Noch kein Aufatmen in Sicht

Das Künstlerhaus Lauenburg hat zu kämpfen. Auch im 30. Jahr des Bestehens weht der renommierten Internationalen Stipendiatenstätte und ihrem Trägerverein und ein strammer Wind um die Nase. Veränderungen stehen an – die ersten sind bereits vollzogen.

Lauenburg – Die Vorbereitungen zur großen 30-Jahr-Feier im Juni laufen, das Veranstaltungsprogramm 2016 steht, die Website funktioniert wieder. Das Renommee des Hauses zur Förderung zeitgenössischer Künste ist von landesweiter Bedeutung, auch als Kulturstätte für die Stadt und Region ist das Künstlerhaus eine feste Größe. Alles gut? Nicht wirklich. Auch eine so namhafte Einrichtung wie diese hat zu kämpfen. Die finanzielle Lage des Fördervereins ist angespannt, das ehrenamtliche Management am Rande seiner Kapazität angelangt. „Wir müssen überlegen, wohin die Reise insgesamt geht und dem Haus eine Zukunft geben“, sagt Vorsitzende Ulrike Mechau-Krasemann. Dazu gehören aus Sicht des Vorstandes mehr Geld, eine neue Mitarbeiterkonstellation, andere Wege – „nach über zehn Jahren gehören auch Personalwechsel dazu“.
Personalkarussell dreht sich
Der erste Wechsel ist bereits vollzogen. Kulturmanager Volker Hillmann hat das Künstlerhaus zum 31. März verlassen. Wie jetzt bekannt wurde, hatte der Verein ihm im Januar gekündigt. Anhaltende Kursdebatten waren vorausgegangen. Zu den näheren Umständen der Trennung will Hillmann sich nicht äußern, „das gehört nicht in die Öffentlichkeit“, sagt er. Zehn Jahre hatte Volker Hillmann als Kulturmanager quer durch alle Bereiche gewirkt, dabei auch gemerkt, dass in Teilzeit nicht alles Wünschenswerte zu leisten ist und speziell das Fundraising sich in der Region als schwierig gestaltet. „Ich hinterlasse ein gut aufgestelltes Haus“, sagt Hillmann – auch er will sich nun neu orientieren.
2015 schon hatten die Landesstipendiaten eine Neuaufstellung der Stipendiatenstätte angeregt. Da das Künstlerhaus keine institutionelle Förderung durch das Land erhalte und ohne Stellenplan arbeite, habe man alle Faktoren auf den Prüfstand gestellt und beschlossen, den Weg für neue Kompetenzen frei zu machen, erklärt Mechau Krasemann. So wurde zum 1. April Marita Landgraf (34) als künstlerische Leiterin in Teilzeit angeheuert. Die Kulturvermittlerin aus Hamburg bringt Erfahrungen aus dem Bremer Künstlerhaus, mit Kunstausstellungen und Galeriearbeit mit (siehe People).
Führungsduo will Vorsitz 2017 abgeben
Unter dem Aspekt der nächsten Generation ist auch der 2017 beabsichtigte Rückzug des bisherigen Führungsduos zu sehen. Ulrike Mechau-Krasemann und ihre Stellvertreterin Dr. Ursula Schild werden bei den Vorstandswahlen dann nicht mehr für den ehrenamtlichen Vorsitz kandidieren, wollen nur noch unterstützend tätig werden. „Die Nachfolger müssen nicht aus Lauenburg kommen. Sich weiträumiger umzusehen, vergrößert die Chancen“, hofft die Chefin. Schon jetzt sind ein paar Aktive ausgeschieden. Das Amt des Kassenwarts hat nun Dr. Hans-Jürgen Schild übernommen, neue Kassenprüferinnen sind Ulrike Werth und Petra Horst. Die Position des Schriftführers blieb zunächst unbesetzt. Mitgliederwerbung steht folglich auf der Agenda – 44 sind es laut Mechau-Krasemann momentan, drei mehr als 2015. Hilfestellung wird vor allem bei Ausstellungen und der Reinigung des Hauses benötigt. Auch eine Verwaltungskraft auf Minjobbasis wäre wünschenswert. Ein hauptamtlicher Mitarbeiter, wie in anderen Künstlerhäusern üblich, bleibt für Mechau-Krasemann das Ziel.
Mehr Geld ist unerlässlich
Der Haushaltsplan des Vereins indes ist eng gestrickt. Man steht momentan im Minus, weil noch immer rund 45.000 Euro aus der Hochwasserhilfe des Landes ausstehen. Die Auszahlung hake, weil das Abrechnungsverfahren sehr aufwändig sei, das Künstlerhaus bereits den 3. Widerspruch laufen habe und auch den Architekten immer wieder einschalten müsse, berichtet Ulrike Mechau-Krasemann. Das unter Denkmalschutz stehende Künstlerhaus, das durch die Flut 2013 schwere Schäden davon trug, ist inzwischen aber renoviert und modernisiert. Zusätzliches Geld soll die Wiederaufnahme der Baustein-Aktion aufs Konto spülen, bei der Bürger und Unternehmen sich durch Kauf eines Backsteins für 99,- Euro symbolisch am weiteren Aufbau des Künstlerhauses beteiligen können. Als Start ist das Jubiläumswochenende mit KulturSommer-Eröffnung geplant (8. bis 10. Juli). Mehr Spenden könnten die Einnahmen ebenfalls erhöhen.
Parallel will der Verein an einigen Stellen sparen. Unter anderem wird das Literaturstipendium auf drei Monate verkürzt (vorher sechs Monate). Im Anschluss an den Literaten soll der Kompositionsstipendiat ins Künstlerhaus einziehen – damit würde die alte Hafenmeisterei frei als Gästehaus, was bei Bedarf Übernachtungskosten in Pensionen oder Hotels vermeidet. Die Ausgaben drosseln will der Verein auch bei den Druckkosten. Ein Fragezeichen bleibt noch bei der Stadtgalerie, deren Ausstellungen bereits bis Jahresende durchgebucht sind. Die Räume im ehemaligen Kaufhaus Hagenström an der Elbstraße 28 durften seit ihrer Eröffnung 2011 mietfrei genutzt werden. Der Vertrag läuft nun aus, ab August soll der Trägerverein monatlich 250 bis 300 Euro Miete zahlen – „das ist schwierig“, sagt Mechau-Krasemann. Vielleicht könne man ja noch verhandeln und bis Juli eine Lösung finden.