Erhart Schröter: „Accidents by Accident“

Mit Erhart Schröter beendet die Stadtgalerie Lauenburg ihr diesjähriges Programm. Am 5. November 2015 wird seine Ausstellung „Accidents by Accident“ eröffnet. Die leuchtenden Bilder des Malers haben einen brandaktuellen Bezug zu unserer Gegenwart.

Lauenburg – Die Malerei von Erhart Schröter (Göttingen) hat sich über die Jahre zu einer Gratwanderung zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit entwickelt. „Seine Kunst lockt mit ihrer Leuchtkraft, zugleich ist sie ganz nah am Puls der Zeit. Es ist stets der Bezug zur gegenwärtigen Welt, der Schröters Bilder so aktuell, mitreißend und berührend macht“, betont Kulturmanager Volker Hillmann vom Künstlerhaus Lauenburg. Die Vernissage am 5. November beginnt um 19.30 Uhr. Schröters Ausstellung in der Stadtgalerie, Elbstraße 28, ist vom 7. November 2015 bis zum 10. Januar 2016 zu sehen. Die Galerie hat samstags und sonntags von 14.30 bis 16 Uhr geöffnet, die Schaufenster ermöglichen täglich Einblick von 11 bis 23 Uhr. Am Sonntag, 13. Dezember, wird Erhart Schröter zu einem öffentlichen Künstlergespräch mit Katalogvorstellung in der Stadtgalerie erwartet (16 Uhr).
Erhart Schröter, 1938 in Frankfurt/Oder geboren, lebt als freischaffener Künstler in Göttingen. Er studierte von 1959 bis 1964 beim Bauhaus-Schüler Prof. Fritz Winter in Kassel und beim Documenta-Gründer Arnold Bode. Anschließend arbeitete er für mehr als 20 Jahre als Dozent für Kunst und Medien an der Universität Göttingen. Seit den 90er Jahren arbeitet er freischaffend. Schröter künstlericher Weg begann mit dem, was er einst in Kassel gelernt hatte: der abstrakten Kunst. Doch zunehmend richtet er sein Schaffen auch auf die Gegenständlichkeit. "Malerei in der heutigen Zeit muss den Versuch unternehmen, auch in abstrakter Bildmanier für mediale Virtualität und realistische Medienwelten neue bildsprachliche Umschreibungen und Ausdrucksformen zu finden", sagte die Kunstkritikerin Belinda Grace Gardner zu Schröters 2014 in Göttingen erstmals gezeigten Ausstellung „Accidents by Accident“.
„Accident“ ist ein mehrdeutiger Begriff, der sowohl den Zufall wie den Unfall einschließt. – ein gewisse Unberechenbarkeit. Schröter selbst soll „accident“ als „Plötzlichkeit der Katastrophe“ definiert haben. In seiner Ausstellung geht es um solche Ausnahmezustände, den Gegensatz zwischen hochtechnisierter Konsumwelt und immer prekärer werdenden Situationen von Menschen in Not, Unterdrückung und Entwurzelung. Schröters großformatige und lebhafte Bilder sind realitätshaltig, ohne realistisch zu sein. „Tahrir-Platz“ oder „Boat People“ (2013) etwa rufen das Gedränge einer dichten, in letzterem Fall fliehenden Menschenmenge wach, bei deren Ansicht sich der Betrachter in deren Mitte wähnt. Die leere, wie in Flammen stehende „Barca infiamata“ assoziiert unwillkürlich die fürchterliche Situation von flüchtenden Menschen auf den Meeren. Bilder, die nicht nur optisch packen dürften. Die Ausstellung wird unterstützt vom Land Schleswig-Holstein, der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg und dem Freundeskreis Stadtgalerie Lauenburg.