„Das ist doch kriminell…“

9. Kriminacht mit Alexandra Kui und Dagmar Möhring in Mölln. Der Literaturbeirat der Stiftung lud zur Traditionsveranstaltung im November ein.

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Mölln – „Von Krimis können die Deutschen nicht genug kriegen…“, titelte eine Wochenzeitung unlängst. Kein anderes Literatur-Genre verbucht so viele Neuerscheinungen pro Jahr. Dass das denn Nerv von vielen Krimilfans auch in der Region alljährlich trifft, zeigte sich bei der nun schon 9. Kriminacht erneut. Im Festsaal hörten gebannt über 40 Besucher zwei Autorinnen zu. Der Literaturbeirat der Stiftung lud zur Traditionsveranstaltung Alexandra Kui und Dagmar Möhring ein.
Auch in diesem Jahr blieb die literarisch-engagierte Gruppe mit Sprecher Chr. Ernst an der Spitze wieder ihrer Idee treu, ein Duo auf die Bühne zu bitten. Dabei versucht der Beirat stets, einen noch eher unbekannten und einen renommierten Autor für die Kriminacht zu gewinnen. Auch diesmal stellte Sprecher Ernst in seiner Eröffnung, zunächst eine echte Newcomerin vor. Dagmar Möhring aus Hamburg schreibt zwar seit einiger Zeit Texte, hat aber noch kein Buch veröffentlicht. Sie arbeitet im Schreibzirkel „Blut und Feder“ in Hamburg mit, den Chr. Ernst leitet.
 „Das ist heute eine Premiere für mich“, gab die sympathische Mediengestalterin gleich zu Beginn dem erwartungsfrohen Publikum mit auf das dann folgende Hörvergnügen. Beherzt las sie mit ruhiger Stimme und dramaturgisch gut gesetzten Pausen aus ihrer Kurzgeschichte „Lowe Noon“.  Viel Applaus und freundliche Zustimmung erhielt die Hamburgerin in Mölln dafür.
Bereits vor acht Jahren war Alexandra Kui (Stade) in Mölln bei einer Kriminacht zu Gast. Damals las sie als Duo mit Krimiautorin Ella Danz (Berlin) zusammen. Seither erschienen etliche Kriminalromane und Jugendbücher. „Blaufeuer“ wurde für das ZDF verfilmt und Kui gehört zur etablierten Schriftsteller-Riege in Norddeutschland. Der Beirat war sich bei der Kriminacht-Planung einig, dass diese junge Autorin erneut in Mölln eine Bereicherung wäre. Im letzten Jahr sollte sie mit Dirk Kurbjuweit auf die Bühne, musste aber kurzfristig wegen einer Erkrankung absagen. In diesem November gab es aber kein Halten mehr, wie sie schmunzelnd sagte.
In Mölln agierte die ebenso charmante wie souveräne Kui erneut überzeugend: Die begabte Geschichtenerzählerin (Jahrgang 1973) fesselte das Publikum mit ihrer zugewandten Art, plauderte über die Charaktere ihrer Romanfiguren und gab Einblicke in ein Buch, welches erst im Frühjahr 2016 erscheinen wird.
 „Rabenseele“ kann durchaus in die anspruchsvolle Abteilung der „Literarischen Kriminalromane“ geordnet werden. Stimmungsvolle, dichte und sehr bildhafte Szenen, vermag Kui zu entwickeln. Ihre Begabung für pointierte Schilderungen von scheinbar alltäglichen Situationen, war beeindruckend bei ihrer Lesung, die in drei Blocke unterteilt war.
Eine gelungene Mischung unterschiedlicher literarischer Ansätze des großen Themas „Mord und Totschlag“ war diese Kriminacht. Dem Publikum hatte es sehr gefallen, denn mit dem Satz: „Wann kommen Sie wieder?“ sprach ein Gast aus, was sich Veranstalter und Gäste wohl dachten: Bei dieser Autorin mag man gern zum „Wiederholungs-Hörer“ werden.