte erzählen. Schautafeln sind geplant. Außerdem sollen die 34 Provinzen und Volksstämme des Landes vorgestellt werden.

„Es geht voran“, sieht Cornelia Thorhauer von der Möllner Willkommenskultur die Community auf einen guten Weg. „Das wird wie unser syrischer Ländertag im vergangenen Jahr wieder ein bunter Nachmittag“. Zusammen mit ihrem Kollegen Günther Kramm unterstützt sie die Afghanen bei der Organisation.

Ein ganz anderes Kaliber ist für sie die Unterbringung der Menschen auf dem Arbeitsmarkt. „Jetzt heißt es in die Berufe zu kommen“, meint Cornelia Thorhauer. Das Problem sei, dass die meisten Flüchtlinge in Helfertätigkeiten vermittelt werden. Dabei müsse es das Ziel sein, ergänzt Günther Kramm, „die Leute in vernünftige Jobs zu kriegen, damit sie auf eigenen Füßen stehen können“.

Im Falle von Muhammad Munadoghli gestaltet sich eine Vermittlung aber auch von Haus aus schwierig. Er war Analphabet, als er aus Afghanistan nach Deutschland kam. Der 30-Jährige spricht kaum Deutsch. Da rücken andere Eigenschaften wie Fleiß, Zuverlässigkeit und Aufgeschlossenheit in den Hintergrund. Günther Kramm hofft, dass er vielleicht eine verlängerte Ausbildung zum Tischler machen kann. Manchmal gebe Unternehmer, die einer doppelten – also sechsjährigen – Ausbildungszeit zustimmen würden.

Auch Nadera Nazari hat noch mit der deutschen Sprache zu kämpfen. Um einen wichtigen Schritt in Richtung berufliche Zukunft zu machen, besucht sie aktuell einen Deutschkurs. Wesentlich weiter ist dagegen Hassan Mohammadi: Er fängt im Oktober eine dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger an.

Afghanischer Ländertag, 31. August, Begegnungsstätte, Alte Lohgerberei, Bahide-Arslan-Gang, Mölln, 15 Uhr