Seltene „Blüte“ der Verehrung

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh hat ein „einzigartiges Objekt der Bismarck-Verehrung“ erworben: einen Schrein für eine Schreibfeder des Eisernen Kanzlers. Gefertigt hat den Altar der Lederkunsthandwerker Georg Hulbe. Eine Spende des Bismarck-Fördervereins ermöglichte den Ankauf.

Friedrichsruh – Der Schöpfer des Klappaltars war der Buchbinder und Leder-Kunsthandweker Georg Ernst Friedrich Hulbe (1851-1917) aus Kiel, ein seinerzeit hoch angesehener Lederspezialist. Nach einer Buchbinderlehre eröffnete er 1876 eine eigene Werkstatt, 1880 zog er nach Hamburg, wo er ebenfalls eine Buchbinderei betrieb. Seine besondere Aufmerksamkeit widmete Hulbe dem Lederschnitt, dessen althergebrachte Tradition er erfolgreich erneuerte. 1895 erhielt er den Auftrag, sämtliche Lederstühle und Ledertapeten des Berliner Reichstags und danach des Hamburger Rathauses herzustellen. Hulbe hatte Verkaufsstellen in Hamburg, Frankfurt und Berlin. Neben Möbeln und Tapeten aus Leder fertigte er auch Schreibmappen, Paravents und Schatullen.
Den nun im Sachsenwald gelandeten mittelalterlich stilisierten Klappaltar aus Eichenholz schuf Hulbe für die Aufbewahrung einer Schreibfeder Otto von Bismarcks, für dessen Familie er bereits einen Stammbaum hergestellt hatte. Die Maße des zugeklappten Schreins betragen 52 x 27,5 x 2,5 cm. Auf der Vorderseite weist er geritztes und geprägtes Leder mit partieller Vergoldung und Eisenbeschlägen auf, oben befindet sich eine Bronzemedaille mit Bismarcks Profil im Relief und der Aufschrift „Fürst Otto Bismarck Schönhausen“. Links ist Bismarcks Geburtshaus in Schönhausen, rechts das Schloss Friedrichsruh zu sehen. Den unteren Bereich schmückt vergoldetes Eichenlaub mit dem Familienmotto „In Trinitate Robur“ (In der Trinität liegt die Stärke). In der Mitte liegt eine Schreibfeder auf einem Stück Leder mit in Gold geprägter Signatur – ob es sich um eine originale Feder aus Bismarcks Besitz handelt, ist nicht mehr nachzuweisen.
Die beiden aufklappbaren Flügel verbergen jeweils Pergamenteinlagen mit Inschriften in kolorierter Fraktur. Auf der Innenseite des linken Flügels befindet sich ein in Gold geprägtes Wappen mit dem Schriftzug „Durch!“, das Pergament trägt den Text „Diese Schreibfeder benutzte Se. Durchlaucht der Fürst Otto von Bismarck eigenhändig. Dieselbe wurde dem Errichter dieser Urkunde von seinem Schwiegervater, dem Kaiserlichen Telegraphendirektor Ferdinand Mohrbutter in Lübeck am 6.Februar 1888 gestiftet". Rechts steht geschrieben „An dem Tage, an welchem der Eiserne Kanzler im Deutschen Reichstage die denkwürdigen Worte sprach: ‚Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts in der Welt!’" Auf der Innenseite des Leders steht geritzt: „Diese Urkunde wurde errichtet von Wilhelm Ramm / Ostseebad Kolberg am 6. Juli 1904 / Das Holz ist Bismark Eiche aus dem Sachsenwald“.