„Eine Art von Lauenburger Sinfonie“

„Sprechende Klangkörper“ präsentierte Kompositionsstipendiat Cheng-Wen Chen aus Taiwan zum Ende der Stipendiatensaison 2015 in der Heinrich-Osterwold-Halle. Das 6. Lauenburger Uraufführungskonzert wurde ein Genuss zum Schluss.

Lauenburg – Die Eröffnung des Konzertes geriet bereits zu einem klanglichen und optischen Ereignis. Es zeigte den Komponisten in einem projizierten Film auf Großbildleinwand als aufführenden Musiker seines Werkes „Libra“ allein mit sich und seinem Instrument: zwei Becken, denen er auf ergreifende und artistische Weise fremde und bekannte Klänge entlockte. Tobias Klich, selber 2010 Stipendiat im Künstlerhaus gewesen, hatte diesen Film produziert.
Im Konzert Cheng-Wen Chens waren mehrere seiner instrumentalen Solo-Kompositionen für Violoncello und für Becken sowie elektroakustische Werke zu hören, die sich als experimentelle Erforschung eines erweiterten Begriffs von „Körper“ verstehen. Im Mittelpunkt des Konzerts standen Teile des neuen Kompositionszyklus „… in der Welt …“ als deutsche Uraufführung. Darin setzt Cheng-Wen Chen sich mit seinen kulturellen Wurzeln, insbesondere mit Texten aus dem „Daodejing“ des Philosophen Laotse auseinander und versucht durch seine Musik, diese dem europäischen Verstehen zugänglich zu machen. Ulrike Brand, eine der weltweit bekanntesten Cellistinnen für Neue Musik, ließ auf virtouose Art diese Musikwelten aufleben.
Als schließlich die Lauenburger Kirchturmglocke, Elbgeräusche, vorbeifahrende Schiffe und auch noch das Signalhorn der Hitzler-Werft – eingewebt in das Stück „in der Welt IV“ – durch die Heinrich-Osterwold-Halle klangen, war das besonderes Interesse der Zuhörer geweckt. Cheng-Wen Chens Welturaufführung, hier in Lauenburg entstanden, ließ Ulrike Mechau-Krasemann von einer Art von „Lauenburger Sinfonie“ sprechen. Zum Schluss stieg Cheng-Wen Chen nochmal selbst auf die Bühne, um live sein Werk „Libra“ aufzuführen. Mit Begeisterung und viel Applaus wurde er mit seiner Musikerin Ulrike Brand und Tobias Klich verabschiedet.