Schweizer Quintett überzeugte

Es gab Musik für die Ohren, den Körper und die Seele beim Konzert des Schweizer Quintetts "Pilgrim". Die Künstler waren zu Gast beim Jazz-Club in Ratzeburg.

Von Andrea Teckenburg
Ratzeburg – „Ich bin begeistert“, zeigte sich Hartwig Kroeplin, Vorsitzender des Vereins Jazz in Ratzeburg, ganz erfüllt vom gerade erlebten Konzert mit dem Schweizer Tenorsaxofonisten Christoph Irniger und seinem Quintett "Pilgrim". „Das ist Musik nicht nur für die Ohren, sondern auch für den Körper und die Seele: Einerseits Chaos, Sturm, Wut – andererseits Ruhe, Einkehr, Sanftmut.“ Das passe auch zur derzeitigen politischen Situation mit ihren Flüchtlingsströmen durch Europa.
Kroeplin hatte die „fünf Jungs aus der Schweiz“ im Vorjahr bei einem Konzert in Lübeck erlebt und war damals überzeugt gewesen: „Die wollen wir hier in Ratzeburg haben“. Dieser Wunsch wurde jetzt erfüllt. Und auch die rund 60 Konzertbesucher im Rokokosaal des Herrenhauses am Domhof ließen sich vom Schweizer Quintett in seinen Bann ziehen. Gab es für die ersten beiden Stücke noch eher höflichen Applaus, so schien die Begeisterung der Zuhörer im weiteren Verlauf des Abends stetig zu wachsen.
Mitgebracht hatten die Musiker Eigenkompositionen von ihren beiden bisherigen CDs, „Mt. Tongariro“ (2011) und „Italian Circus Story“ (2014), sowie neue Stücke, die auf einer dritten CD erscheinen sollen. Ratzeburg war die letzte Station der aktuellen Tournee, die die Musiker unter anderem nach Thüringen und Prag geführt hatte. Dabei entstanden Aufnahmen für eine erste Live-CD des Quintetts. „Wir sind sehr gern in den Norden gekommen“, ließ Irniger das Publikum wissen. Der Saxofonist begleitete das Konzert mit sparsamer Moderation, während das Quintett ansonsten die Musik für sich sprechen ließ.
Vielfältige musikalische Emotionen fanden in nur sechs Songs zusammen – ein jeder mit einer durchschnittlichen Länge von rund 15 Minuten. Die Stücke präsentierten sich spannend und überraschten immer wieder aufs Neue. Dazu gehörten viel Experimentelles sowie ruhige Parts, die zum Träumen verleiteten, oder aber Passagen von anschwellender, sich immer wieder steigernder Intensität, mit rasanten Rhythmen und fordernden Wechseln. Dabei waren die Musiker zum Teil solo zu hören oder aber auch zusammen – sei es als Duo, Trio, Quartett oder Quintett – in immer wieder neuen Konstellationen, die sich trafen und wieder auflösten.
„Wir haben einen Pool von Kompositionen von den CDs“, erklärte Saxofonist Irniger am Rande des Konzerts. Mit diesen Stücken würde die Band jedoch in den Konzerten sehr frei umgehen. Das sei wie eine Geschichte, die man immer wieder neu und anders erzählen könne. Die Band "Pilgrim" besteht seit 2010. Neben dem Saxofonisten Irniger gehören Pianist Stefan Aeby und Bassist Raffaele Bossard dazu sowie Schlagzeuger Michi Stulz und Gitarrist Dave Gisler.