Poetisch – Politisch – Provokant

Großartige Musiker: Felix Meyer und Hans Eckardt Wenzel & Band sangen und musizierten beim Liederabend in Mölln.

Mölln – Über 120 Besucher erlebten ein grandioses Doppelkonzert zum Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung. Ein Lieder-Schreiber und -Sänger aus dem ehemaligen Osten unseres Landes traf auf einen solchen aus dem Westen, gleichzeitig standen zwei Generationen auf der Bühne. Die Moderation des Abends lag in den bewährten Händen von Jörg-Rüdiger Geschke, der als Vorstandsmitglied der gastgebenden Stiftung Herzogtum Lauenburg die Kooperation zwischen Deutschlandradio Kultur, Förderverein Möllner Folksfeste, und dem Folkclub Mölln organisiert hatte.
Das Silberjubiläum der deutschen Wiedervereinigung wurde in allen Teilen der Republik anders begangen: Feuerwerk und Deutschlandfahnen, Volksfest-Trubel und politische Reden gehörten zum Standardprogramm. Ganz anders in der Eulenspiegelstadt, denn hier moderierte Geschke den Abend an mit „Deutschland einig Liederland“- eine Variante, die ebenso stimmig, wie heiter war. In den Genuss eins Doppelkonzerts kamen die Besucher, dank der nun schon langjährigen und guten Zusammenarbeit zwischen dem Deutschlandradio Kultur, Folkclub und Jörg-Rüdiger Geschke. Zwei der renommiertesten und kreativsten Liedermacher Deutschlands gaben sich die Ehre und überzeugten mit einem Kontrastprogramm.

Im ersten Konzertteil performte der charismatische Sänger und Liedermacher Felix Meyer. Der als Straßenmusiker in den europäischen Innenstädten und Clubs gespielt hatte, trat mit Gitarristen Erik Manuoz auf. Ihr Programm durchzog ruhige Balladen, Chansons und Liebeslieder, die Meyer mit seiner dunklen und sehr maskulinen Stimme poetisch kraftvoll sang. Herausragend dabei ein Song, dessen Titel „Die Corrida“ fast schon Programm war, denn aus der Sicht eines jungen Stiers wurde das tödliche Wettkampfgeschehen erzählt. Zurückgenommen, ja fast melancholisch war der Auftakt dieser beiden Künstler.
Energie pur in einem Feuerwerk voller poetischer und politischer Lieder erlebten die Musikfreunde dann mit Hans-Eckardt Wenzel und seiner Band. Der Sänger, Musiker, Autor und Komponist gehört zur älteren Garde der Liedermacher in Deutschland. Ein Barde, wie aus dem Bilderbuch mit krausem Lockenkopf, frechem Mundwerk und einer variationsreichen Stimme: Mal derb und kratzig, mal hell und lieblich-zart, verzauberte er das Möllner Publikum. Im rasanten Tempo wechselte er zwischen Gitarre, Akkordeon und Piano hin und her und war dabei in schöner Harmonie mit seinen Musikerkollegen. Was für eine Bühnenpräsenz und was für ein kluger Kopf ! Seine bittersüßen politischen Texte, aber auch seine  herzerfrischenden Zwischenmoderationen wurden begleitet von den vier großartigen Musikern seiner Band. Hannes Scheffler (Gitarre/Bass), Thommy Krawallo (Gitarre) Stefan Dohanetz (Schlagzeug) und Hallyn (Trompete).
Teilhaben ließ er sein Publikum auch an der Entstehung seiner Kompositionen: 2014 war er mit seiner Band auf Tournee in Kuba und Nicaragua. Dort entstanden viele Songs und so wehte auch ein Hauch von karibischer Leichtigkeit im flotten Salsa-Rhythmus durch den Saal in Mölln. Von der neuen CD “Viva la poesía“, die zum Teil in Havanna aufgenommen wurde, sang Wenzel den ausdrucksstarken Song „Havanna wartet“, dessen Text, fast wie in einer Kurzgeschichte, die sozialen und politischen Zustände der kleinen Insel farbig leuchten ließ.

Begeisterter Beifall war allen Musikern sicher und mit drei Zugaben beschenkten sie die Möllner Musikfreunde, die sich einig waren: Bis zur nächsten Wiedervereinigungsfeier müssten die Organisatoren nicht warten, um diese Barden erneut einzuladen und ein deutschdeutsches Musikfest zu feiern.
Übrigens: Sendetermine bei Deutschlandradio Kultur: Ausschnitte Montag, 12.10.15  – 20:03 bis 21:30 Uhr  "in concert" und die vollständigen Konzerte: Montag, 26.10.15 – 01.05 Uhr  "Tonart – Chansons und Balladen".