"Auf der richtigen Seite des Zauns"

Junge Menschen aus Ratzeburg, Mölln und der Welt begegnen sich im Jugendtheaterprojekt der VHS-Ratzeburg zum Thema "Flucht und Asyl".

(gh) Ratzeburg –  Jugendliche aus Ratzeburg und Mölln spielen im Rahmen eines Jugendtheaterprojekts der Volkshochschule Ratzeburg zusammen ein hochaktuelles Stück: Es ghet um Frieden und Krieg, Sicherheit und Angst, Arm und Reich sowie Hoffnung und Verzweiflung.Unterschiedliche Perspektiven zum Thema Migration, Flucht und Asyl in Europa wurden dabei in den Fokus genommen.
Die Szenen des Stückes "Auf der richtigen Seite des Zauns" sind inzwischen soweit gediehen, dass die Jugendtheatergruppe der Ratzeburger Volkshochschule eine erste Aufführung am 28. September in der Aula Lauenburgischen Gelehrtenschule als schulinterne Veranstaltung plant, um sich dann, am "Tag des Flüchtlings", den 02. Oktober 2015 um 19:00 Uhr, am gleichen Ort der allgemeinen Öffentlichkeit zu präsentieren.
Gründe, Umstände und Geschichten von Flucht wurden zusammengetragen, die Situation von Flüchtlingen in einer Sammelunterkunft und vor Ort erkundet, die Ausländerbehörde besucht, der rechtliche Rahmen von Asyl und dessen Ausführung in Deutschland diskutiert oder das Kirchenasyl kennengelernt. Ebenso standen die Bemühungen der Flüchtlinge im Fokus, in Deutschland Fuß zu fassen, ihren Weg im vielgliedrigen Asylsystem zu finden, die Sprache zu lernen, vielfach unterstützt durch ehrenamtliche Flüchtlingsinitiativen, durchaus aber auch konfrontiert mit Angst, Ablehnung und Vorurteilen.
 
Aus all diesen gesammelten Eindrücken und Informationen wurde von den Jugendlichen im Rahmen eines einwöchigen Theaterworkshops, unter der Leitung der Kieler Theaterpädagogin Nadeshda Gerdt,  Motive für mögliche Szenen für ein Drehbuch diskutiert, im darstellenden Spiel ausprobiert und bewertet. Beteiligt an diesem kreativen Prozess waren zehn junge Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea, die sich spontan bereit erklärt hatten, der Jugendgruppe dabei zu helfen und für die in der Folge das Theaterspiel zu einmaligen persönlichen Erfahrung wurde. Trotz bestehender Sprachbarrieren, die durch Übersetzungsleistungen fortgeschrittener syrischer Sprachschüler der Volkshochschule immer wieder überwunden werden konnten, konnten so die gesammelten Eindrücke gemeinsam in einer neuen Perspektive erfahren werden, eine sehr intensive Erfahrung, die schließlich zu einem gemeinsamen Stück und einer gemeinsam auftretenden Theatergruppe führte. Im Verlauf der Proben stießen weitere Flüchtlinge hinzu, zum Teil auch nur, um die Gruppe mit einem syrischem Mittagessen zu unterstützen und neugierig die Theaterarbeit zu verfolgen, die sich schnell herumgesprochen hatte.
Der Eintritt zu dieser Aufführung ist frei, Spenden werden aber erbeten, da die multinationale Theatergruppe sehr gerne ihre gemeinsame Arbeit fortsetzen möchte, um weitere Szenen aus der großen Materialfülle der gesammelten Eindrücke zu entwickeln und natürlich weitere Auftritte bestreiten zu können.
 
„Von der Fülle der gesammelten Informationen bis hin zu dem jetzt entstehenden Theaterstück hat mich die Arbeit und das große Engagement der Jugendlichen und auch der jungen Flüchtlinge tief beeindruckt. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir dieses Projekt fortsetzen könnten “, sagte Silvia Tessmer, Geschäftsführerin des Volkshochschule Ratzeburg.
Das Ratzeburger Theaterprojekt wird gefördert durch Deutschen Volkhochschul-Verband aus den Mittel des Kinder und Jugendplanes des Bundes (KJP), die vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend bereitgestellt werden und ist eines von bundesweit 5 Modellstandorte für die außerschulische politische Jugendbildung.