Wenn die Kunst verbindet …

In Syrien hat er Kunst und Malerei studiert – jetzt ist er Asylbewerber in Aumühle. Yaman Assad hat viel verloren. Und doch hat der junge Künstler im Sachsenwald etwas gefunden …

Aumühle – Er ist in Aleppo geboren, aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. Es folgte ein Studium in Malerei und Kunstgeschichte. Yaman Assad war auf dem Weg, ein anerkannter Maler zu werden, wie eine Ausstellung in den Vereinigten Arabischen Emiraten in Dubai zeigte. Doch dann kamen der Krieg und die Bomben nach Aleppo. Ein Leben in der Stadt, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde, war nur unter Lebensgefahr möglich. Junge Männer wurden von den jeweiligen Kriegsparteien gezwungen, Soldaten zu werden. Yaman Assad sah keine Möglichkeit, den Kriegswirren in seiner Heimat zu entkommen und entschied sich zur Flucht. Über das, was er auf seinem Weg nach Deutschland erlebt hat, möchte er nicht sprechen.
Seit Ende September 2015 lebt er als Asylbewerber mit neun weiteren Syrern in Aumühle. Was macht ein Syrer in der für ihn so fremden Umgebung? Einen breiten Raum nehmen die Sprachkurse ein. Yaman Assad spricht zwar Englisch, aber er möchte so schnell wie möglich Deutsch lernen. Dazu geht er zusammen mit anderen Asylbewerbern viermal wöchentlich zum Unterricht. Außerdem ist er einer der beiden „Chefköche“ in seiner Wohngemeinschaft. Als die Paten vom Runden Tisch erfuhren, dass er Malerei studiert hat, knüpften sie eine Verbindung zu Anja Witt, Die Aumühler Künstlerin, die sich ohnehin beim Runden Tisch engagiert, war von der Idee begeistert, einen Künstler zu unterstützen. „Wir treffen uns in meinem Atelier in der Großen Straße, und Yaman bekommt immer einen freien Platz in meinen Workshops. Ich habe ihm Material und Farben zur Verfügung gestellt, damit er auch hier malen kann“, sagt sie. Gemeinsames Ziel ist, dass Yaman Assad in einigen Monaten genügend Bilder für eine Ausstellung in Deutschland geschaffen hat. Der Runde Tisch bemüht sich mit Anja Witt, geeignete Ausstellungsflächen zu finden.
Wie die Zukunft von Yaman Assad aussehen wird, ist ungewiss. Ihm ist klar, dass er jede ihm angebotene Arbeit annehmen wird, um seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Sein großer Wunsch ist, daneben seine Kunst weiter zu entwickeln. „Wir müssen die Arbeiten von Yaman einem breiten Publikum bekannt machen, damit auch potenzielle Förderer sich ein Bild von der Arbeit des Künstlers machen können“, hofft Anja Witt für ihren „Schützling“.
Während Yaman Assad dem Runden Tisch als Maler aufgefallen ist, haben sich beim näheren Kennenlernen auch Verbindungen zwischen an Musik interessierten Asylbewerbern und Aumühlern ergeben. Als ein junger Mann erzählte, dass er seine geliebte Geige im Irak zurücklassen musste, trennte sich eine Patin von dem geerbten Instrument – nun gibt es gelegentliche Hauskonzerte. Zwei Syrer haben Gitarren bekommen und üben mit einem Bandleader, ein weiterer trifft sich mit dem Sohn einer Aumühler Familie zum Klavierspielen. Kunst verbindet.