Kulturknotenpunkt im Fokus

Chancen, Ziele und potentielle Projekte in den Landkreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn.

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Mölln – „Geht es hier zum Glaspalast?" – Eine Frage, die sich viele Besucher stellten, als sie im Ensemble des Stadthauptmannshofs diesen Ort suchten. Der Raum, der so liebevoll tituliert wird, befindet sich im Medaillongebäude der Stiftung Herzogtum Lauenburg und erhielt durch seine Glasfronten seinen Namen. Ein Gespräch in diesen Räumen war zunächst angedacht, um über die Kulturknotenpunkt-Arbeit zu informieren. Um die 50 Gäste jedoch komfortabler unterzubringen, ging es einen Stock höher hinauf in den Festsaal. Gläsernes allerdings, als Synonym für Transparenz und Offenheit, stand in der großen Gesprächsrunde im Mittelpunkt.
Bereits bei der Begrüßung und Einführung durch den Vizepräsidenten der Stiftung Herzogtum Lauenburg, Wolfgang Engelmann, und Vorstandsmitglied Jörg-Rüdiger Geschke, wurde klar, eines der wichtigen Aufgaben- und Arbeitsfelder der Stiftung Herzogtum Lauenburg für die nächsten fünf Jahre ist der Kulturknotenpunkt.
Geschäftsführerin Andrea Funk stellte in einer kurzen Einführung die bisherige Arbeit sowie die weiteren Ziele und Projekte vor. „Seit März 2015 ist die Stiftung Herzogtum Lauenburg „Kulturknotenpunkt“ für die Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn und soll dazu beitragen, Kultur insbesondere im ländlichen Raum zu erhalten und abzusichern. Kulturschaffende oder Kultureinrichtungen stehen oftmals vor zeitlichen, personellen oder materiellen Hindernissen, die sie in der Ausübung ihrer Kernkompetenz, der Kultur, einschränken. Durch die Bündelung vieler einzelner Ressourcen und der Vermittlung von Hintergrundwissen und Serviceangeboten soll diesem Defizit gerade im Kontext ländlicher Strukturen begegnet werden.“
Funk stellte Sara Opitz den Besuchern vor. Sie ist Projektmitarbeiterin der Stiftung Herzogtum Lauenburg, „Kulturknotenpunkt“ (s.opitz@stiftung-herzogtum.de) und Ansprechpartnerin für die Kulturschaffenden in der Region. Funk: "Die Kollegin wird in den nächsten Monaten Einrichtungen und Künstler besuchen, sich vorstellen und Informationen sammeln.“

Bereits bei der Auftaktveranstaltung zum Kulturknotenpunkt im Herbst 2015 im Schwarzenbeker Amtsrichterhaus wurden Wünsche und Ziele in einem Arbeitsgespräch zusammengetragen. Eine der Forderungen wird nun aktuell in die Tat umgesetzt: Am 10. Februar um 19 Uhr geht es im um „Versicherungen für Kulturschaffende“. Immer wieder kommen Fragen und Unsicherheiten auf, wenn es um dieses Thema geht. Gemeinsam mit Gaedertz – Schneider GmbH Versicherungsmakler, Tüschenbek, bietet der Kulturknotenpunkt deshalb eine Informationsveranstaltung zur unternehmerischen Absicherung, z.B. Veranstaltungshaftpflicht, Ausstellungshaftpflicht, Kunstversicherung, Sachversicherungen für Requisiten, Technik an. Nächster Termin: 8. März, 19.30 Uhr, Mölln „Das Reeperbahn Festival“, Fachvortrag von Anne Hochstein (Geesthacht).
Offen und transparent wurde auch über die allgemeine Arbeit der Kulturknotenpunkte in Schleswig-Holstein informiert: So erfuhren die Besucher ebenfalls überregional einiges zum Themenkomplex: Aus dem hohen Norden kam Dr. Herle Forbrich nach Mölln. Sie ist seit einem Jahr Projektmanagerin des ersten Kulturknotenpunktes im Lande. Dr. Forbrich sagte: “Seit 2015 ist die Nordsee Akademie Kulturknotenpunkt für Nordfriesland/Nordschleswig. Das Ziel ist die Stärkung der Kultur im ländlichen Raum durch Vernetzung und Beratung. Erste Ergebnisse unserer Arbeit sind die Auftaktveranstaltung und das Infoboard zu Kulturangeboten aus der Region. Im Mai kamen 80 Kulturakteure aus Nordfriesland, Nordschleswig, Flensburg und Schleswig-Flensburg zusammen, knüpften erste Kontakte und bildeten Interessengruppen. Diese Arbeit an den Themen Grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Kulturtourismus, Kultur und Bildung, Kultur für alle, Kultur und Mobilität und Öffentlichkeit für Kultur wird durch den Kulturknotenpunkt weiter begleitet. Fachgespräche und Fortbildungen sind in der Planung.“
Kulturknotenpunkte gibt es ebenfalls für die Kreise Dithmarschen/Steinburg. Weitere sind in Planung. Fünf Jahre lang werden je Kulturknotenpunkt 20.000 Euro vom Land bereit gestellt. Eine Verknüpfung und die Leitung wird durch den Landeskulturbund gewährleistet.
Moderator Geschke ermunterte die Besucher sich mit Fragen einzubringen. Wie breitgefächert und tatsächlich aus allen Teilen des Landkreises und auch aus Stormarn sowie Nordwest-Mecklenburg Gäste den Weg nach Mölln gefunden hatten, stellte sich in der Diskussion heraus: Vertreter des Künstlerhauses Lauenburg, des Heimatbund- und Geschichtsvereins, diverser Kulturausschüsse aus Gemeinden, kleiner Kulturvereine oder auch des großen Interessenverbandes Lauenburgischer Kunstverein (LKV) waren neben der Lebenshilfe Mölln-Hagenow und sehr vielen aktiven Kulturschaffenden sowie Mitgliedern des Lauenburgischen Kreistages und Kommunalpolitikern dabei. Angeregt diskutierten Mitglieder der vier Beiräte sowie des Stiftungsrats der Stiftung mit.
Umfassend antwortete auf kritische Finanz-Fragen von Bildhauerin Regine Bonke (Ratzeburg) Stiftungspräsident Klaus Schlie. Er schilderte die historische Entwicklung der Stiftung als zentrale – aber selbstverständlich nicht alleinige – Einrichtung, wenn es um Kulturarbeit im Landkreis geht.
Mit zahlreichen kleineren Gesprächsrunden und dem Austausch vieler Informationen endete das erste öffentliche Glaspalastgespräch. Weitere werden folgen, wie Moderator Geschke ankündigte. Er warb weiterhin für den 4. März. Beim diesjährigen Kulturgespräch der Stiftung („Diskurs unter Freunden“) steht neben Kommunikation und Information der Austausch über die Willkommenskultur im Mittelpunkt.