„Till auf schelmischer Mission“

Erfolgreiche Premiere der Eulenspiegel-Festspiele 2015. Unter der Regie von Dominik Paetzholdt zeigte das Ensemble, in dem Amateur- und Profischauspieler agierten, eine geschlossene Leistung.

Mölln – Die Premiere stand unter einem guten Stern: Freundliches Hochsommerwetter und ein Ensemble, sprühend vor guter Laune, verhalfen dem Freiluft-Spektakel zur Punktlandung mit dem Stück  „Till auf schelmischer Mission“ (Autoren Frank Voigtmann und Robert Schmiedel). Das Premieren-Publikum (unter den Gästen sah man den Kreispräsidenten Meinhard Füllner, Bürgermeister und Bürgervorsteher, Landtagsabgeordnete und Wolfgang Engelmann, Vizepräsident der Stiftung Herzogtum Lauenburg) zeigte sich begeistert. Möllns Bürgermeister Jan Wiegels sprach vor der Aufführung von einem großen Gewinn für die idyllische, kleine Stadt im Herzen des Kreises, die durch ihre Symbolfigur Till Eulenspiegel, berühmt wurde. Er dankte den Sponsoren für die tatkräftige Unterstützung.

Lässt man die knapp 30 Jahre Festspiel-Aktionen Revue passieren, so gab es stets Parallelen in den von wechselnden Autoren geschriebenen Stücken. Der Narr musste im Mittelpunkt stehen, die mittelalterliche Atmosphäre gehörte dazu, der Marktplatz als historischer und magischer Ort, diente als Naturbühne. So war es keine Überraschung, dass Regisseur Paetzholdt auch in der aktuellen Inszenierung bekannte Komponenten zu einem neuen Werk mixte: Till agierte mit derben Späßen, es gab das Volk, Soldaten, ein Liebespaar, einen Bürgermeister… und doch – diese Inszenierung hatte etwas Frisches: Lag es nun an dem variantenreichen Spiel der fünf Haupt-Akteure, die ausgesprochen munter und sicher agierten, oder doch am modernen Plot der über weite Strecken (vor allem bis zur Pause) überzeugen konnte?

In einer Zeitreise zwischen Eulenspiegels Tod und seiner Auferstehung 600 Jahre später, ließ der Regisseur seine Truppe in markanten Bildern, mit überraschenden Requisiten (Mopeds knatterten über das Kopfsteinpflaster und ein DRK-Rettungswagen kam zum Einsatz) die Naturbühne füllen. War im ersten Bild noch ein „mittelalterlicher“ Trauerzug mit Tills Sarg zu sehen, gab es sofort rasante Wechsel in die Gegenwart. Dieser temporeiche, gut gegliederte und kraftvolle Auftakt, war genau das, was Open-Air-Theater so reizvoll macht: Kunterbunte Aktion, gute Musik, professionelle Licht- und Ton-Technik und ein amüsantes Fest für die Sinne.

Mittendrin – Mario Schäfer. Der „hauptamtliche“ Möllner Narr, der seit vielen Jahren zum Stamm der Amateurtheatergruppe „Eulenspiegelaien“ gehört, war grandios in seiner Spielfreude, in seinem sicheren Auftreten, seinen Qualitäten als Solo- und Chorsänger sowie seiner Bühnenpräsenz. Was für ein großes Glück, diesen charmanten Mimen erneut auf der Festspielbühne zu sehen.

Gemeinsam mit dem Bürgermeister, gespielt von Jörn Bansemer, der seine Rolle quirlig und durchgängig glaubwürdig angelegt hatte und auch in den temporeichen Szenen sicher agierte, war Gundula Thiele zu sehen. Die „Sekretärin des Bürgermeisters“ überzeugte mit facettenreichen und witzigem Spiel. Sie sang und tanzte gekonnt als Frau Jensen und war auch in den weiteren Rollen sehr präsent.
Liebreizend und mit komödiantischem Flair, stattete Melanie Klein ihre Rolle als pfiffige Journalistin Chantal aus. Fröhlich über die Bühne stöckelnd und mit weiblichen Attributen nicht sparend, becircte sie den Bürgermeister gekonnt. Neben diesen vier Amateurschauspielern, die in der Region bekannt sind und teilweise seit Jahren in Theatergruppen sehr erfolgreich spielen, hatte Regisseur Paetzholdt eine Mimin aus dem Profibereich engagiert: Angela Schlabinger trat selbstbewusst als Professorin Conradi auf. Um ihre medizinischen „Experimente“ und ihrer damit verbundenen medialen Ausrichtung herum, entwickelte sich die Geschichte um den Till, der aus dem Mittelalter in die Gegenwart gebeamt wurde. Im schwarzen, körperbetonten Outfit, schneidig und federnd, machte Schlabinger eine gute Figur. Nach der Pause verwischte das positive Bild, denn in einer unförmigen Pseudo-Ritterrüstung hatte sie wenig Chance, ihr schauspielerisches Profil zu zeigen.

Das weitere Ensemble zeigte sich spielfreudig und war mit Doppelrollen fast immer im Einsatz. Showeinlagen gab es mit knisterndem Feuerzauber (Gordon von Lennfei) und einem fetzigen Tanz (Katja Lüdke). Dafür erhielt die Mimin verdienten Szenenapplaus, der sonst am Premierenabend eher sparsam gespendet wurde…

Das Bühnenbild (Hannah Hamburger) war einfach aber wirkungsvoll gebaut worden. Die Kostüme (der Theater-Fundus des Theaters im Stall aus Neu-Horst hatte kollegial ausgeholfen) passten zur Szenerie. Musikalisch überzeugte ein flottes Trio, das sehr zum Gelingen des Spektakels beitrug: Ben Kropp, Tom Oswin Friedländer und Timo Riegelsberger begleiteten das Stück heftig variierend zwischen Folk, Pop und flotten mittelalterlichen Klängen. Produzent des Stücks ist Möllns Kurdirektor Jochen Buchholz.

Zum Stück: Die diesjährige Geschichte erzählt davon, dass im düsteren Mittelalter Till Eulenspiegel in Mölln verstarb und der beliebte Volksnarr seit dieser Zeit in Mölln stehend begraben liegt. Glühbirne, Fernrohr und Wecker waren zu dieser Zeit noch nicht entdeckt und auch die geliebte Kartoffel trat ihren kulinarischen Siegeszug erst viel später in Europa an. In der komödiantischen Inszenierung gelingt es einem egozentrischen Professor nach über 660 Jahren Till Eulenspiegel wieder zum Leben zu erwecken – eine bahnbrechende Sensation, doch wie reagiert der Eulenspiegel nach seinem Tiefschlaf auf Fernseher, Smartphones & Co. Die Möllner wollen ihren Till nicht gefährden und treffen einen folgenschweren Entschluss: Sie lassen das mittelalterliche Mölln aufleben und leben selbst wie im Jahr 1350. So wirft sich der Bürgermeister in ein historisches Gewand, Journalisten verkleiden sich als Bettler, um beste Fotos zu erhaschen und eine Bankangestellte verwandelt sich in eine Wahrsagerin.

Open-Air Inszenierung mit dem berühmten Narren im August 2015 auf dem historischen Marktplatz Mölln!
Marktplatz Mölln, 06.08.-23.08.2015 20:30 Uhr, VVK 29,50 /34,50 /49,50 Euro