Kurzweiliges Theatervergnügen

Ein flottes Gastspiel erlebten über 50 Besucher in der Osterwoldhalle in der Lauenburger Altstadt mit dem Hof-Theater aus Hamburg.

Von Brigitte Gerkens-Harmann
Lauenburg – „Du bist wie eine Auster – nur das da keine Perle mehr drin steckt…“ – diese Erkenntnis ist bitter. Sie trifft Bernard, den vermeintlich farb- und kraftlosen Ehemann von Viviane, seiner feschen Gattin, sehr. Ehealltag, Ehefrust und Langeweile in einer Beziehung, werden in diesem Aphorismus deutlich. Im Stück „Die Auster“ dreht es sich nicht um die leckeren Meeresbewohner der großen Familie der Muscheln, sondern um den Stoff, den das Leben tagtäglich in Beziehungen liefert: Eine Komödie ist die richtige Form, um Liebe, Eifersucht und Herzschmerz für das Theaterpublikum auf zuarbeiten.
In Lauenburg kam „Die Auster“ als Gastspiel des Hamburger „Hoftheaters“ auf die Bühne in der Osterwoldhalle. Regie führte Andreas Püst. In seiner Inszenierung des Stücks von Didier Caron, gelang es ihm die vier Schauspieler Petra Behrsing (Viviane), Hans B. Goetzfried (Bernard), Jacob Loerbrocks (Olivier) und Janine Pehmöller (Cindy) mit Gespür für Tempo und witzigen Aktionen zu besetzen.
Kein leichtes Unterfangen, denn die Story lebte davon, das in zwei Wohnungen die Mini-Dramen fast parallel abliefen. Eine kreative Lösung schuf Püst dabei in einem geteilten Bühnenbild.  Die Mimen mussten nicht nur mit wenig Platz auf der Bühne auskommen, sondern auch in einem recht anspruchsvollen schnellen „Wechsel“ zwischen den „Wohnungen“ agieren. Mit einer  geschlossenen Ensembleleistung punkteten die vier Hamburger Mimen an der Elbe.
Andreas Püst ist der Künstlerische Leiter der Osterwoldhalle. Er ist Regisseur, Bühnenbildner und Mime im Ensemble der Lauenburger Theatertruppe. Er erhielt den Kulturpreis der Stiftung Herzogtum Lauenburg vor vier Jahren.
Ebenso selbstsicher wie amüsant spielte Behrsing ihre Rolle als flotte „Viviane“. Da hatte es Goetzfried schwer, seinen „Bernard“ in Position zu bringen. Sein routiniertes und dem Publikum stets  zugewandtes Spiel war fabelhaft. Beiden gelang es, die Höhen und Tiefen älterer Ehepaare glaubhaft zu verkörpern. Temperamentvoll und mit flottem Wechselspiel bezauberte der vermeintliche Liebhaber und die „gekaufte“ Liebhaberin. Jacob Loerbrocks und Janine Pehmöller. Die Figur der klassischen, dummen Blondine legte Pehmöller als „Cindy“ überzeugend und durchgehend temporeich an. Solide das Spiel von Loerbrocks, der als fanatisch putzender Hausmann „Olivier“, so manches Schmunzeln im Publikum hervorrief.
Zum Stück: Der pensionierte Bernard vernachlässigt seine Frau Viviane nicht nur, er ist auch krankhaft eifersüchtig. Als der Name Olivier wiederholt im Terminkalender seiner Frau auftaucht, zweifelt er nicht daran, einem Nebenbuhler auf die Schliche gekommen zu sein. Tief verletzt geht er zum Gegenangriff über und erfindet selbst eine jüngere Geliebte, um Viviane eifersüchtig zu machen. Doch die durchschaut seine Verdächtigungen und fordert ihn auf, ihr die „Geliebte“ vorzustellen. Als Bernard eine drittklassige Schauspielerin engagiert, die kein Fettnäpfchen auslässt, und Viviane Olivier überreden kann, mitzuspielen, verabredet man sich ganz aufgeklärt zu viert. Das Spiel eskaliert, und erst als es den beiden jungen Leuten zu bunt wird, kehrt auch bei Bernard und Viviane wieder Vernunft ein.