Für Cineasten und Literaturliebhaber

Der Festsaal als Kino: Der Literaturbeirat bot Cineasten und Lesern einen kulturellen Leckerbissen: Romanautorin Karen Duve war in Mölln zu Gast.

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Mölln – Es gab eine Premiere beim ersten Literaturgespräch im noch jungen Jahr 2016: Erstmals kooperierte der Literaturbeirat der Stiftung Herzogtum Lauenburg mit dem Filmclub Ratzeburg.  Thema war das Buch „Taxi“ und der Film. Rund 80 Cineasten und Literaturliebhaber erhielten amüsante Einblicke in die Arbeitswelt von Schriftstellern und von Taxifahrern.
In beiden Berufen kennt sich Autorin Karen Duve gut aus, denn 13 Jahre lang fuhr sie in Hamburg Taxi. Erkennungs- und Markenzeichen: Sie war als legendäre „Zwodoppelvier vom Wandsbek-Funk“ bekannt. Später avancierte die 1961 in Hamburg geborene Duve dann zur renommierten Schriftstellerin. Ihre Romane wurden in 14 Sprachen übersetzt. Ihre Bücher „Regenroman“ (1999), „Dies ist kein Liebeslied“ (2005), „Die entführte Prinzessin“ (2005) und „Taxi“ (2008) wurden Bestseller. Ihr 2011 publizierter Selbstversuch „Anständig essen“ und ihre Streitschrift „Warum die Sache schiefgeht“ (2014) lösten breite Diskussionen aus.
Ihr aktueller Roman „Macht“ erscheint in diesen Tagen. Autoren denken stets schon an nächste Projekte: So erfuhr das Kulturportal von Duve, dass das Leben und Werk einer der großen deutschen Poetinnen derzeit ihre ganze Aufmerksamkeit fordert: Mit Annette von Droste-Hülshoff (1798-1848) beschäftigt sich Duve.
In Mölln plauderte die ausgesprochen sympathisch und dem interessierten Publikum sehr zugewandte Duve aus ihrem schillernden Taxifahrerleben und mit Esprit aus dem nicht immer einfachen Dasein einer Autorin, die seit 2009 in Brandenburg lebt und arbeitet. Die arrivierte Literatin zeigte sich unkompliziert und handfest im Dialog mit Schriftstellerkollegen Boris Meyn (Literaturbeirat). Sie sprachen vor und nach der Filmvorführung über Menschen im Taxi, Romanfiguren und die vielen Schnittstellen, die sich daraus entwickeln. Die Moderation übernahm Meyn, der genau wie sie, Dieseldroschken in Hamburg bewegt hatte. Autor Chr. Ernst (Literaturbeiratssprecher) begrüßte die Gäste.
Ihr 2008 erschienener Roman „Taxi“ kam im letzten Sommer in die Kinos. Unter der Regie von Kerstin Ahlrichs wurde Duves Tragikomödie mit Rosalie Thomass, Peter Dinklage, Armin Rohde und anderen inszeniert. Dank des Engagements des Filmclubs Ratzeburg mit Eduard Wehmeier (er ist Kulturpreisträger der Stiftung) und von Marc Fiebig (Filmclub Mölln) konnte „Taxi“ im Festsaal des Stadthauptmannshofs gezeigt werden.
Im Film wird die reizvolle Geschichte der jungen Alexandra Herwig erzählt, die in den 1980er Jahren in der Hansestadt als Taxifahrerin arbeitet. Wie im Buch, so schwingt auch im Film eine Melange aus Weisheit, Empathie und Melancholie mit. Die knappen, zugespitzten Dialoge machen Laune, sind klug und zeigen klar auf – Karen Duve ist eine Geschichtenerzählerin von Format.