Worte + Poesie + Melodie

Lieder gegen den Krieg und das Vergessen haben (leider) immer Konjunktur. Zum 71. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung gab es ein beeindruckendes Konzert:" Und weil der Mensch ein Mensch ist".

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Mölln – Ob es nun die volksliedhafte Marschmelodie der „Wildgänse rauschen durch die Nacht (Robert Götz), „Die Moorsoldaten“, einem KZ-Lagerlied (Johann Esser) oder das ebenso berührende wie kämpferische „Buchenwaldlied“ (Hermann Leopoldi) war, die vier Musiker der Gruppe „Die Grenzgänger“ aus Bremen, berührten das Publikum mit ihrer virtuosen Musikalität und Bühnenpräsenz.
Es war (erneut) ein wahrer Funkelstein im Programm des Folkclubs Herzogtum Lauenburg. Überaus erfolgreich gelang wiederum eine Kooperation mit dem Deutschlandradio Kultur und der Stiftung Herzogtum Lauenburg in Mölln im Festsaal des Medaillongebäudes. Am Vormittag gastierte das Bremer Ensemble in der Gemeinschaftsschule in Mölln. Am Abend hieß Jörg Geschke die über 60 Besucher willkommen und führte durch den Abend, der besonders war, denn das Konzert wurde für den Sender  Deutschlandradio Kultur aufgenommen.
Michael Zachcials (Gesang und Gitarre) erzählte in seinen informativen und seinen klugen musikpädagogischen Zwischenmoderationen, viel über die Entstehungsgeschichte der Lieder. Die Gruppe holt längst vergessene Volkslieder aus Volkslied-Archiven und interpretiert sie auf ihre unnachahmliche Art und Weise so, dass man ihnen ihre Patina nicht anmerkt. In einem Stil-Mix aus Blues, Soul, Chanson bis hin zu Salsa oder orientalischen und lateinamerikanischen Rhythmen gelingen die Arrangements. Neben Michael Zachcials ausdrucksstarker Stimme, begeisterten Frederic Drobnjaks mitreißendes Gitarrenspiel, Annette Rettich am Cello und Felix Kroll am Akkordeon.
Die Vier schafften einen Spagat zwischen  elegant-feinen Klängen mit wundervollen Piano-Akzenten im Wechsel zu temperamentvollen, teils fein solistisch ausgearbeiteten Improvisationen, die die ganze Bandbreite der Musiker zeigte.
Von Beginn an war das durchaus versierte und anspruchsvolle Möllner Publikum Feuer und Flamme für das vierköpfige Musikergespann auf der Bühne. Begeisterter Applaus und eine Welle von ehrlicher Sympathie war spürbar, zumal Michael Zachcials nicht nur am Ende des fast zweistündigen Auftritts mit einem wohlwollenden Dank („Wir können nur so gut spielen, wie das Publikum mitgehen mag…“) die Stimmung der Konzertbesucher spiegelte.
Es war ein Konzert der feinen Zwischentöne. Berührend, meisterhaft gespielt und ja, auch bewusst textlastig. Doch bei den klugen und einfühlsamen Einführungen durch Michael Zachcials, erhielten Songs wie der Klassiker „Lilli Marlen“ neue Gesichter. Drei Zugaben spendierten die Bremer, die zu Recht in der Spitze der aktuellen Liedermacher und Folkinterpreten eingeordnet werden.
"Und weil der Mensch ein Mensch ist"  war ein tolles Konzert – wer es verpasst hat, kann es nachhören am Montag (25.1.) im Deutschlandradio Kultur um 20:03 Uhr. http://www.deutschlandradiokultur.de/in-concert.1027.de.html. Die Sendung wird auch nach der Ausstrahlung noch einige Wochen online auf der Webseite des Senders hörbar sein.