Nicht alltägliche Blickwinkel

Ein feines Konzert, zwei reizvolle Filme und drei interessante Vorträge und wollen wir Ihnen diesmal aus dem April-Programm des Augustinums Aumühle empfehlen. Alle Veranstaltungen sind öffentlich zugänglich.

Aumühle – Das Gesamtprogramm des Monats finden Sie wie üblich unterwww.augustinum.de. In unserem Auszug beginnen wir mit dem Kino im Theatersaal (Eintritt jeweils 6,- Euro). „Alles koscher“ heißt die britische Komödie von Joch Appignanesi aus dem Jahr 2010. Der famose Film, in dem religiöse Vorstellungen aufeinander prallen, wird am 4. April 2016 im Rahmen des Jahresmottos „Spielregeln des Lebens“ gezeigt, Wolfgang Teichert gibt dazu um 19 Uhr eine Einführung.

Eine kurze Inhaltsangabe sollte ausreichen, um den Appetit auf „Alles koscher“ anzuregen: Der muslimische Pakistani Mahmud lebt als beruflich erfolgreicher, glücklicher Familienvater und Fußballfan in London. Als latenter Antisemit liefert er sich mit seinem unverschämten jüdischen Nachbarn Lenny gern kleine Scharmützel. Da erfährt er, dass er adoptiert ist, tatsächlich Solomon Shimshillewitz heißt und seine biologischen Eltern Juden sind. Während er sich auf die Suche nach dem todkranken leiblichen Vater macht, hält sein Sohn Rashid um die Hand der Stieftochter des islamistischen Hasspredigers Arshad El Masri an. Und der fordert strikt konservative Muslime als Schwiegereltern …

Mit der iranischen Tragikomödie „Taxi Teheran“ aus dem Jahr 2015 legt das Cinema Augustinum in Kooperation mit dem Filmring Reinbek am Sonntag, 10. April nach (19.30 Uhr Theater). Regisseur Jafa Panahi fährt seit einem Berufsverbot Taxi – und gibt auch dabei seine Berufung nicht auf. Er hat in seinem Film die Geschichten von Fahrgästen gesammelt, die in seinem Wagen Platz genommen haben – ein Querschnitt der iranischen Gesellschaft. Fazit von Deutschlandradio Kultur: „Ein wirklich sehenswertes Werk, das Einblick in eine verschlossene Welt gibt. Der Goldene Bär für den unter Berufsverbot stehenden Regisseur war sicher auch eine politische Entscheidung. Aber als Zuschauer und Laie erfährt man in diesem anderen Road Movie viel über die heutige, iranische Gesellschaft und ihre Tabus.“

Baalbek, Hopper, Michaelis

Abseits des üblichen Spektrums bewegen sich drei Vorträge. Am 11. April (19.30 Uhr Theater, Eintritt 5,- Euro) wird PD Dr. phil. Konrad Hitzl „Neue Forschungen in Baalbek“ vorstellen. Vor 15 Jahren hatte die Orientabteilung des Deutschen Archäologischen Instituts mit einer Bestandsaufnahme der vor mehr als 100 Jahren gefundenen und noch erhaltenen archäologischen Bauten und Artefakte der römischen Tempelanlage im Libanon begonnen. Das Projekt lief im Herbst 2010 aus und erbrachte eine Fülle neuer Fakten und Erkenntnisse, die hier vorgestellt werden. Der Vortrag der Volkshochschule Aumühle-Wohltorf wird möglich durch Zusammenarbeit mit der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft.

Dem amerikanischen Maler „Edward Hopper“ widmet Veronika Kranich ihren Vortrag am 19. April (17 Uhr Theater, Eintritt 6,- Euro). Hopper (1882 – 1967) gilt als Chronist der amerikanischen Zivilisation. Sein Malstil gehört dem amerikanischen Realismus an. Das zentrale Thema seiner in kühlen Farben gehaltenen Bilder ist die Einsamkeit und Isolation des modernen Menschen. Die starke, manchmal gespenstische Atmosphäre seiner Werke inspirierte oft Filmregisseure, wie z.B. Alfred Hitchcock. Veronika Kranich, ehemaliges Ensemblemitglied des Altonaer Theaters, hat sich als Sängerin, Autorin und Kunstinterpretin einen Namen gemacht. Ihr Vortrag lebt von den Bildern und den Tonaufnahmen aus Tagebüchern und Briefen des Künstlers.

Einem hoch interessanten Menschen ist ein Referat am Donnerstag, 28. April, gewidmet (19.30 Uhr, Theater, Eintritt frei). Dr. Claus Gossler hat sich auf die Spur des Mannes gesetzt, der nicht“nur“ Heinrich Heines Papierverkäufer war: der Hamburger Kaufmann und jüdische Wohltäter Eduard Michaelis (1771-1847). „Am besten konserviert hat sich mein Freund, der Papierverkäufer“, schrieb Heinrich Heine 1844 in seinem satirischen Versepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“. Er meinte damit den Namensgeber des Papiergroßhandelsunternehmens E. Michaelis & Co., das seinen Sitz seit 1962 in Reinbek hat. Claus Gossler zeigt einen faszinierenden Mann, der nicht nur einen kleinen Papierladen in einen florierenden Großhandel ausbaute, sondern sich auch sein Leben lang der Hilfe für mittellose Juden verschrieb. Michaelis initiierte die Gründung der Israelischen Freischule für arme jüdische Kinder, schob das Israelische Vorschuss-Institut an, das Kleinkredite verlieh, und engagierte sich ehrenamtlich im Altonaer Waisenhaus. Der Vortrag ist eine Veranstaltung der Otto-von-Bismarck-Stiftung.

Ein besonderes „Freundschaftsspiel“

Fußballfans werden am Sonntag, 24. April, nicht auf ihre Kosten kommen, Freunde der Kammermusik dafür umso mehr. Das Trio Ahava ist ab 17 Uhr im Theater zu Gast (Eintritt 12,- Euro) mit dem Konzert „Ein Freundschaftsspiel“. Eduard Don (Klarinette) stammt aus Israel, Julia Mensching (Viola) aus Deutschland, Jason Ponce (Klavier) aus Südafrika. Zu Mozarts Zeiten – er schuf 1786 das erste „Terzett für Clarinette, Viola und Clavier“ – war die Kombination dieser Instrumente hoch innovativ. Das Holzblasinstrument Klarinette war gerade erst erfunden wurden, die Viola war bis dahin in der Regel nur Begleiter und das neue Pianoforte konnte im Gegensatz zum Cembalo auch laut gespielt werden. Das Trio Ahava verfolgt in seinem Konzert die weitere Entwicklung der interessanten Zusammenstellung mit den Märchenbildern Robert Schumanns, Luise Adolpha Le Beaus Träumerei sowie mit Werken von Claude Debussy, Francis Poulenc und Max Reger. Ihre musikalische Darbietung ergänzen die Freunde durch eine Moderation mit wissenswerter und unterhaltsamer Information.