So bildhaft wie nötig

Bis zum 10. Januar 2016 sind in der Lauenburger Stadtgalerie „Accidents by Accident“ zu erforschen: Arbeiten des Göttinger Malers Erhart Schröter, Bilder mit starkem Sog. Die Einführung in die Ausstellung wurde zum Dialog mit dem Publikum über Kunst und das, was unsere Zeit bewegt.

Lauenburg – Ein rundes Dutzend großformatiger Bilder mit farbintensiver Malerei hängt da in der Lauenburger Stadtgalerie. Ein Teil davon ist viel bildhafter, als der gern abstrakt arbeitende Maler zunächst erwarten ließe. Seine Motive ziehen den Blick an und machen einige Nöte unserer Zeit bewusst. Aleppo, Tsunamie, Tahrir-Platz, Boart-People, brennendes Schiff – so einige seiner Titel und Motive – legen den Finger sofort in der Wunde, sprechen die gesellschaftspolitischen wie persönlichen Herausforderungen direkt an. So redete man bei der Vernissage nicht nur über Schröters Bilder, sondern auch über die Themen, die sie aufdecken.

Schröters langjähriger Weggefährte Michael Stoeber, Kunsthistoriker, Krietiker und Kurator aus Hannover, führte das Publikum nicht in die Ausstellung ein, sondern herum. Seite an Seite mit dem Maler und den Besuchern durchwanderte er die gesamte Schau mit 21 Stationen. Hatte überall etwas zu erzählen, zu zeigen, zu fragen. Schnell wurde im Dialog und am praktischen Beispiel klar, dass Schröter „so bildhaft wie nötig und so abstrakt wie möglich“ arbeitet, immer im engen Bezug zu dem, was in der Welt und um ihn herum geschieht. Das Publikum sollte nicht nur zuhören, sondern auch mitreden, wurde nach persönlichen Standpunkten befragt – was sehr gut ankam und die Schau in der Erinnerung festigen dürfte.

Der bis zu seinem Ruhestand auch als Kunst- und Mediendozent an der Uni Göttingen arbeitende Maler zeigte sich offen und reflektiert. Die meisten seiner Arbeiten und Farben sprechen für sich, offenkundig bewusst lässt er Untergrund durchbrechen oder baut er undurchdringlich scheinende Schichten auf. Er macht Zwiespältigkeiten und Zerrissenheit sichtbar, was teilweise wörtlich zu nehmen ist, wie in seinen horizontal angelegten Diptychen oder Collagen. Er zeigt die Kunst wie die Erde zugleich schön und erbarmungslos.

Ein wenig schade, dass speziell die Bilder im Entree und die kleinformatigen Serien sehr dicht gehängt sind. Die Ballung lenkt Auge und Konzentration gerne ab, beschneidet damit die Bilder dort in der vollen Entfaltung ihrer Wirkung. Klagen auf hohem Niveau – die Ausstellung „Accidents by Accident“ ist einen Besuch wert. Die Stadtgalerie im Hagenström, Elbstraße 28, zeigt Schröters Bilder bis zum 10. Januar 2016, jeweils samstags und sonntags von 14.30 bis 16 Uhr sind die Räume geöffnet. Die Fenster ermöglichen töglich von 11 bis 23 Uhr erhellten Einblick. Wer Lust hat, den Künstler und den Kritiker noch einmal oder zum ersten Mal zu treffen, sollte sich den 13. Dezember 2015 vormerken: An diesem Sonntag steht um 16 Uhr ein Künstlergespräch mit Katalogvorstellung auf dem Programm.