Spaziergang zu „Hightech und Ruinen“

Am 23. Januar veranstaltet der Förderkreis Industriemuseum Geesthacht einen seiner Historischen Spaziergänge über das Gelände der ehemaligen Dynamitfabrik Krümmel. „Hightech und Ruinen“ ist die rund zweistündige Tour mit aktuellen Bezügen überschrieben.

Geesthacht – Ausgangspunkt des Spaziergangs ist die Pforte des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (GKSS), zugänglich über die B5. Von 14 bis 16 Uhr soll die Runde unter sachkundiger Führung dauern, festes Schuhwerk wird empfohlen. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bittet der Förderkreis um Anmeldung unter Tel. 04152 / 887 78 40 – es wird nur zurückgerufen, wenn ein Spaziergang ausgebucht ist.
Reinhard Parchmann wird die Teilnehmer zu verschiedenen Gebäuderesten der letzten Fabrikanlagen führen, die Alfred Nobel gegründet hatte. Dieses Gelände, das unmittelbar an das Kernkraftwerk Krümmel grenzt, vermittelt einen Einblick der Zeit, als hier – bis zum Kriegsende 1945 – große Mengen verschiedener Sprengstoffe produziert wurden. Aus Unterlagen der Archivsammlung von Karl Gruber konnte die Lage aller noch vorhandenen Gebäudereste rekonstruiert werden. Dabei wurden anhand von Originalplänen viele verborgene Überreste aufgefunden und dokumentiert.
Die meisten der Gebäude wurden nach dem Krieg gesprengt. Vier sind jedoch erhalten geblieben, wovon eines als sogenannter Schlingerstand zur Erprobung von Bauteilen des Frachtschiffes NS Otto Hahn unter Seefahrtsbedingungen Verwendung fand. Ein Teil dieses Gebäudes wird heute vom Institut für Küstenforschung der Helmholtz-Zentrums genutzt. Erhalten sind auch der ehemalige Lokschuppen, ein Aufenthaltsraum und das Gebäude Nr. 735, das mit seiner Flachdachkonstruktion und dem Stahlbetonskelett ein typisches Bauwerk aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs ist.

Der Spaziergang wird von Mitarbeitern der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Helmholtz-Zentrums Geesthacht begleitet. Von ihnen können die Besucher erfahren, wie das Gelände heute für die aktuellen Schwerpunkte Werkstoff- und Küstenforschung vom Helmholtz-Zentrums genutzt wird.
Das Areal ist nicht nur historisch interessant: Da die meisten Ruinen nicht oder nur bedingt zugänglich sind, haben sich in dem Waldgebiet rund um das Helmholtz-Zentrum verschiedene Tierarten angesiedelt, z. B. Fledermäuse und Wildschweine. Zudem hat sich nach Jahrzehnten die Natur wieder "ihr" Terrain zurückerobert, sodass im Sommer alle Ruinen unter einer großen grünen Decke aus Laub, Büschen und Gräsern verschwinden. Aus diesem Grund finden die Rundgänge nur im Winterhalbjahr statt.