Grenzregime vor dem Fall

Die Tourist-Information Ratzeburg, das Stadtarchiv Ratzeburg und das Grenzhus Schlagsdorf laden am Sonnabend, 15. Juli, zu einer Fahrradgrenztour. Foto: Hüfner

Man hat das schon so oft erlebt: Dinge, die stabil und sicher wirken, entpuppen sich als morsch und kurz vor dem Zusammenbruch, ohne dass irgendjemand von der sich anbahnenden Katastrophe Notiz nimmt. Die Brücke von Genua ist ein gutes Beispiel dafür. Aber diese menschliche Neigung zur Kurzsichtigkeit betrifft nicht nur architektonische Fundamente, sie betrifft auch die Politik. Wer konnte sich beispielsweise Ende der 80er Jahre vorstellen, dass die DDR schon bald Geschichte sein würde? Ökonomisch und politisch wirkte das Land viel zu stabil. Der Fall der Mauer? Undenkbar.

Die Geschichte belehrte uns eines Besseren. Am 9. November jährt sich der „Einsturz“ der Mauer und damit der Anfang vom Ende der DDR zum 30. Mal. Aus diesem Anlass widmet sich die Stiftung Herzogtum Lauenburg diesem Ereignis mit mehreren Veranstaltungen. Unter dem Motto „30 Jahre Grenzöffnung“ setzt sie sich unter anderem mit dem harten Grenzregiment der DDR auseinander, dem auch der Kreis Herzogtum Lauenburg in unmittelbarer Nachbarschaft ausgesetzt war. Auf dem 86 Kilometer langen Grenzabschnitt blickten die Menschen der Region auf Wachtürme, Zäune und Selbstschussanlagen.

Wer hier oder andernorts versuchte die DDR zu verlassen, musste mit dem Schlimmsten rechnen. Viele bezahlten ihren Fluchtversuch mit dem Leben. Über die Schicksale der Republikflüchtlinge an der Grenze zum Kreis referiert die Historikerin Dr. Sandra Pingel-Schliemann am Freitag, 25. Oktober, im Kreismuseum Ratzeburg. Am Tag darauf bietet Lothar Obst eine Busfahrt zu den Fluchtorten an der früheren Grenze an.

Anmeldungen für die Exkursion nimmt die Stiftung Herzogtum Lauenburg unter Tel. 04542-87000 oder per Mail unter info@stiftung-herzogtum.de entgegen.

„Fluchten und Opfer an der Grenze zum Kreis“, Vortrag, 25. Oktober, Rokokosaal, Kreismuseum, Domhof 12, Ratzeburg, 19.30 Uhr, freier Eintritt

„Busfahrt zu Fluchtorten an der früheren Grenze“, Exkursion, 26. Oktober. Abfahrt Mölln: Quellenhof (8 Uhr), ZOB (8.15 Uhr). Abfahrt Ratzeburg: Marktplatz (8.45 Uhr)