Dichterschlacht oder Poetry-Slam

Ihre Leidenschaft für kurze Texte der besonderen Art vereinte neun Akteure auf der Bühne des Stadthauptmannshauses in Mölln. Zum dritten Poetry-Slam kamen rund 50 Gäste.

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Mölln – Auf Initiative des Streetworkers Axel Michaelis und der Stiftung Herzogtum Lauenburg gastierte Slam-Ikone Björn Högsdal aus Kiel mit neun norddeutschen Slam-Poeten. Sieger des Wettstreits wurde Victoria Helene Bergemann aus Reinbek.

Die 18-Jährige im schwarzen Spitzenblüschen und der knallharten Stimme überzeugte das Publikum so sehr, dass beim Finale Högsdal keine Mühe hatte, neben den drei „Zweiten Siegern“, die talentierte und witzige Viktoria zur Gewinnerin des Abends zu küren. Was zeichnete ihre Texte so sehr aus? Ihre erfrischende Art, sich dem Publikum teils mädchenhaft-scheu und dann wieder burschikos-fordernd zu nähern mit ihren Texten, war faszinierend, denn Slam-Beiträge bestehen aus drei gleichwertigen Komponenten: Idee, Text und Präsentation. Ein gefühlvoller Augenaufschlag und eine unaufgeregte Gestik kamen hinzu.
Während bei den zwei anderen Poetry-Slams in Mölln männliche Wort-Akrobaten siegten, war die Reinbekerin die erste Frau, die das Möllner Publikum überzeugte. Dabei gab es sprühenden Witz, überraschende Wortkreationen und leidenschaftliche Vortragsweisen von vielen der Teilnehmer. Mit Arne Poeck, Björn Katzur und Quinn Christiansen waren im Stadthauptmannshaus auch drei „Wiederholungstäter“ dabei.
Einen besonderen Applaus und viel Wohlwollen gab es für die Lokalmatadorin Conny Stöhr. Für die 17-Jährige war es eine Premiere, denn noch nie zuvor hatte sie sich getraut, eigene Gedanken in die sehr spezielle Form der Poetry Slams zu geben. Die dritte weibliche Slammerin kam aus Kiel: Zara Zerbe überzeugte ebenso wie Stefan Schwarck. Er hatte eine skurrile Geschichte dabei, die wahre Lachsalven im Publikum entfachte. Ein großes Talent mit guter Performance, das leider nicht bis ins Finale kam. Außerdem dabei waren noch Carsten Martin Johannsen und Dennis Boysen.
Eine perfekte Show und eine ausgefeilte Moderation lieferte erneut Björn Högsdal. Er verblüfte nicht nur mit einem ebenso geistreichen wie witzigen Redetempo, sondern führte die Besucher auch gekonnte in die Regeln der edlen Dichterschlacht oder hübsch-modern „Poetry-Slam“, ein.
Dabei gelten zehn Punkte für den besten Text, „der so einmalig ist, dass man ihn sich auf die Brust tätowieren möchte“, so der Moderator. Basisdemokratisch und publikumswirksam wird bei dieser besonderen Art des Vortragswettbewerbs der beste Slammer gekürt. Eine bemerkenswerte Leistung, denn die Wort-Akrobatik, die alle guten Slammer vereint, ist pfeilschnell, tiefgründig und wie es Högsdal kommentierte: “Manchmal unmoralisch, immer selbst geschrieben und von hoher Qualität.“
Der charismatische  Sympathieträger mit enormer Bühnenpräsenz hatte am Nachmittag für eine kleine Gruppe von jungen Textern einen Workshop geleitet. Auch der Nachwuchs aus Mölln, Konny Stöhr war dabei, wie sie dem Kulturportal sagte. Aufgrund der großen Nachfrage wird die Stiftung weitere Poetry Slams organisieren.
Björn Högsdal schreibt, wie er selbst sagt, Punchline-Prosa, kabarettistische Lyrik und Satiren. Er ist Preisträger verschiedener Literaturwettbewerbe sowie Sieger unzähliger Poetry Slams und mehrfacher Halbfinalist und Finalist der deutschsprachigen Meisterschaften des Poetry Slams. Die Texte sind Literatainment, d.h. kurzweilige Literaturperformance mit (schwarzem) Humor, Bühnentauglichkeit, Unterhaltungsfaktor und hin und wieder auch mit Schockeffekt. Björn Högsdal wurde 1975 in Köln geboren und lebt heute als Autor und Kulturveranstalter in Kiel. Er ist mit Leib und Seele Poetry Slammer und gehört mit knapp 200 Auftritten im Jahr wahrlich zu den aktiven Poeten. Björn Högsdal ist Autor, Veranstalter und Slampoet aus Kiel. Seit Jahren zählt er zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Slampoeten und ist der größte Veranstalter für Poetry Slams in Schleswig-Holstein.